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Bahn-Chef Grube, 2012 Zoom

Deutsche Bahn: Grube will Umsatz bis 2020 verdoppeln

Die Ziele sind ehrgeizig – die Deutsche Bahn will bis in acht Jahren profitabler Marktführer, Top-Arbeitgeber und Umweltvorreiter sein. Jedes Geschäftsfeld müsse dazu seinen Beitrag leisten, sagt Vorstandschef Dr. Rüdiger Grube. Wachstumspotenziale sieht er etwa in der Kontraktlogistik.

Umweltschutz geht laut Bahn-Vorstandschef Dr. Rüdiger Grube alle an – Politik, Haushalte und Betriebe. Sein Unternehmen will mit gutem Beispiel vorangehen und bis 2020 Umweltvorreiter sein. Das ist eines der in der Strategie DB 2020 verankerten Ziele. Er sei sich sicher, dass nur nachhaltig operierende Unternehmen langfristig Erfolg haben werden. Mehr als zehn Kunden hätten sich bereits dazu entschieden, ihre Güter bei der Deutschen Bahn CO2-frei zu bewegen, sagt Grube im Gespräch mit trans aktuell-Redakteur Matthias Rathmann.

Herr Dr. Grube, warum braucht es eine Strategie DB 2020?

Das ist ganz einfach: Die Welt hat sich verändert – und wir müssen darauf reagieren. DB 2020 ist unsere Antwort auf die Herausforderungen, die sich aus der globalisierten Welt, dem demografischen Wandel in Deutschland und dem Klimawandel ergeben. Wir legen damit die Leitplanken fest: Unser Ziel ist es, bis 2020 profitabler Marktführer, Top-Arbeitgeber und Umweltvorreiter zu sein. Wir wollen ein Unternehmen sein, das Ökonomie, Soziales und Ökologie dauerhaft in Einklang bringt. Denn eins ist sicher: Geld verdient zukünftig nur der, der auf Dauer zufriedene Kunden und Mitarbeiter hat sowie gleichzeitig seiner ökologischen Verantwortung nachkommt.

Die Ziele sind ambitioniert: Was gibt Ihnen die Zuversicht, dass eine Umsatzverdopplung innerhalb von nur acht Jahren zu realisieren ist?

Ja, die Ziele sind ambitioniert, aber ich bin voller Zuversicht, dass wir sie erreichen. Warum? Unsere Mitarbeiter leisten Tag für Tag Unglaubliches. Ihnen haben wir es zu verdanken, dass wir bereits heute sehr erfolgreich sind. Schauen Sie doch, wie es um die Bahn stand, als Bundesbahn und Reichsbahn im Zuge der Bahnreform zusammenkamen: Tägliche Verluste in Millionenhöhe. Die Personalkosten waren höher als der Umsatz. Heute machen wir 2,3 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern und Zinsen.

Schon heute hat die Logistiksparte den mit Abstand höchsten Anteil am Umsatz. Wird ihr bei der Strategie DB 2020 eine Schlüsselrolle zukommen?

Allen Ressorts und Geschäftsfeldern im Konzern kommt eine wichtige Rolle zu. DB Schenker ist ein integraler Bestandteil des DB-Konzerns. Gemessen am Umsatz trägt das Ressort Transport und Logistik mit 52 Prozent derzeit den größten Anteil, nicht jedoch, wenn man den Gewinn betrachtet. Jedes Geschäftsfeld hat einen wichtigen Beitrag zu leisten, um unsere strategischen Ziele zu erreichen. Nur zusammen können wir so erfolgreich sein.

Die Umsatzziele lassen sich wahrscheinlich nicht durch rein organisches Wachstum erreichen. In welchen Bereichen und Regionen sehen Sie, was die Logistik angeht, Potenzial für Zukäufe?

