Bozen, Verkehr, Alpenraum Zoom

Alpenquerende Verkehre: Pilotvorhaben, die allen nutzen

Fünf Länder erarbeiten im EU-Programm Alpcheck II Lösungen für den alpenquerenden Verkehr. Vor allem kleine Frachtführer profitieren von dem Abschlussergebnis.

Die schlechte Nachricht zuerst: Das EU-Projekt Alpcheck II befindet sich in der Endphase der Förderperiode. Die gute Nachricht jedoch: Von den Projekten, die im Rahmen von Alpcheck II für die Verbesserung des Güterverkehrs entstanden sind, profitieren auch deutsche Unternehmen. Außerdem laufen schon die Planungen für die nächste Förderperiode, die 2014 startet.

2,4 Milliarden Euro für transnationale Zusammenarbeit

Und für die zeigt sich die Europäische Kommission noch großzügiger. Insgesamt hat sie die Mittel für transnationale Zusammenarbeit auf 2,4 Milliarden Euro aufgestockt, sagte Dr. Susanne Ast vom Referat Europäische Wirtschaftspolitik im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft des Landes Baden-Württemberg. "Die Kommission hat erkannt, dass die Themen für Europa wichtig sind und dass sich vieles nur noch transnational erarbeiten lässt", berichtete sie bei einer Veranstaltung von Steinbeis-Europazentrum und dem baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums in Stuttgart.

Nur zusammen lassen sich auch die dringlichen Themen Verkehr und Logistik in der sensiblen Alpenregion erarbeiten. Etwa wenn es darum geht, eine Alternative für den Seefrachtverkehr zu entwickeln, der bislang über die Häfen an der Nordsee abgewickelt wird. Von Süddeutschland im alpenquerenden Kombinierten Verkehr über die adriatischen und ligurischen Häfen, lautet die Alternative, die Holger Bach, Geschäftsführer des Logistik-Netzwerkes Baden-Württemberg (Log BW), vorstellte. Nach Gesprächen mit dem Logistiker Wincanton, der für die Grundauslastung der Rheinschiene gesorgt hätte, sei das Vorhaben wegen dessen Übernahme durch Rhenus aber wieder zurückgeworfen worden.

Pilotversuch mit Startproblemen

Bach verschwieg dabei nicht die Probleme einer transnationalen Zusammenarbeit: "Das Schwierigste ist, einen Pilotversuch zu starten, wenn drei Länder mit unterschiedlichen Regularien daran beteiligt sind", berichtete Bach. Intermodale Lösungen zu entwickeln, die umweltverträglich und für die Wirtschaft verträglich sind, sind demnach das eine.

Das andere sei, entsprechende Slots zu finden, Lokführer und Equipment zu organisieren, Reeder zu beteiligen und das Produkt auch zu verkaufen. "Das kann man alles gar nicht in einem Projekt darstellen", sagte Bach. Denn ein tragfähiges Geschäftsmodell zu finden und zu vertreiben, könne auch nicht Aufgabe eine Projekts sein. Daher sind seiner Ansicht nach am  laufenden Intereg-Programm der EU noch zu wenig private Unternehmen beteiligt, die eine solche intermodale Entwicklung  auch mittragen könnten.

Transport Decision Support System ist Kernstück des Projekts

Bei Alpcheck II war einer der Projektpartner das Unternehmen Transport Consulting International (TCI). Dessen Geschäftsführer Dr. Wolfgang Röhling berichtete über das Ergebnis der Projektarbeit. Kernstück ist demnach ein Transport Decision Support System (TDSS), das Daten, statistische Verkehrsinformationen und Modelleinschätzungen aus verschiedenen Quellen kombiniert und Entscheidungsträger in der strategischen Verkehrsplanung unterstützen soll. Darin einfließen sollen erstmals auch ökologische Bewertungskomponente, etwa Luftschadstoffe und Lärm, die Bestimmung externer Folgekosten durch Luftverschmutzung und Lärm sowie ein ökologischer Sensitivitätsindex. Die dritte Komponente bildeten die Pilotprojekte, die begleitend zur Forschungsarbeit von Alpcheck II entstanden sind.

