Die mittelschwere Baureihe CF und die schwere Baureihe XF strahlen in ungewohnter Farbe und bestechen durch verbesserte Aerodynamik. 7 Bilder Zoom

DAF XF und CF: Fahreindrücke mit den Motoren MX-11 und MX-13

Außen dezent modernisiert, innen auf maximale Effizienz getrimmt: Die erste Fahrt mit dem neuen DAF macht Freude – auch weil der Lkw den Fahrer lobt. Bis zu sieben Prozent weniger Kraftstoffverbrauch sollen drin sein.

Nein, der neue DAF XF heißt nicht 107, genau so wenig wie das Vorgängermodell 106 hieß. Selbst wenn es einige Händler immer noch so in die Verkaufsverträge schreiben. Er heißt in der schweren Baureihe einfach nur XF und in der mittelschweren Baureihe, der dynamischen Sportlasterklasse, CF. Die Leistung aus den beiden Paccar-Motoren MX-11 und MX-13 steht weiter an der Tür und reicht jetzt von 300 PS bis 530 PS. Gegenüber den Vorgängermotoren sind das jetzt also jeweils zehn bis 20 Pferdestärken oben drauf. Was natürlich auch eine weitere Steigerung bei den Drehmomenten bedeutet. Nach oben hin ist in Zukunft bei 530 PS also Schluss. Und das reicht vollkommen aus, wie sich später auf der Testrunde zeigt.

Ich bin nicht so oft bei der Präsentation neuer Lkw. Das überlasse ich meinen Kollegen mit dem technischen Sachverstand, die in Kürze auch in unseren Printmedien darüber schreiben werden. Mein Schwerpunkt als Fachjournalist liegt seit Jahren bei den Arbeitsbedingungen. Dennoch nehme ich hin und wieder Einladungen an, um zu sehen, wie sich die Lkw, also die Arbeitsplätze für die Fahrer, immer weiter verbessern. Denn eins ist klar – wer auch in der Zukunft gute Fahrer haben will, der muss ihnen auch gute Arbeitsplätze bieten. Und ich mag, dass gebe ich gerne zu, die schlichten Präsentationen von DAF. Kein verschleiernder Kunstnebel, keine „Wir-beherrschen-die-Welt“-Industriemusik. Nüchterne Fakten, sachlich mit ein paar Bildern und Grafiken auf den Punkt gebracht. Diesmal in einem Schlosshotel bei Valkenburg nahe Maastricht. Man darf anschließend in lockerer Runde mit den gesamten Pressekollegen zu Abend essen und schaut die ganze Zeit auf eine blaue Zugmaschine in einem frühsommerlichen, grünen Park. Die Farbe der Demo-Fahrzeuge ist bereits ein schöner Kunstgriff. Das bisherige Orange der Lkw, mit denen DAF etwa auf der letzten IAA seine neuen Trucks vorstellte, ist nur noch in dezenten Streifen zitiert. Das macht Sinn, denn man muss wirklich schon zweimal hinsehen, um die aerodynamischen Verbesserungen am Blechkleid zu erkennen.

DAF CF und XF mit besserer Aerodynamik

Das alles erklärt Raoul Wijnands, ein Technikexperte, wie er im Buche steht, der sich aus dem Stegreif sogar daran erinnert, wie das Getriebe des DAF 3300 hieß, mit dem ich 1981 für eine deutsche Spedition nach Irland gefahren bin. Jetzt betont er die Kundenvorteile der neuen DAF-Baureihe, die mit einem großartigen Versprechen beginnen: sieben Prozent weniger Kraftstoffverbrauch. Natürlich immer abhängig von Einsatzart, von der Konfiguration und dem Stil des Fahrers. Und in der nächsten Stunde führt er im Detail auf, wo überall diese Prozente herkommen. Natürlich auch von der Aerodynamik. Sie soll 0,6 Prozentpunkte bringen. Und zwar, das hat mich für die Fahrer besonders gefreut, sogar mit Sonnenblende.

