Logistidienstleister, Compass, Lkw Zoom

Compass: Logistik für besondere Ansprüche

Der Logistikdienstleister Compass aus Düsseldorf behauptet sich in einem besonderen Segment. Er lässt für alle namhaften Netzbetreiber Mobilfunk-Sendeanlagen aufstellen. Auch bringt er sich umfangreich in die Beschaffungslogistik ein. Hier sieht Compass weiterhin gute Perspektiven.

Logistiker müssen wagemutig und schwindelfrei sein. Die Mitarbeiter des Unternehmens Compass aus Düsseldorf können davon ein Lied singen. Jeder Tag kann ihnen neue Abenteuer und mitunter eine beträchtliche Portion Nervenkitzel bescheren. Für ihre Kunden erklimmen sie die Zugspitze, schwingen sich auf die Achterbahn oder steigen der Düsseldorfer Oper aufs Dach.

Basisstationen für Mobilfunknetze


Und damit das Ganze erst richtig Spaß macht, schleppen sie ordentlich Ballast mit. 200  bis 500 Kilogramm sind dabei keine Seltenheit. Auf dieses Gewicht bringen es die Basisstationen für Mobilfunknetze locker. Compass stellt praktisch für alle hiesigen Netzanbieter solche Mobilfunk-Sendeanlagen auf, die unter anderem aus einem Sockel, einem Schaltschrank und der meist von Weitem sichtbaren Antenne bestehen. Hochsaison ist von April bis November. Denn bei Eis und Schnee ist die Arbeit in luftiger Höhe nur unter erschwerten Bedingungen möglich.

Doch die Montage ist nur ein Teil des Aufgabenspektrums in Zusammenhang mit den Basisstationen. Darüber hinaus tauscht Compass Ersatzteile oder Kabel aus und wickelt die gesamte damit verbundene Logistik ab. "Allein dieses Jahr haben wir rund 18.500 Standorte, an denen Basisstationen stehen, beliefert", erzählt Arnold Kämpkes, einer der Geschäftsführer der Compass-Gruppe, im Gespräch mit trans aktuell. "In den vergangenen fünf Jahren waren es sogar 65.000."

Compass und die Netzbetreiber

Keine Frage: Zwischen Compass und den Netzbetreibern hat es ordentlich gefunkt. Beide Seiten haben sich innerhalb weniger Jahre eng aneinander gebunden. Das Unternehmen hat so die Nische der Mobilfunk- und Netzwerklogistik erobert und beansprucht diese weitgehend für sich. Die Compass-Chefs schätzen ihren Marktanteil in diesem Segment auf rund 70 Prozent.

Sie gehen auch nicht davon aus, dass ihnen ein Wettbewerber kurzfristig ihre Stellung streitig machen könnte. Die Compass-Mitarbeiter kennen sämtliche Produktgruppen, ihre Besonderheiten sowie die nötigen Ersatzteile und halten allein in Düsseldorf 24.000 Quadratmeter an Lagerfläche für die Basisstationen vor. Auch unterhält Compass eine eigene Flotte an 45 Spezialfahrzeugen, die regelmäßig mit Zwei- oder Dreimann-Besatzung und entsprechendem Equipment wie Kettenzügen und Treppensteigern auf Montage ausrückt.

Zwar wissen die Compass-Verantwortlichen, dass die hohen Wachstumsraten im Mobilfunkbereich nicht in alle Ewigkeit zu erwarten sind. Doch sei es auch weiterhin möglich, dort deutlich zu wachsen. "In den nächsten zwei Jahren rechnen wir mit Steigerungen von acht bis zehn Prozent", berichtet Kämpkes. Im vorigen Jahr hat Compass beim Umsatz in diesem Segment in ähnlicher Größenordnung zugelegt.
Denn auch wenn der Bedarf nach neuen Mobilfunk-Sendeanlagen nicht mehr in so rasantem Tempo steigen wird – es gilt weiterhin, die Anlagen bei Wind und Wetter funktionsfähig und vor allem auf der Höhe der Zeit zu halten. Gerade im Mobilfunk laufen die Uhren schnell: Auf den GSM-Mobilfunkstandard folgte vor drei Jahren der viel gepriesene UMTS-Standard. Kaum hat der sich etabliert, steht schon LTE in den Startlöchern. Entsprechen häufig müssen die Compass-Mitarbeiter ausschwärmen und die Anlagen technisch anpassen.

Viele Basisstationen stehen im Wald

Und sollten eines Tages – was unwahrscheinlich ist – gar keine neuen Anlagen mehr benötigt werden, gehen den Compass-Mitarbeitern weder die Arbeit noch die Ideen aus. "Viele Basisstationen stehen im Wald und wuchern zu", berichtet Geschäftsführer Andreas Christophel. "Wir könnten uns vorstellen, uns auch hier einzubringen, indem wir etwa Bäume zurückschneiden, Rasen mähen und das Gelände in Schuss halten."

Die Kenntnisse im Bereich der Basisstationen ließen sich auch auf andere Anlagen übertragen. So möchte sich Compass auch beim Aufbau von Stromtrassen durch Deutschland einen Teil vom Kuchen sichern. "Es geht um eine Vielzahl an Strommasten, Trafo- und Vermittlungsstationen, die wir aufstellen beziehungsweise in Betrieb halten könnten", sagt Geschäftsführer Kämpkes.

