City-Logistik Zoom

City-Logistik: Städte sind eine Goldgrube

Die Städte wachsen und mit ihnen das Frachtaufkommen. Der Verkehrskollaps droht. Die Analysten von Oliver Wyman sowie Frost & Sullivan sehen darin für Logistikunternehmen aber auch Chancen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Weltweit haben bereits mehr als 800 Städte die Marke von einer Million Einwohner geknackt. Alle drei Monate überschreitet zudem eine Großstadt die Fünf-Millionen-Grenze.

Städte bergen Umsatzpotenzial von 66 Milliarden Euro

Der Analyse der Berater von Oliver Wyman folgend leben derzeit fast zwei Milliarden Menschen in den 800 größten Ballungsgebieten der Welt und stehen für ein Umsatzpotenzial von 66 Milliarden Euro für Logistikdienstleister. Im Jahr 2015 sollen es den Analysten zufolge gar 80 Milliarden Euro sein. Ohne Gegenmaßnahmen werden dann drei Millionen Lkw in den Städten unterwegs sein, schätzen die Experten.

"Insgesamt müssen die großen Städte schon in sieben Jahren mit rund einer Million zusätzlicher Lkw klarkommen", schätzt Michael Lierow, Partner bei Oliver Wyman. Ohne neue Konzepte sei da der Verkehrsinfarkt vorprogrammiert. Denn auch in Deutschland sieht es nicht besser aus. Der Analyse folgend finden jeden Tag insgesamt rund 160.000 innerstädtische Auslieferungstouren statt. Täglich drängen sich rund 2,5 Millionen Lkw durch Megacities wie London, Istanbul oder Kairo. Zudem seien die Lkw im Schnitt nur zur Hälfte beladen, ebenso verhalte es sich mit Transportern. Das führt nicht nur zu Staus, sondern auch zu Schlangen an den Laderampen.

CO2-Ziele setzen Städte unter Druck

An der Infrastruktur lasse sich allerdings aus Platz und Kostengründen meist wenig ändern. Und die Klimaziele 
der EU – den innerstädtischen Verkehr bis 2050 CO2-neutral zu gestalten – setzten die Stadtverwaltungen zudem unter Druck. Regulatorische Maßnahmen wie eine City-Maut oder Umweltzonen reichen nach Aussage der Analysten dafür nicht aus. Moderne City-Logistik sei gefragt, 
heißt es aus dem Hause von Oliver Wyman.
Nun sind die Überlegungen, Waren erst außerhalb der Stadt zu konsolidieren, alles andere als neu. Das ließe sich laut 
den Experten aber dadurch ändern, dass die Logistiker und die Stadtverwaltungen an einem Strang ziehen.

Dabei müssten sich die Logistikdienstleister allerdings auf die Arbeitsweise der Städte einlassen, die sich von denen der Unternehmen der Wirtschaft klar unterscheide. "Stadtverwaltungen haben andere Abläufe bei der Auftragsvergabe, andere Entscheidungsprozesse und eine andere Risikoeinstellung", erklärt Michael Lierow, Partner bei Oliver Wyman.

Komplettlösungen sind gefragt

Daher schlägt er Komplettlösungen für die Ladungsvorkonsolidierung außerhalb der Stadtgrenzen vor. Diese enthalten Planung, Bau und Betrieb von Konsolidierungszentren auf der grünen Wiese als Sammelstelle für die Lkw, Trennung bestimmter Warengruppen, Kommissionierung auf Palettenebene in der Reihenfolge der Auslieferung und eine standardisierte Auszeichnung sowie ein IT-System für Umschlag, Routenplanung und Abrechnung. Das sorge für eine bessere Auslastung. Noch effektiver werde das Ganze, wenn für den innerstädtischen Gütertransport dann kleine Elektro-Verteiler-Lkw eingesetzt würden.

An dieser Stelle sei die öffentliche Verwaltung gefragt. Die müssten für die entsprechenden Bauplätze an Stadtrandlage sorgen. Die Analyse sieht dabei eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Die CO2-Belastung durch den Güterverkehr gehe um 30 bis 40 Prozent zurück. Dies entspreche etwa vier bis sechs Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger pro Jahr. Zugleich ließe sich der Verkehrsfluss 
in vielen Städten um bis zu 
40 Prozent optimieren.
Für die Logistiker wiederum entstehe ein ganz neuer Markt mit einem enormen Umsatzpotenzial: Schon heute winken weltweit zusätzliche Einnahmen von rund 24 Milliarden Euro pro Jahr, so die Analysten. "Wer jetzt nicht handelt, dem entgeht Jahr für Jahr ein Riesengeschäft", sagt Lierow.

Frost & Sullivan: Einheitliche Strategie nicht möglich

Dieser Einschätzung stimmen die Berater von Frost & Sullivan bei. Auch dort baut man auf intelligente Modelle für die städtische Logistik. Allerdings könne es keine einheitliche Strategie geben. Denn jede Stadt biete ein anderes Bild hinsichtlich ihrer räumlichen Muster, Infrastruktur und städtischen Umgebung. "Jede Stadt muss einzigartige und individuelle Optionen mit ihren privaten Logistikanbietern entwickeln, um mögliche Risiken im städtischen Güterverkehr zu mindern", sagt Frost & Sullivan-Analystin Archana Vidyasekar. Sie geht davon aus, dass die Logistiker auf Hub and Spoke-Modelle setzen, also Transportwege, die über zentrale Knotenpunkte verlaufen. Um die erwarteten Gütermengen bewältigen zu können, müssten die Logistiker ihre Lieferungen konsolidieren und ihre Flotte polarisieren.

Streckenverläufe optimieren

Während der Lieferung sei zudem eine Strecken- und Zeitplanung vonnöten. "Mithilfe verkehrsbezogener Prognosewerkzeuge, RFID-Tags, GPS-Geräten, Straßensensoren und Barcodes können die Unternehmen ihre Streckenverläufe optimieren", erklärt Vidyasekar. Dank Geofencing (Betreten oder Verlassen vordefinierter Zonen) und standortbasierter Zielverfolgung (Tracking) könnten die Dienstleister dafür sorgen, dass die Route planmäßig verläuft. "Im Falle unerwarteter Unterbrechungen können sie die bordeigene Telematik des Fahrzeugs einsetzen, um die Behinderung zu umgehen", erklärt Vidyasekar.

Aber auch der Modal Split ist für Frost & Sullivan ein Thema. Die Analysten gehen davon aus, dass Hochgeschwindigkeitszüge eine mögliche Option für Lieferungen am nächsten Tag sind. Sicher sei aber auf jeden Fall, dass es in Zukunft mehr Verteilerpunkte als Distributionszentren geben wird.

Die Analysten

Frost & Sullivan ist mit seinen Beratern seit mehr als 50 Jahren in unterschiedlichen Märkten und Branchen unterwegs. Das Unternehmen ist mit mehr als 40 Niederlassungen auf allen Kontinenten vertreten.

Oliver Wyman ist eine Managementberatung mit weltweit rund 3.000 Mitarbeitern und mehr als 50 Büros in 25 Ländern. Dabei handelt es sich bei Oliver Wyman um eine hundertprozentige Tochter von Marsh & McLennan Companies, einem globalen Verbund von Dienstleistern.

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© Kenjito/Fotolia

Datum

8. Mai 2013
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