Der Automotive-Konzern Continental, Dr. Michael Ruf Zoom

Der Automotive-Konzern Continental: ITS ist im Kommen

Der Automotive-Konzern Continental setzt auf Lösungen rund ums Thema Intelligente Transportsysteme (ITS). Dr. Michael Ruf, der für das 
Nutzfahrzeuggeschäft verantwortlich ist, erläutert die Perspektiven der Technik.

Vor etwas über einem Jahr hatte Dr. Michael Ruf, der beim Automotive-Konzern Continental für das Nutzfahrzeuggeschäft und den Bereich Nachrüstmarkt zuständig ist, die Losung "ITS ready" herausgegeben. Das war zur Einführung des digitalen Tachografen DTCO 2.0 der Continental-Produktmarke VDO. Dass die Lösungen rund ums Thema Intelligente Transportsysteme (ITS) gleich mehrere Geschäftsbereiche des Zulieferers betreffen, erläutert Ruf im Gespräch mit trans aktuell-Redakteur Carsten Nallinger.

trans aktuell: Zur Einführung des Digi-Tachos DTCO 2.0 sind sie mit ITS ready vorgeprescht. War das etwas voreilig?

Dr. Michael Ruf: Keineswegs. Der Markt für ITS liegt schon heute bei rund 30 Milliarden Euro. Im Jahr 2020 werden es bereits 70 Milliarden Euro sein, die es in diesem Bereich zu verteilen gibt. Das wiederum liegt an den viel­fältigen Einsatzmöglichkeiten, die ITS bietet. Gibt es doch neun verschiedene Teilbereiche, die dahinterstecken. Allein fünf davon sind für uns als Continental relevant.

Welche Bereiche sind das?

Wir sind in den Themenfeldern Flottensteuerung, Sicherheit, Instandhaltung, Maut und Verkehrssteuerung unterwegs. Alles Bereiche, die natürlich auch für Spediteure und Transportunternehmer von Bedeutung sind.

Sie wollten vor einem Jahr das Parkplatzproblem mithilfe einer GPS-Ortung angehen. Was ist daraus geworden?

Genau genommen sind wir mit gleich mehreren Zielen angetreten. Die von Ihnen angesprochene Lösung hat sich bislang leider noch nicht realisieren lassen. Wir wollten ja mittels GPS-Ortung Rückschlüsse auf die Belegung der Lkw-Parkflächen ziehen. Das war beim heutigen Stand der Technik mit zu vielen Fehlern behaftet. In Kürze starten wir hierzu aber eine andere Lösung.

Wie sieht diese aus?

Es handelt sich dabei um eine Online-Community, also eine Plattform, die mit Facebook vergleichbar ist. Allerdings ­natürlich für einen anderen Nutzerkreis und mit einer anderen Funktion. Der Arbeitstitel für das Portal ­lautet "Truck Ya".

Was erwartet den Nutzer des Online-Portals?

Zunächst einmal soll es eine Smartphone-App geben. Kommt der Fahrer auf einem Parkplatz an, kann er mit einem einzigen Klick sehen, wie es um
die Parksituation bestellt ist. Die Anzeige erfolgt dann wie bei einer Ampel: Rot, Gelb oder Grün. So ist auf einen Blick ersichtlich, ob es Sinn macht, auf dem betreffenden Rastplatz
zu bleiben.

Dafür bräuchte es aber noch kein Portal – oder?

Stimmt. Unser Informationsangebot soll aber noch wesentlich weitergehen. Darüber hinaus wird es beispielsweise möglich sein, Angaben über die sanitären Einrichtungen oder die Verpflegungsmöglichkeiten zu machen. Der ganze Service auf der Online-Plattform ist für die Nutzer übrigens kostenlos.

Sie sprachen eingangs von bis zu 70 Milliarden Euro, die es bei ITS künftig zu verteilen gilt. An welcher Stelle wollen Sie Geld verdienen?

