Chevrolet Loadmaster 5405 8 Bilder Zoom

Chevrolet Loadmaster 5400: Die Plattnase

Der kleine Chevrolet Loadmaster 5400 von Schwede Rune Jonsson ist Baujahr 1942 – aber er stiehlt modernen Lkw auf sämtlichen Festivals regelmäßig die Show.  Trubbnos ist schwedisch und bedeutet „platte Nase“.

Sicher, es gibt schmeichelhaftere Spitznamen, aber passen tut er zu dem dunkelgrünen Chevi dennoch wie die Faust aufs Auge. Der kleine Oldtimer ist „made in USA“ und schon fast 70 Jahre alt. Obwohl der Truck noch eine kleine Motorhaube besitzt, läuft das Fahrzeug unter der Bezeichnung COE, was „Cab over Engine“ bedeutet: Der Motor werkelt unter dem Fahrerhaus.

Lediglich der Kühler und ein paar Leitungen beanspruchen den Platz direkt unter der Blechhaube für sich. Das Fahrerhaus ist, wie eben damals so üblich, äußerst spartanisch ausgestattet. „Außer zusammengerollt auf der durchgehenden Sitzbank ist an ein „Liegen“ oder „Ruhen“ in der Kabine nach heutigen Maßstäben natürlich nicht zu denken“, meint Besitzer Rune.

„Eigentlich darf sich schon derjenige glücklich schätzen, der in dem winzigen Häuschen überhaupt aufrecht sitzen kann“, scherzt er. Dagegen ist für eine ausreichende Belüftung von Fahrer und Beifahrer stets gut gesorgt. Denn neben den Seitenscheiben, die sich herunterkurbeln lassen, kann beim Loadmaster zusätzlich auch noch die Windschutzscheibe nach vorne hin etwas ausgestellt werden.

Vor der Verschrottung bewahrt

Die genaue Historie des Chevrolet, welche Arbeit er verrichtete oder durch welche Hände er ging, ist leider nicht überliefert. Nur so viel ist bekannt: Ein Autoliebhaber entdeckte den Oldie vor einigen Jahrzehnten auf einem Schrottplatz in den Vereinigten Staaten.

Er holte die kleine Sattelzugmaschine über den Großen Teich nach Schweden und renovierte sie. Nach ein paar Jahren verkaufte er den kleinen Laster allerdings wieder und so fiel die heute fast 70-jährige Zugmaschine in die liebevollen Hände von Rune Jonsson aus Borlänge.

Rune ist, salopp gesagt, der nette und ruhige Automechaniker von nebenan. Der Typ Mensch, dem jeder von uns seine Fahrzeuge blindlings anvertrauen würde. Im Jahr 1945, also nur knapp nach seinem Chevi, kam Rune Jonsson wohl bereits mit einem Schraubenschlüssel in der Hand auf die Welt.

Sein ganzes Leben lang widmete er sich dem Reparieren und Restaurieren von Fahrzeugen aller Art. Sein erstes Auto, ein 24 Jahre altes Hudson Convertible Coupé aus dem Jahre 1935, kaufte sich Rune, als er gerade einmal 14 Jahre alt war. Diesen Hudson besitzt er selbstverständlich heute noch.

Stolze 15-monatige Restaurierung

Obwohl der Chevrolet Loadmaster schon als grob restauriert galt, schraubte der versierte Schwede letztendlich noch einmal ganze sechs Jahre an der kleinen Sattelzugmaschine und brachte sie in einen absolut perfekten Zustand.

Als ungleich schwieriger gestaltete sich aber die Suche nach einem passenden Auflieger. „Nichts wollte anfangs so richtig zu dem Chevrolet passen. Schließlich fand ich auf einem Schrottplatz in meiner Heimatstadt dann aber doch einen zierlichen alten Tankauflieger aus dem Jahre 1950“, erzählt Rune.

Der einachsige Trailer hatte bis 1988 auf dem Dala-Airport, dem gemeinsamen Flugplatz der schwedischen Gemeinden Borlänge und Falun, die dortigen Flieger mit Flugbenzin versorgt. Als ihn Rune entdeckte, war der Auflieger allerdings schon bedenklich mit Rost überzogen und in einem ziemlich desolaten Zustand.

Doch das schreckte den „Homo mechanicus“ nicht ab. Er brachte Truck und Trailer schließlich zusammen und bastelte aus ihnen ein nostalgisches Tankfahrzeug in den klassischen Farben des Mineralölkonzerns BP.

Der Chevrolet selbst besaß schon nach seiner ersten Aufbereitung diese dunkelgrüne Farbgebung. Den Auflieger lackierte Rune aber mit schwarzem Fahrgestell und grünem Tankaufbau komplett neu.

Ganze 15 Monate nahm die Restaurierung des Aufliegers in Anspruch. Das kleine Gespann erhielt zum Abschluss noch eine Beschriftung, die von Hand angebracht wurde. Für die Ausführung sorgte kein Geringerer als der schwedische Airbrushkünstler Ray Hill.

Der absolute Hingucker

Auf den heutigen Lkw-Shows und -Festivals ist der Chevrolet der totale Hingucker. Denn schon alleine durch seine geringen Abmessungen fällt das schwedisch-amerikanische Gespann völlig aus dem Rahmen. Neben den aktuellen Sattelzügen wirkt der Kleine stets wie etwas zu heiß gewaschen.

Sattelzugmaschine und Auflieger bringen es zusammen nämlich gerade mal auf eine Länge von 9,3 Metern. Verteilt auf vier Kammern könnte der Tankauflieger 7.230 Liter Treibstoff transportieren.

Rechnen wir die Leergewichte von Zugmaschine (2,3 t) und Auflieger (3,0 t) zusammen und addieren dazu eine fiktive Ladung mit Benzin oder Diesel, so liegt das ungefähre Gesamtgewicht des Sattelzuges bei etwa elf bis zwölf Tonnen. Darin ist dann aber auch schon das 195 Liter fassende Ölfässchen für Hydrauliköl, welches Rune zum Abschluss noch unter seinen Auflieger installierte, enthalten.

Keineswegs ein antiquiertes Hindernis im Straßenverkehr

Bis vor ein paar Jahren ging der rüstige Schwede noch mit dem ebenso rüstigen originalen Motor des Chevrolet, einem Reihensechszylinder mit 95 PS, auf Tour. Mittlerweile ersetzte der versierte Mechaniker das betagte Aggregat allerdings gegen einen V8-Motor von Chevrolet mit Fuel Injection und 190 Pferdestärken.

Das mag vielleicht nicht ganz stilecht sein, der stärkere und weitaus zuverlässigere Motor aus dem Jahre 1989 sorgt aber immerhin dafür, dass der Truck jedes skandinavische Festival ohne Probleme auf den eigenen Rädern erreicht – und dies sind pro Jahr immerhin zwischen 15 und 20 Veranstaltungen.

Außerdem sorgt das neue Triebwerk nun dafür, dass der Chevi nicht als antiquiertes Hindernis im Straßenverkehr gilt. Der Chevrolet beschleunigt jedenfalls viel schneller, als man es eigentlich auf den ersten Blick von einem derartigen plattnasigen Vehikel erwarten würde.

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Autor

Foto

Otto Miedl

Datum

8. Mai 2013
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