MAN im Salzbergwerk 21 Bilder Zoom

Das Weisse Gold: Lkw im Salzbergwerk

Im Salzbergwerk Bernburg verrichtet MAN-Lastwagen eine anspruchsvolle Transportaufgabe unter Tage.

Als normaler Lkw-Fahrer wäre man hier unten in der Tiefe des Salzbergwerks Bernburg schon nach wenigen Metern vollständig verloren. Weder Schilder, noch Beleuchtung und erst recht kein Navi weisen den Weg durch das scheinbar endlose Labyrinth aus niedrigen Tunneln, Abzweigungen und blinden Stollen. Über 30 Quadratkilometer bei mehr als 7,5 Kilometer Länge und fast vier Kilometer Breite erstreckt sich das Revier von Volker Grzeschuchna. Der Diplomingenieur ist Leiter Maschinen und Elektrotechnik unter Tage und damit Herr über alles bewegliche Gerät im traditionsreichen Salzabbau in Bernburg (Sachsen-Anhalt). In flottem Tempo und mit untrüglicher "Straßenkenntnis" treibt er den offenen Geländewagen durch die Tunnel zum Herzstück seines unter­irdischen Fuhrparkimperiums.

XXL: Die voll ausgestattete Service- und Reparaturwerkstatt unter Tage wurde den Dimensionen der gewaltigen Abbaugeräte angepasst.

Nächste Station auf der Fahrt durch die salzschwangere, konstant 25 bis 30 Grad Celsius warme Luft ist eine gewaltige Halle auf satten 8.000 Quadratmeter Fläche. Hier finden sich eine Werkstatt für Schweißarbeiten, drei Servicegruben, ein riesiger Portalkran, ein in den Salzstock getriebenes Ersatzteillager und weitere Ausrüstung, die für eine Nutzfahrzeug-Werkstatt unerlässlich ist. Es sind vor allem die XXL-Ersatzreifen für die gewaltigen Knicklenker-Radlader, die erahnen lassen, dass in dem traditionsreichen Salzbergwerk alles eine Nummer größer ausfällt als in herkömmlichen Servicebetrieben.
1912 wurde in Bernburg der erste Schacht in den Salzstock abgeteuft. Seitdem haben die wackeren Kumpels mehr als 100 Millionen Tonnen Steinsalz und 15 Millionen Tonnen Kalisalz ans Tageslicht gefördert. Heute verlassen jeden Tag zwei bis drei Vollzüge mit Bernburger Salz das Firmenareal. Von dort aus gelangt das weiße Gold in die Welt. In Spitzenzeiten, etwa in strengen Wintern, wenn der Salzbedarf besonders groß ist, fahren die Bergmänner im Dreischichtbetrieb bis zu 13.000 Tonnen Salz an die Oberfläche. Eine Spitzenleistung, die ohne passendes Fahrgerät nicht möglich wäre. Dabei übernehmen die Lkw im Salzstock aber nicht den Transport des Salzes. Sie sind in erster Linie für die Versorgung sowie die Vor- und Nachbereitung des Salzabbaus zuständig.

Zwei neue MAN TGS-Dreiachser mit ­Absetzroller und fünf MAN-Vierachser mit einem speziellen Abschiebekippaufbau von Fliegl haben eben als jüngste Bergarbeiter den Dienst im Stollen angetreten. Die Dreiachser transportieren Sprengstoff zu den Lagern, liefern Kraftstoff zu den sechs im Gewirr des gigantischen Bergwerks verteilten Tankstellen und befördern Ersatzteile, Big Bags und Palettenware vom Förderturm zum Abnehmer. Sie lösen die alten, deutlich langsameren Arbeitsgeräte – teils noch aus ostdeutscher Produktion – ab.
Über die Jahrzehnte des stetigen Abbaus wanderte das aktuelle Fördergebiet immer weiter – dem Salz folgend. Heute fährt Volker Grzeschuchna rund vier Kilometer durch die Versorgungstunnel, bevor die ersten Radlader zu hören sind. Im Nordfeld werden die sogenannten Strossen aus dem Gestein herausgesprengt. Erst dann transportieren die gigantischen Radlader mit einem Schaufelhub bis zu 20 Tonnen reines Salz zu den Brechern, die das Mineral in transporttaugliche Größe zerkleinern. Von da aus reist das Salz über kilometerlange Förderbandanlagen zur 580 Meter tief liegenden Füllstelle, um über einen Förderschacht in die oberirdische Mühle zu gelangen. Dort wird das Salz gemahlen, nach Korngröße sortiert und direkt als Streumittel, jodiertes Speisesalz oder Grundstoff für die chemische Industrie sortiert weitergeleitet.

