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Daimler Antriebsstrang: Daimler wächst in Detroit

Daimler Trucks produziert in Amerika das Powershift-Getriebe unter der Marke von Detroit Diesel. Zum Anlauf der Fertigung verkündet Wolfgang Bernhard weitere Investitionen.

Gänsehaut – kurz bevor Martin Daum und Wolfgang Bernhard den Gouverneur des amerikanischen Bundesstaats Michigan Rick Snyder auf die Bühne baten, ging ein Aufschrei der Freude durch die Werkshallen von Detroit Diesel. Eigentlich waren die rund 2.000 Mitarbeiter an diesem Tag zusammengekommen, um mit Daimler Trucks & Busses-Chef Bernhard und dem Geschäftsführer für den nordamerikanischen Markt Daum den Start der Serienproduktion des automatisierten Getriebes DT12 zu feiern. Doch Bernhard hatte nicht nur die US-Version des Powershift-Getriebes im Gepäck. Er kündigte gleich noch an, dass Daimler ab 2018 auch eigene Motoren für die mittelschwere Klasse für den amerikanischen Markt in Detroit fertigen will.

Neue Motoren für USA

Die Aggregate DD5 und DD8 sollen in diesem Jahr zunächst aus dem Werk Mannheim in den US-Markt geliefert werden. Bewähren sich die Motoren in den USA, verlagert Daimler die Fertigung der OM93x-Derivate nach Detroit. Mit den Plänen von Daimler gehen Investitionen von insgesamt rund 375 Millionen Dollar einher, was nebenbei laut Unternehmen 160 neue Stellen schafft. Für die Bürger einer Stadt, die während der Krise 2009 mehr als 350.000 Jobs in der Fahrzeugindustrie verloren hat, sind das Zeichen für den Wiederaufstieg. 

Mit der Einführung der eigenen mittelschweren Motoren schafft Daimler einen Gegenpol zu den bisher eingesetzten Cummins-Aggregaten. "Wir ersetzen Cummins nicht, sondern fahren eine Zwei-Marken-Strategie", sagt Amerika-Chef Daum. Der Kunde soll entscheiden können, welche Motorenmarke in seinem Truck für den Vortrieb sorgt. Allerdings wird Daimler es dem Kunden leicht machen, sich für Motoren aus dem Konzern zu entscheiden. Denn die fügen sich auch in der mittelschweren Klasse in naher Zukunft in den sogenannten integrierten Antriebsstrang ein.

Daimler komplettiert die Antriebsstrang-Produktion

In der schweren Klasse markiert der Produktionsstart des DT12-Getriebes den Auftakt für den ersten komplett aus Daimler-Entwicklung stammenden Antriebsstrang, der auf amerikanischem Boden gebaut wird. In einer beispielhaften Konfiguration können US-Kunden das DD15-Aggregat mit dem automatisierten Getriebe DT12 und allen Achsen aus Daimler-Hand beziehen. Der entscheidende Vorteil: Nutzt Daimler am Antriebsstrang nur eigene Komponenten, lassen sich diese ab dem ersten Entwicklungstag in ihrer Arbeitsweise exakt aufeinander abstimmen. 

Dass Daimler immer weniger Kompromisse mit Zukaufteilen eingehen will, hat das Unternehmen zuletzt bei der Effizienzsteigerung des OM471-Motors gezeigt. Hier hatte man sich von Borg Warner als Zulieferer für Turbolader getrennt und sich für ein eigenes Bauteil entschieden.

Automatisiertes Getriebe überzeugt in den USA

Das letzte Bauteil für die maximale Eigenfertigungstiefe in der schweren US-Klasse ist das DT12-Getriebe. Vor rund zwei Jahren hat es der Daimler-Konzern in den amerikanischen Markt eingeführt. Damals hätte sich kaum jemand träumen lassen, dass ein automatisiertes Getriebe des Daimler-Konzerns binnen kurzer Zeit eine eigene Produktionslinie rechtfertigt. Doch die US-Trucker haben sich schnell von den Annehmlichkeiten der Automatisierung überzeugen lassen.

So hat Daimler laut Frank Reintjes, verantwortlich für alle Antriebsstrangthemen bei Daimler Trucks, in Amerika innerhalb von zwei Jahren 35.000 Lkw mit automatisiertem Getriebe verkauft. Angesichts dessen fiel die Entscheidung leicht, das Getriebe nicht mehr komplett im badischen Gaggenau zu produzieren und nach Amerika zu importieren. So kommen nur noch einzelne Bauteile des Getriebes aus Baden-Württemberg. Die Einbindung des Schaltautomaten in den Antriebsstrang sowie die Produktion spezifischer Teile erfolgen vor Ort. Bei den Mitarbeitern der Fahrzeugindustrie am über Jahre maroden Standort sorgt diese Nachricht für noch mehr Hoffnung auf ein Wiedererstarken von Detroit. 

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Daimler

Datum

3. März 2016
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