Ron Borsboom, Director Development DAF Zoom

DAF: Interview mit Ron Borsboom: Sicherheit und Effizienz

Ron Borsboom, Leiter Produktentwicklung und Vorstandsmitglied bei DAF Trucks, spricht mit uns über die Platooning-Challenge und wie bei DAF autonomes Fahren aussieht. Dabei thematisiert der Manager auch die Gretchenfrage der Automatisierung: Wer trägt die Verantwortung im Schadensfall?

DAF hat an der Platooning-Sternfahrt teilgenommen. Wird es Platooning irgendwann europaweit geben?

Man darf die Platooning-Challenge und damit die Technik nicht als isoliertes Thema betrachten. Platooning ist Teil einer Vision, mit der die Einführung zahlreicher Fahrerassistenzsysteme einhergeht. Ziel ist es, dem Fahrer dabei zu helfen, dass er sicherer und effizienter fährt. Der Fahrer wird immer mehr gefordert. Da sorgen die Systeme für Entlastung. Das heißt nicht, dass der Fahrer überflüssig wird. Sie kennen das aus der Luftfahrt. Im Flugzeug gibt es auch einen Autopiloten und trotzdem sitzen Menschen im Cockpit. Es geht um Erleichterung. Als wir das automatisierte Getriebe eingeführt haben, waren viele Fahrer auch verwundert, dass es keinen Handschalter mehr gibt. Letztlich hat die Automatisierung den Fahreralltag aber einfacher und sicherer gemacht. Und genau darum geht es auch bei der neuen Vision.

Was haben Sie mit der Platooning-Challenge erreicht?

Die Platooning-Challenge war eine Chance für die Industrie, um die Möglichkeiten des vernetzten Fahrens vorzuführen und zugleich zu zeigen, welche technischen Rahmenbedingungen solche Systeme brauchen. Damit meine ich Connectivity, also die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Fahrzeug und zwischen Fahrzeug und Infrastruktur. Das sind notwendige Voraussetzungen, um die technische Entwicklung vorantreiben zu können. Die niederländische Regierung hat die Sternfahrt ins Leben gerufen, um Europas führende Rolle im Bereich Connectivity zu unterstreichen. Außerdem ging es darum einen Schritt in Richtung Harmonisierung der Vorgaben in den europäischen Ländern zu tun. Grenzüberschreitender Verkehr muss so schnell wie möglich mit effizienten Techniken, wie Platooning möglich sein.

Sehen Sie dafür eine Chance?

Ja, die sehe ich. Das muss umgesetzt werden. Wenn wir die Reduktion von CO2 ernsthaft vorantreiben wollen, dann kann es nicht sein, dass wir die Techniken dafür nicht grenzüberschreitend einsetzen dürfen. Es ist für mich auch nicht nachvollziehbar, dass Eco-Combis mit einem CO2-Einsparpotenzial von 15 Prozent bis heute nicht grenzüberschreitend eingesetzt werden dürfen. Das ist von Anfang an falsch gelaufen. Deswegen müssen wir bei neuen Technologie unbedingt dafür sorgen, dass diese auch im grenzüberschreitenden Verkehr fahren dürfen. Dazu müssen die Regierungen der europäischen Staaten zusammensitzen und Barrieren überwinden. Deswegen war die Platooning-Challenge auch eine gute Sache, weil so der Prozess überhaupt erst in Gang kommt.

Denken Sie, dass dieser Prozess weitergehen wird, auch über die niederländische Ratspräsidentschaft hinaus?

Ich denke, dass wir als Industrie auch dazu beitragen müssen. Bisher hat jeder für sich die Technologie fürs Platooning entwickelt. Wir sollten aber bald die Grenzen überwinden, in denen ein DAF nur einem DAF und ein Mercedes nur einem Mercedes folgt. Es braucht einen Standard für alle, damit ein Scania auch einem Volvo folgen kann.

Wie lange wird es dauern, bis es solch einen praxisgerechten Standard gibt?

Hoffentlich sind wir schon in einem Jahr soweit, dass wir mit einer kleinen Anzahl an Lkw gemeinsam mit Kunden Praxiserfahrungen sammeln können.

... dann aber DAF mit DAF?

Das wird am Anfang DAF mit DAF sein. Wir müssen in der ACEA erst einen Standard schaffen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Wir müssen den gesetzlichen Rahmen und Haftungsfragen klären. Es wird einige Zeit dauern bis alle Gesetze aufeinander abgestimmt sind. Währenddessen müssen wir und unsere Partner sicherstellen, dass die Technologie 100 Prozent zuverlässig arbeitet, wenn wir sie nicht mehr überwachen. Bis das alles geschafft ist, haben wir vermutlich das Jahr 2020 schon hinter uns.

Welchen Standpunkt vertreten Sie in der Haftungsfrage? Sollte der Hersteller die Verantwortung übernehmen, wenn ein Unfall geschieht?

Über dieses Thema müssen wir alle gemeinsam nachdenken und festlegen, wer bei welchem Grad der Automatisierung die Verantwortung trägt. Auf der Stufe, die wir gerade eben präsentiert haben, ist der Fahrer immer noch verantwortlich. Er muss auf seinem Sitz bleiben und das Steuer jederzeit übernehmen können. Wenn wir irgendwann eine Stufe der Automatisierung erreichen, auf der der Fahrer seinen Platz verlassen kann und auch andere Dinge tun, muss man die Frage neu stellen. Dann stehen wir vielleicht in der Pflicht. Vielleicht müssen wir uns dann aber auch Gedanken um die Zuverlässigkeit des GPS-Systems oder andere Dinge machen. Es wäre zu kurz gedacht, wenn wir als Fahrzeughersteller einfach die Verantwortung übernehmen, ohne alle Aspekte in die Überlegungen mit einzubeziehen. Auch deswegen wird die Sache noch einige Jahre dauern.

Bewegt sich DAF auch auf das autonome Fahren im Stil eines Daimler Highway Pilots zu?

Letztendlich schon. Es mir an der Stelle aber wichtig zu betonen, dass wir keine Lkw ohne Fahrer auf die Straße schicken wollen. Wir reden deswegen von erweiterten Fahrerassistenzsystemen, die abschnittsweise autonom fahren können.

Das klingt nach einer guten Nachricht für alle Fahrer, die sich Sorgen machen, dass sie irgendwann überflüssig sind.

Bei DAF muss sich kein Fahrer Sorgen machen.

Portrait

Autor

Foto

jean jacques spuisers/ad hermans

Datum

25. April 2016
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.