Der New Actros ensteht bei Herpa als Modell in 1:87 16 Bilder Video Zoom

Der neue Actros in 1:87: Herpa macht den Actros klein

Wenn eine neuer Lkw auf den Markt kommt, ist so gut wie sicher, dass Modellhersteller Herpa nicht lange mit einem passenden Sammlerstück in 1:87 auf sich warten lässt.

Einfach die CAD-Daten des Herstellers in 1 : 87 umrechnen und los geht’s, so simpel ist es leider nicht für uns“, Konstrukteur Rainer Schuh lächelt wissend, wenn er auf die bunte Explosionsdarstellung auf seinem Bildschirm schaut. Er ist der Projektleiter für den „New Actros“ bei Herpa und kennt jedes der 47 Einzelteile, aus denen sich das Modell zusammensetzt - mit allen Feinheiten versteht sich. Und die sind es auch, die aus der Miniatur des neuen Stuttgarter Flaggschiffs ein so anspruchsvolles Projekt machten.

Denn der MP 4 war vorab geheim - ganz besonders geheim.

„Alle großen Fahrzeughersteller weltweit stehen in vertrauensvollem Kontakt und Austausch mit uns und so haben wir auch von diesem Lkw relativ zeitnah die Daten bekommen. Wir arbeiten seit letztem Oktober an der Umsetzung des Modells, aber einen echten in 1 : 1 haben wir bis dato noch nicht inspizieren können. Das machte unseren Job ungleich schwerer als gewöhnlich“, so Schuh. Denn eigentlich können die Herpa-Entwickler nur am Originalfahrzeug ganz genau in Augenschein nehmen, wie die Details des Designs wirken. Kanten, Wölbungen, Sicken - wie sieht was in welchem Lichteinfall aus? Was wird betont, was zurückgenommen? „Das ist wichtig, denn würde ich zum Beispiel den Türspalt, der ja sehr schmal ist, damit die Türe perfekt schließt, einfach in 1: 87 übernehmen, wäre er am Modell so gut wie unsichtbar“, erklärt der Entwickler und zeigt auf die entsprechende Stelle der Explosionsdarstellung auf seinem Bildschirm.
Herpa-Geschäftsführer Klaus Schindler kann aber auch unter „geheimnisvollen“ Produktionsumständen auf die Expertise seiner Leute zählen: „Gerade vorhin bekam ich einen Anruf von Mercedes. Die haben die ersten Modelle gesehen und gratulierten mir, wie gut die Miniatur geworden sei. Das freut meine Mitarbeiter und mich natürlich sehr.“

Der Winzling ist in seinen Details wirklich beeindruckend

Und nachdem nun die ersten Originale enthüllt sind, ist klar: Die rund 250.000 Euro Entwicklungskosten für die Grundform des Modells haben sich gelohnt und alle Lkw-Miniaturensammler und Actros-Fans dürfen sich in den nächsten Jahren auf eine breite Palette an Ausführungen in 1 : 87 freuen. Als Erstes lief allerdings eine exklusive Charge für Mercedes selbst.
Deren Entstehung nimmt im Formenbau an der Fräse von Robert Nürnberger ihren Lauf. Die Maschine schnitzt nach den Daten die sie von Rainer Schuhs Computer bekommt, aus einem Kupferklötzchen die sogenannte Elektrode. Diese sieht aus wie das zukünftige Modell und wird im nächsten Arbeitsschritt per Starkstrom in Stahl gebrannt. Das passiert in einem Bad aus schwer entzündlichem Petroleum und dauert einige Stunden. Wenn das Kupferstück auf den Stahl trifft, entsteht ein Funke und brennt an dieser Stelle den Stahl ab. So versinkt die Elektrode langsam in dem Stahlblock und erzeugt die Negativform für den Spritzguss. „Die ganze Form polierten wir hinterher noch in etwa einer Woche Arbeitsstunden von Hand auf Hochglanz“, führt Nürnberger aus, während er das Glanzstück mit einer Lupe auf etwaige Kratzer kontrolliert.

Hinter dem Arbeitsaufwand verbirgt sich ein cleverer Trick

Ist die Form komplett glatt, bekommt der eingespritzte Kunststoff später ebenfalls eine vollkommene Oberfläche und glänzt von selbst. Bei einfarbigen Spritzlingen ist so keine zusätzliche Lackierung nötig. Das kommt der Feinheit des Modells zugute, denn jede Lackschicht trägt in Miniatur um einiges mehr auf als in 1 : 1.
Hinter einer geschlossenen Schiebetür verrichtet die Spitzgussmaschine ihre Aufgabe - die ist nämlich mit 240 Grad Celsius eine heiße Sache. So ist nicht viel davon zu sehen, wie die Presse in durchschnittlich zwölf Sekunden bei 100 bar geschmolzenen Kunststoff in die vorhin erwähnte Form presst. Klickklack, zisch, kleines Wölkchen Marke verschmortes Plastik, noch mal klickklack und schon ploppt sachte eine 2,38 Gramm schwere Actros-Kabine aufs Band. Jetzt sieht Eva Schröder genau, wie glatt die Pressform ist, wenn sie die Spritzlinge prüft. Als Nächstes geht es für die Teile in die Lackiererei. Grüppchenweise auf einen Trägerbaum aufgesteckt, rotieren die Kabinen in „Andorith“. Die Metallicfarbe, in der auch die ersten Originale unterwegs sind. Nach dem Trocknen landen die Fahrerhäuser auf dem Werktisch von Roswita Schmidt. Sie prägt mit einer hauchdünnen Folie das kleine, silbrig glänzende Logo auf die Actrosnase und führt das Ergebnis vor: „Dazu muss der Schriftzug auf der Miniatur erhaben sein, damit die Folie nur dort landet und nicht auf der ganzen Front klebt.“ In der Tat, die winzigen Buchstaben sind tastbar - kaum, aber eben doch. Das bedeutet, auch sie sind eine schier unglaubliche Feinheit, die schon der Formenbau in die Spritzform einarbeitet. So wie den noch viel winzigeren Stern, der mittig direkt unter der Aussparung für die Frontscheibe zu sehen ist - ganz genau hinsehen!
Modelle, die eine Bedruckung erhalten sollen, finden sich unter den Silikontampons an der Maschine von Irene Kreiter wieder.  Sachte tippen die Druckkissen aufs Modell und hinterlassen „125! Jahre Innovation“ auf der Fahrertür. Mit der Lupe lässt sich nach dem Druckvorgang erkennen, wie gestochen scharf das Mini-Logo ist.

Sind alle 47 Einzelteile des „New Actros“ komplett lackiert, veredelt und bedruckt, geht es an den Zusammenbau.

Das Modell, wie übrigens alle Modelle von Herpa, bekommt keinen Tropfen Klebstoff zu Gesicht. Alle Bauteile sind so passgenau gefertigt, dass sie sich perfekt ineinanderfügen. Das ist beim Zusammenbauen anfangs ein klein wenig knifflig, wie Berta Bildaro demonstriert. Die genaue Reihenfolge muss stimmen, sonst hat man schnell ein Stückchen übrig und bringt es nicht mehr unter, weil der Rest schon fest zusammensitzt. Aus diesem Grund gibt es für jedes neue Modell eine eigens erstellte Bauanleitung. Ist die nach ein paar Lkw-Minis erst mal in Fleisch und Blut übergegangen, braucht eine geübte Monteurin oder ein geübter Monteur etwa sechs Minuten pro Actros. Respekt - so schnell klappt das in Wörth auch mit etwas Übung sicher nicht.

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

5. Oktober 2011
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