Ich erinnere mich, als ich im letzten Jahr die ersten Bilder des neuen Scania aus Schweden gepostet habe. Auch Scania hatte seinerzeit weniger Kraftstoffverbrauch versprochen. Ohne Sonnenblende allerdings. Der Aufschrei des Entsetzens seitens der Fahrer war groß. Den wird es hier also bestimmt nicht geben. Alle diese Details werden demnächst meine Kollegen Punkt für Punkt besprechen. Was mich, zugegeben, am meisten beeindruckt hat, ist die Sache mit der Restwärme: Die gesamte Technik, um den Innenraum eines Lkw zu beheizen, kostet Energie. Und so nutzt DAF für die erste Zeit, wo der Fahrer in seinem Lkw etwa an einer Ladestelle wartet, die starke Hitze aus dem Motorraum von der vorhergehenden Fahrt und stellt sie dem Heizsystem zur Verfügung. Wieder ein Prozentgewinn. Solche Details gefallen mir.

Low-Deck-Sattelzug mit verbesserter Achse und Federung

Ein Motto bei DAF heißt: Die Systeme müssen für den Fahrer arbeiten, nicht die Fahrer für die Systeme. Bei der morgendlichen Testfahrt, leider im Regen, habe ich vier verschiedene Lkw gefahren, einen Tankzug mit einem CF, einen Low-Deck-Sattelzug, einen Tandemzug und einen typisch deutschen BDF-Wechselbrückenzug. Beim Low-Deck habe ich schon nach dem Einstieg wieder vergessen, dass es sich hierbei um ein extrem tief liegendes Fahrzeug mit sehr flachen Reifen handelt, um eine Innenhöhe von drei Metern bei vier Metern Außenhöhe zu erreichen.

Es war, auch dank einer Neugestaltung der Achsen und Federung, nicht zu spüren. Lediglich in einer sehr langgestreckten Rechtskurve bei sportlicher Geschwindigkeit spürte ich eine kleine Neigung zum Übersteuern. Fasziniert haben mich in allen vier Fahrzeugen nicht nur das ansprechende Design, ein Fahrerarbeitsplatz, der auch für Menschen mit zwei Metern keine dauerhaften orthopädischen Schäden verursacht, und die modernisierte Instrumententafel mit dem eleganten Lenkrad. Eine neue Antriebstrangsoftware ermöglicht es dem Fahrer, diesen Lkw mit Ruhe und Gelassenheit durch den Verkehr zu lenken.

Erhöhter EcoRoll-Anteil sorgt für niedrigeren Verbrauch

Die Funktion des Predictive Cruise Control (PCC) hat jetzt einen erhöhten EcoRoll-Anteil, auch bergauf, was sich bereits auf der Tour rund um den höchsten Berg der Niederlande (ca. 300 m über NN) als leicht kraftstoffsparend erwiesen hat und sicher in den deutschen Mittelgebirgen noch mal richtig zur Effizienz beiträgt. Für mich hat sich wieder einmal herausgestellt: Es bringt nichts, über die Straße zu einem Kunden zu hetzen. Es erhöht nur den Stress und den Verschleiß, etwa der Bremsen. So ein 40-Tonner rollt und rollt und rollt, wenn man es gelernt hat, die Energie zu nutzen und schon weit vor einem Kreisverkehr vorausschauend vom Gas zu gehen. Dafür gibt es dann sogar ein richtiges Lob aus dem zentralen Rechner.

Als neue Funktionalität sorgt das Dynamic Cruise für eine leichte Drehmomentsteigerung bei leichten Anstiegen. Alles, was der Lkw macht, lässt sich natürlich im Display ablesen. Das ist auch gut fürs Ego. Sonst wird ja in der Transportbranche nicht so viel gelobt. Am Ende habe ich dann wahrscheinlich verstanden, was DAF meint, wenn Wijnands sagt: Mache nicht alles, was du technisch kannst, sondern nur alles, was der Fahrer braucht.

Für mich ist nach diesem ersten Fahreindruck eines klar geworden – mit den neuen CF und XF, die ab Mitte Juni in Eindhoven vom Band rollen, kann der Unternehmer, der wirtschaftlich sein muss und dem technikbegeisterten Fahrer mit dem großen Fahrerhaus und seiner wunderbar dimmbaren Innenbeleuchtung weiterhin mobile Nestwärme bieten möchte, wirklich punkten.

Autor

Foto

Jan Bergrath

Datum

19. Mai 2017
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