Log BH 461 Transport-Unteroffizier 8 Bilder Zoom
Foto: Thomas Kueppers

Daniel Götz bei der Bundeswehr

Ausbildung zum Transportoffizier

Daniel Götz hat bei der Bundeswehr eine umfangreiche Ausbildung zum Transportunteroffizier durchlaufen. Jetzt fährt er die verschiedensten Güter und Lkw – vom Straßentankwagen über Wechsellader bis hin zum Containersattelzug.

Mit Lkw hatte Daniel Götz als Jugendlicher wenig zu tun. Das sollte sich im Herbst 2010 ändern, als er nach Abschluss der Ausbildung zum Koch seinen Einberufungsbescheid in den Händen hielt. Der Wehrdienst dauerte damals nur noch sechs Monate und die Aussetzung der Wehrpflicht war lediglich eine Frage der Zeit. Also informierte sich Daniel lieber gleich über die Verpflichtungsmöglichkeiten als Zeitsoldat. "Dann habe ich mich spontan für die Laufbahn des Transportunteroffiziers beworben", erzählt er, während er den olivgrünen Axor 1829 über die B 27 lenkt. Ende 2010 absolvierte er als Unteroffizieranwärter die Grundausbildung und wurde anschließend in seine Stammeinheit versetzt, der er bis heute angehört: die 5. Kompanie des Logistikbataillons 461 in Walldürn. Kurz: 5./LogBtl 461.

Jetzt ging die Ausbildung für Daniel aber erst richtig los: zwei Monate Unteroffizierlehrgang in Appen, zwei Monate Führerschein B/C/CE in Ellwangen, gefolgt von der fast zweijährigen zivilberuflichen Aus- und Weiterbildung (ZAW) zum Berufskraftfahrer in Nörvenich und dem abschließenden, ebenfalls zweimonatigen Transportunteroffizierlehrgang an der Logistikschule der Bundeswehr in Osterholz-Scharmbeck.

"Transportunteroffiziere sind Mangelware in der Bundeswehr"

"Die ZAW fand in Uniform in der Kaserne statt, aber mit Dekra- und IHK-Ausbildern", erklärt Daniel. "Am Ende stand ganz normal die IHK-Prüfung." Zur Berufskraftfahrerausbildung gehörte auch ein sechsmonatiges Pflichtpraktikum bei einer zivilen Spedition – für Daniel bei Moeller in Düren. Er erinnert sich: "Wir haben erst vier Wochen lang die Stammfahrer begleitet und sind dann selbst Touren gefahren." Eine Einschränkung gab es allerdings: Internationaler Fernverkehr war nicht dabei, da die Bundeswehrvorgabe lautet, dass die Fahrer abends wieder zurück sein müssen. Zwischen den Ausbildungsabschnitten standen außerdem diverse Fahrzeugeinweisungen auf dem Plan. Schließlich umfasst der Bundeswehrfuhrpark eine Vielzahl geschützter und ungeschützter, meist geländegängiger Fahrzeuge – vom Mercedes Zetros 4x4 über Iveco Trakker 8x8 bis hin zum MAN Multi A4 FSA 8x8. Im Dezember 2013 war Daniel schließlich fertig ausgebildeter Transportunteroffizier. Im LogBtl 461 wurde er schon sehnsüchtig erwartet.

"Transportunteroffiziere sind Mangelware in der Bundeswehr", sagt Major Maiworm, der stellvertretende Kommandeur. "Die freiwillig Wehrdienstleistenden, die etwa 15 Prozent unserer Personalstärke ausmachen, bekommen meist keinen Führerschein – sie sind also nicht als Fahrer einsetzbar." Daher liegt der Fokus auf den Zeitsoldaten. Für jede Verpflichtungsdauer bietet die Bundeswehr entsprechende Qualifikationen, die später auch fürs Zivilleben nützlich sind: bei vier Jahren (Mannschaften) den C/CE-Führerschein, bei acht Jahren (Unteroffiziere) die Führerscheine plus Berufsausbildung, bei zwölf Jahren die Führerscheine plus Berufsausbildung und Meister oder Fachwirt. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit zum Quereinstieg mit bereits abgeschlossener Berufsausbildung. Das LogBtl 461 umfasst fünf Kompanien mit insgesamt 860 Dienstposten, die allerdings noch nicht alle besetzt sind. Es gibt eine Stabs- und Versorgungskompanie, in der zukünftig auch die Allgemeine Grundausbildung stattfinden wird; zwei Nachschubkompanien, die sich um Lagerhaltung und Materialbewirtschaftung kümmern; eine Instandsetzungskompanie, die – vor allem im Einsatz – Werkstattaufgaben übernimmt sowie eine Transportkompanie – die 5./LogBtl 461. "Wir sind diejenigen, die fahren", betont Daniel.

Fokus liegt auf Ausbildung und Übung

Feste Touren wie in früheren Jahren gibt es jedoch nicht mehr. "Wir betreiben nicht mehr die Grundversorgung der Bundeswehr", erläutert Major Maiworm. "Unser Fokus liegt auf Ausbildung und Übung. Nur im Einsatz übernehmen wir die Versorgung dann komplett." Im Inland disponiert das Logistikzentrum der Bundeswehr sämtliche Transportaufträge und vergibt sie größtenteils an zivile Partner. "Wenn wir Transportkapazitäten frei haben, melden wir die und bekommen entsprechende Aufträge. Oder wir picken uns interessante Touren für unsere Fahrer heraus", erklärt Maiworm.

Daniels heutige Tour kam über die Einsatzzentrale Logistik, praktisch die Dispo des Bataillons, herein und landete auf dem Schreibtisch von Transportzugführer Oberleutnant Schönig. Es geht um Stückgut aus einer benachbarten Kaserne, die aufgegeben wird. Schönig hat Daniel dann die Transportunterlagen und den obligatorischen Fahrauftrag überreicht. Nach ein paar Kilometern kommt die Hardheimer Kaserne in Sicht. Im Stabsgebäude sind noch ein paar Soldaten mit der Abwicklung beschäftigt, die restlichen Gebäude stehen leer oder werden als Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber genutzt. Vor einer Werkstatthalle wartet Alfred Dürr von der Heeresinstandsetzungslogistik GmbH, einem Bundeswehr-Dienstleister.

Daniels Plan für die Zukunft

"Wir betreuen unter anderem die Schwerlasttransporter", erklärt Dürr. "Jetzt ziehen wir um nach Walldürn." Nach ein paar Späßchen zur Begrüßung öffnet Daniel Plane und Bordwände des Axor, damit Dürr Metallpaletten mit Werkzeug einladen kann. Daniel zurrt alles feinsäuberlich mit olivgrünen Spanngurten nieder. Normalerweise hilft ihm sein Beifahrer – doch heute gehört dessen Sitz dem Besuch vom FERNFAHRER. Daher packt Dürr bei der Ladungssicherung mit an. Anschließend geht es zurück nach Walldürn. Am Tor zeigt Daniel wieder seinen Fahrauftrag vor und rollt auf das Kasernengelände. Was er vorhat, wenn sich die Schranke das letzte Mal hinter ihm schließt? Daniels Plan steht: "Über den Berufsförderungsdienst den Kraftverkehrsmeister machen und heimatnah bei einer Spedition anheuern."

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Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 08/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
Johannes Roller, Redakteur FERNFAHRER

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Datum

11. Juli 2016
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