Über Zukäufe möchte ich hier nicht spekulieren. Grundsätzlich erhält jedes Geschäftsfeld die gleiche Chance. Aber: Wer Gelegenheiten ergreifen will, braucht ein solides finanzielles Fundament. Hieran arbeiten wir, vor allem durch einen deutlichen Abbau der Verschuldung. Gute Chancen für Wachstum bieten sicher der Markt für Kontraktlogistik, die Transportmärkte in Osteuropa und der rohstoffreiche afrikanische Kontinent. In den meisten Fällen ist es ja so, dass wir unseren Kunden folgen – in deren Beschaffungs- und Absatzmärkte.

Ihr Unternehmen möchte bis zum Jahr 2020 auch Umweltvorreiter sein. Werden denn auch die Kunden mitspielen, die für umweltverträgliche Transport- und Logistiklösungen ja auch meist mehr bezahlen müssen?

Ich bin mir sicher, dass nur nachhaltige Angebote und nachhaltig operierende Unternehmen langfristig Erfolg haben werden. Deshalb setzen wir auf den Einklang von Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Umweltfreundliche Güter oder Logistikleistungen werden schon heute nachgefragt, das können Sie nicht nur im Supermarkt beobachten. Für Image und Reputation vieler Unternehmen sind umweltverträgliche Transport- und Logistiklösungen mittlerweile ein nicht unerheblicher Erfolgsfaktor.

Wie werden grüne Produkte – zum Beispiel Eco Plus im Bereich Schienengüterverkehr – schon heute nachgefragt?

Sie werden immer mehr nachgefragt. Audi hat den Anfang gemacht und war der erste Kunde unseres CO2-freien Schienengütertransports. Inzwischen haben wir in Deutschland mehr als zehn Kunden. Und wir wollen Eco Plus künftig auch in anderen europäischen Ländern wie in Großbritannien anbieten. Dabei bieten wir mit unseren Eco Solutions weit mehr als nur umweltfreundlichen Schienengüterverkehr.

Sehen Sie auch die Politik gefordert, mehr Anreize für umweltfreundliche Dienstleistungen zu setzen?

Bei Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind alle gefragt: Politik, Unternehmen und private Haushalte. Anreize können sicher dienlich sein, um die Dinge in die richtigen Bahnen zu lenken. Der umweltfreundliche Schienenverkehr wird aber leider im Wettbewerb benachteiligt. Zum Beispiel sind wir schon heute als umweltfreundlichstes Verkehrsmittel mit Steuern und Abgaben von rund 400 Millionen Euro im Jahr belastet. Diese Belastung droht 2013 mit der dritten Periode des Emissionshandels noch mal um 300 Millionen Euro zu steigen. Wenn wir es ernst meinen mit dem politischen Ziel, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen, müssen wir diese Wettbewerbsnachteile dringend abbauen.

Zur Person

Dr. Rüdiger Grube ist seit Mai 2009 Vorstandsvorsitzender von Deutscher Bahn und DB Mobility Logistics. Er wurde am 2. August 1951 in Hamburg geboren. Nach einer Ausbildung im Metallflugzeugbau studierte er an der Fachhochschule Hamburg Fahrzeugbau und Flugzeugtechnik. Es folgte ein Studium der Berufs- und Wirtschaftspädagogik an der Uni Hamburg. 1986 promovierte Grube an den Universitäten Hamburg und Kassel. 1989 trat er in das Luft- und Raumfahrtunternehmen Messerschmitt-Bölkow-Bloh ein, der späteren Daimler-Benz Aerospace (Dasa). 1990 wurde Grube Büroleiter des deutschen Airbus-Chefs. 1992 war er verantwortlich für den Luft- und Raumfahrtstandort München-Ottobrunn. 1995 wurde er zum Direktor Unternehmensplanung und Technologie der Dasa berufen. 1996 wechselte der Manager als Senior Vice President und Leiter der Konzernstrategie zu Daimler. 2000 stieg er in den Bereichsvorstand der Konzernentwicklung auf. Seit 2001 war Grube im Daimler-Vorstand verantwortlich für das Ressort Konzernentwicklung und seit 2004 für alle Nordostasien-Aktivitäten.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

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Deutsche Bahn

Datum

8. Mai 2012
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