Besonders realistisch ist das natürlich bei Angeboten, bei denen beispielsweise der Spediteur dank des Services selbst wieder Geld spart. Ich denke da etwa an die Flottensteuerung. Zumal es hier nicht nur um den reinen Lkw-Transport geht, sondern auch um die Optimierung der gesamten Logistikkette. ITS setzt dabei direkt am Hafen oder Bahnterminal an. Auf diese Weise weiß der Spediteur, wann etwa ein bestimmter Container abgeholt werden kann. Wartezeiten ­entfallen damit weitgehend – für ihn ein unbestreitbarer Mehrwert.

Der größte Kostenfaktor sind aber die Fahrzeuge an sich …

Auch dort setzen wir mit mehreren Lösungen an, etwa mit der Instandhaltung. Denn wir können die fahrzeugbezogenen Daten mit den Wartungsintervallen abgleichen. Aber auch aktuelle technische Probleme lassen sich diagnos­tizieren. Die Daten gehen ­direkt an die nächstliegende Werkstatt. Die hat die nötigen Ersatzteile dann bereits zur Hand, wenn der Lkw vorfährt. Dieses Vorgehen minimiert nicht nur die Standzeit, sondern beugt auch größeren – und damit teureren – Schäden vor.

Und wie sieht es mit dem Faktor Sicherheit aus?

Die Themen Car2Car- beziehungsweise Car2X-Kommunikation sind ja bereits in aller Munde. Sobald die Fahrzeuge untereinander sowie auch mit der Infrastruktur "sprechen" können, gibt es vielfältige Möglichkeiten. Das geht bis hin zum autonomen Fahren. Dabei meldet zum Beispiel ein Fahrzeug dem anderen, dass es auf die andere Fahrspur ausweichen muss, sodass dieses dann automatisch bremst – oder ebenfalls ausweicht.

Im Berufsverkehr stelle ich mir das schwierig vor …

Im städtischen Verkehr dürfte es aufgrund der vielen Einflussfaktoren tatsächlich noch etwas länger dauern. Einfacher ist es hingegen auf der Autobahn. Daher bieten sich Lkw besonders für den Einsatz entsprechender Fahrerassistenzsysteme an. Ein Beispiel ist etwa die elektronische Deichsel.

Was "spricht" denn die In­fra­struktur?

Bislang leiten Navigationssysteme die Fahrzeuge alle auf dieselben Ausweichstrecken, auf denen dann ebenfalls Stillstand herrscht. Die Vision ist, dass die Fahrzeuge ihre Position, Geschwindigkeit sowie End- und/oder Zwischenziele weitergeben. Anhand dieser Informationen werden sie dann von einer Art "übergeordneten Intelligenz" auf unterschiedliche Routen geschickt. Das wiederum bedeutet für die Lkw-Fahrer eine enorme Zeitersparnis. Für die Wertschöpfungskette wiederum ist eine bessere Planbarkeit gegeben.

Würde das bedeuten, dass der Disponent die genaue Ankunftszeit weiß?

Ja, wobei das natürlich noch etwas mehr voraussetzt. Denken Sie beispielsweise an die Lenk- und Ruhezeiten, die dabei ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Aber tatsächlich haben wir hierzu bereits eine Lösung. Die stellt VDO auf der kommenden Pkw-IAA vom 12. bis 22. September in Frankfurt vor.

Zur Person

Dr. Michael Ruf hat in Stuttgart und München Elektro- und Nachrichtentechnik studiert. Anschließend arbeitete er zunächst beim Automobilzulieferer Bosch in der Entwicklung. Nach einer Zwischenstation bei Harman Becker wechselte Ruf zu Siemens VDO, dem Unternehmen, das schließlich von Continental übernommen wurde. Dort ist der 48-Jährige für die Bereiche Nutzfahrzeuge und Nachrüstmarkt zuständig.

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Autor

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Carsten Nallinger

Datum

7. August 2013
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