Startklar für den brisanten Job im Salz: Der TGS-Abroller transportiert Kraftstoff, Big Bags, Palettenware und auch Sprengstoff.

Sobald die bis zu 400 Meter langen und 20 Meter breiten Abbaukammern ausgebeutet sind, werden sie von oben mit Versatz­material verfüllt. Diesen Job übernehmen die neuen MAN-Vierachser. Wegen der eingeschränkten Stollenhöhe von etwa 4,5 Metern wird das Verfüllmaterial mit einem hydraulisch betätigten Abschiebekipper direkt an die Kante der bis zu 38 Meter hohen, Kathedralen-großen Salzkammern verbracht. Ein Job, bei dem präzises Fahren überlebenswichtig sein kann. Um die Traktion auf dem glatten Untergrund zu verbessern, kommt bei den neuen Trucks der hydraulische Vorderachsantrieb Hydrodrive zum Einsatz. Der Vorteil: Die Bauhöhe der Kipper bleibt im Rahmen der Fahrweghöhen. Automatische Feuerlöschanlagen, die Frischluft-Überdruckanlage fürs Fahrerhaus oder die fest montierten Bergeösen an der Frontstoßstange sind weitere spezielle Ausrüstungsmerkmale, die der Bergwerkbetreiber für den Untertage­einsatz fordert.
Die Fahrer der Salztrucks benötigen eine spezielle Schulung, bevor sie sich in das ­Labyrinth der über 150 Kilometer langen Fahrstrecken begeben. Bergbauprofi Thomas Weilbeer übernimmt als Großgeräte-Instrukteur die anspruchsvolle Aufgabe, den Neulingen den Umgang mit den Trucks unter Tage zu lehren. Die strikte Einhaltung der Vorschriften wie des 50-km/h-Tempolimits gehört dabei zu den obersten Geboten. Trotz der hoch entwickelten Sicherheitstechnik unter Tage ist der Bergmannsjob in den Tiefen des Salzgesteins immer noch nicht frei von Risiken. So ist der Transport einer Wagenladung Sprengstoff auf der Mulde sicher delikater als die Arbeit eines Kieskutschers an der Oberfläche.

Mit 50 km/h geht es durch 250 Millionen Jahre altes Salzgestein.

Bevor die 360 PS starken Euro-6-MAN unter Tage ihren ersten Schlag tun konnten, mussten sie in die Stollen gelangen. Das war nur durch einen Rückbau möglich. So wurden Fahrerhaus und Aufbau abmontiert und das gestrippte Chassis in Zentimeterarbeit durch den Transportschacht in die Tiefe abgelassen. Vor Ort montierten MAN-Experte Sebastian Zapp und seine Kollegen vom Bernburger MAN-Partnerbetrieb Gress+Zapp den Lkw-Bausatz wieder zu einem Lkw zusammen. Die Arbeit unter Tage, das warme, aber sauerstoffärmere Klima und die künstliche Beleuchtung erfordern vollen Einsatz. Zuverlässigkeit ist auch im Salzbergwerk von Bernburg erstes Gebot: Noch mindestens
20 Jahre soll der Vorrat des Salzstocks ­halten – und solange auch die neuen Lkw.

Salz für die Welt

Die European Salt Company esco mit Sitz in Hannover entstand aus dem Zusammenschluss der Salzaktivitäten von K+S und dem belgischen Konzern Solvay. Mit rund 1.400 Mitarbeitern an 19 europäischen Standorten und einem Jahresfördervolumen von rund zehn Millionen Tonnen Salz übernimmt esco das europäische Salzgeschäft
von K+S. Die Saline Bernburg ist mit rund 400 Mitarbeitern der größte esco-Standort. Aus dem Mineralsalz entstehen mehr als 1.000 verschiedene Artikel für mehr als 80 Branchen. Das Speisesalz und Auftausalz für den Winterdienst gehören zu den bekanntesten Produkten und unterscheiden sich nur durch die Korngröße, die Beimengung von Jod oder die Einfärbung als Streumittel.

Autor

Foto

Jörg Gläscher

Datum

27. Juli 2015
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