Es müssen aber nicht immer gleich die ganz großen Anlagen sein. Was die Mobilfunkbranche angeht, ist diese auch auf kleinere Hardware-Komponenten angewiesen. Gemeint sind solche, die millionenfach auf dem Markt sind, lustige Melodien spielen und sich zu kleinen Alleskönnern entwickeln: Handys. Auch Mobiltelefone benötigen eine entsprechende Logistik. Analog zu den Basisstationen liefert Compass sie nicht nur aus, sondern bestellt die Geräte nach Kundenwunsch in Fernost und lagert sie ein. Das gilt im Übrigen auch für andere Elektrogeräte wie Receiver, Fernseher oder Drucker.

Sensible Prozesse

Mit einer einfachen Bestellung ist es aber nicht getan. Compass nimmt seinen Kunden nahezu alle Schritte innerhalb der Beschaffungslogistik ab. Die Mitarbeiter arbeiten nicht selten direkt beim Kunden, nutzen dessen Systeme, verhandeln mit dessen Lieferanten und lösen die notwendigen Bestellungen aus. "Unsere Mitarbeiter übernehmen sogar sensible Prozesse wie die Fakturierung oder die Kreditprüfung", erläutert Prokurist Dirk Völker. Und damit der Kunde stets im Bilde ist, hat er permanent Zugriff auf alle Daten.

Das setzt voraus, dass die jeweiligen Systeme von Compass und Auftraggebern über geeignete Schnittstellen aneinander angebunden sind. Dort muss alles reibungslos funktionieren. "Die Logistik lebt von Informationen. Falsche Informationen führen genauso zu Störungen wie falsche Verladungen", sagt Geschäftsführer Christophel.

Doch Fehlverladungen sind das eine, Diebstahl das andere. Gerade hochwertige Geräte wie Smartphones rufen Langfinger auf den Plan. Doch hier schiebt Compass effektiv einen Riegel vor: Die Gelände sind nur über Schranken zu erreichen, für die Gebäude braucht es Zugangskarten. Besucher benötigen nicht nur einen Besucherausweis, sondern müssen gar ihren Personalausweis vorzeigen. Damit nicht genug: Im Düsseldorfer Lager ist eine Vielzahl an Kameras angebracht, kein Winkel bleibt unausgeleuchtet. Per Barcode-Eingabe kann Compass jederzeit alle Videosequenzen zur Sendung abrufen.

Transported Asset Protection Association

Das Unternehmen erfüllt damit die hohen Standards der auf Sicherheit in der Lieferkette spezialisierten Organisation Transported Asset Protection Association (Tapa). Compass-Geschäftsführer Michael Wortmann ist seit Frühjahr 2011 auch im Vorstand der europäischen Tapa-Organisation und daher über Entwicklungen rund um die Sicherheit im Bilde. "Diebstahl kennen wir hier nicht", betont er.

Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass auch die Mitarbeiter vor ihrer Einstellung kritisch überprüft werden – schließlich basieren zwei Drittel der Vorfälle in Zusammenhang mit Frachtdiebstahl auf Insider-Informationen. Die Beschäftigten scheinen sich jedoch nicht daran zu stören. Das belegt die geringe Fluktuation. Obwohl die Firma erst 1993 gegründet wurde, ist mehr als die Hälfte der Mitarbeiter schon länger als zehn Jahre dabei. Ein spannendes Aufgabengebiet scheint die vielleicht lästigen Fragen zur Person und zum Lebenslauf wieder wettzumachen. Denn wo sonst hat man schon Gelegenheit, die Zugspitze zu erklimmen, sich auf die Achterbahn zu schwingen oder der Düsseldorfer Oper aufs Dach zu steigen?

Das Unternehmen

Die Compass Holding mit Zentrale in Düsseldorf besteht aus unterschiedlichen Unternehmen, die sich allesamt mit der Logistik von besonders hochwertigen und Diebstahl-gefährdeten Gütern beschäftigen. Schwerpunkt ist die Telekommunikationsbranche, die für das Gros des Umsatzes steht. Das Unternehmen schätzt seinen Marktanteil hier auf rund 70 Prozent. Die Firmengruppe, an der seit vorigem Jahr das holländische Unternehmen VCK aus Amsterdam beteiligt ist, beschäftigt in Düsseldorf, Wuppertal, Hannover, Frankfurt und Stuttgart sowie in den ausländischen Niederlassungen in Rijen (Niederlande), Bern (Schweiz) und Massy (Frankreich) knapp 250 Mitarbeiter. Der Umsatz beläuft sich auf rund 30 Millionen Euro, die bewirtschaftete Lagerfläche auf 27.000 Quadratmeter. Neben komplexen Dienstleistungen, welche die komplette Lieferkette der Telekommunikations- und Mobilfunkbranche abdecken, ist Compass auch klassisch als Spediteur und Frachtführer sowie als Handling-Agent für namhafte Fluggesellschaften in der Nähe des Düsseldorfer Flughafens tätig.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

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Compass

Datum

10. Januar 2012
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