Anna-Tool: Die Online-Plattform, die ausschließlich für kleine Frachtführer und Transportunternehmer entwickelt wurde. Neben einer Börse für Fracht und Laderaum sowie für Lagerraum, soll sie auch als Möglichkeit für den Erfahrungsaustausch und das Netzwerken unter den Unternehmern dienen. Diese können sich untereinander Nachrichten zusenden, sich aber auch im Rahmen einer Gruppe in einem geschlossenen Bereich unterhalten.

Anna-Tool ist einfach zu bedienen und kostengünstig

Im Vergleich zu den bereits auf dem Markt befindlichen Plattformen soll Anna-Tool besonders einfach zu bedienen und vor allem kostengünstiger sein. Vorerst fallen nur die Service- und Wartungskosten an. Bald sollen über die Basisfunktion hinaus auch weitere Funktionen eingeführt werden – etwa eine Lösung für Smartphones und eine automatische Kalkulation für Aufträge, bei der die Selbstkosten bereits hinterlegt sind.

Tracking und Monitoring der Lkw-Auslastung: Durch die Verbindung von GPS mit dem europäischen Satelliten-Navigationssystem Egnos und stationären Empfangsstationen (GNSS) werden die Positionsdaten überprüft. Ultraschall-Sensoren, die den Laderaum unter sich haben, erfassen automatisch den Ladestatus in Echtzeit und senden die gesammelten Daten per GPS sowie GSM/GPRS weiter. Somit kann ein Disponent auf einen Blick sehen, wo ein Fahrzeug fährt und wie viel Laderaum für weitere Touren zur Verfügung steht. Getestet wurde die Pilotanwendung in Zusammenarbeit mit drei Speditionen, die insgesamt zwölf mit der Technik ausgestattete Lkw von Dezember 2010 bis zum Mai 2012 auf die Straße schickten.

Informationen zur Verkehrssituation in Echtzeit

Real Time Monitoring: Im Rahmen von Alpcheck II wurde versuchsweise ein Korridor geschaffen, der in Echtzeit Informationen zur Verkehrssituation im Alpenraum liefern kann. Auf der Achse München–Venedig sollen die Verkehrsteilnehmer sehen können, was grenzüberschreitend auf den Autobahnen, aber auch auf dem nachgeordnete Straßennetz, los ist. Im Laufe des Monats sollen Der Echtzeit-Korridor und Anna-Tool sollen im Laufe des Monats dann auch online gehen. Mehr Informationen dazu bietet die Webseite des Projekts www.alpcheck2.eu.

Während Alpcheck II ausläuft, wird schon am neuen EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 gearbeitet, das auch Projekte im Bereich Verkehr bieten wird. Nachhaltige Entwicklung wird ein übergeordnetes Ziel des neuen Programms sein, die Leitinitiative "Innovationsunion" enthält zudem die Verpflichtung, dass sich noch mehr kleine und mittelständische Unternehmen an Horizon 2020 beteiligen sollen. Warum? "Wegen der finanziellen Förderung und dem Erfahrungsaustausch etwa", machte Dr. Susanne Ast vom Referat Europäische Wirtschaftspolitik Werbung für die Projektteilnahme. "Außerdem: Wenn ein Unternehmen Projektpartner wird, dann kennt man es in den Ministerien – das ist doch auch keine schlechte Sache."

Das Programm

An Alpcheck II (Alpine Mobility Check) sind Partner aus Italien, Östereich, Frankreich und Slowenien sowie aus Deutschland beteiligt. In Deutschland ist das Beratungsunternehmen Röhling Transport Consulting International (TCI) aus dem badischen Waldkirch Projektpartner, Unterstützung kommt durch das Land Baden-Württemberg und die Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern. Alpcheck II ist Teil des Alpenraum-Programms im Rahmen der Europäischen Territorialen Zusammenarbeit (ETZ, Interreg IV B), die von der EU-Kommission koordiniert wird und von 2007 bis 2013 läuft. Das neue EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon läuft von 2014 bis 2020. Unternehmen, die Unterstützung bei Förderprogrammen benötigen, finden Hilfe bei dem europäischen Netzwerk Enterprise Europe Network unter www.een-deutschland.de.

Ilona Jüngst

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Bezold

Datum

18. Juni 2012
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