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Car-to-Car-Kommunikation: Elektronik bringt sichere Autobahnen

Das Emergency Electronic Braking Light, kurz EEBL, könnte unsere Autobahnen in Zukunft sicherer machen. Davon würden Lkw und Pkw gleichermaßen profitieren. Deutsche Forscher testen diese Technik der Car-to-Car-Kommunikation bereits im Raum Frankfurt.

A96, Ausfahrt Oberpfaffenhofen:  Fabian de Ponte Müller, Forscher beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), steuert den Mercedes G 400 des Instituts. Dem Geländewagen folgt sein Kollege Bernhard Kloiber auf dem Beifahrersitz eines Lkw. Vor ihm ein etwa schuhkartongroßes, mit Elektronik gefülltes Kästchen. Das Gegenstück dazu befindet sich im G-Modell. Der Pkw lässt seinen Verfolger zwar ein Stück hinter sich, doch als de Ponte Müller plötzlich bremst, blinkt trotzdem sofort eine Warnleuchte im Fahrerhaus des Lkw.

Selbst wenn noch zwei Lkw vor dem Versuchslastwagen die Sicht versperrt hätten, wäre der Fahrer unmittelbar gewarnt worden. Denn EEBL (Emergency Electronic Braking Light), so der Name der Technik, arbeitet mit Funkwellen - für die sind Fahrzeuge kein Hindernis.

EEBL würde Autobahnen sicherer machen

Könnte EEBL den Alltag auf unseren Autobahnen wirklich sicherer machen? Zweifellos. Und diese Hilfe wäre wohl hochwillkommen, denn fast jeder Fahrer dürfte schon einmal brenzlige Situationen erlebt haben. Zwei, drei Züge weiter vorne bremst ein Kollege wegen einer Panne oder eines Unfalls - und man selbst kriegt es erst mit, wenn der Vordermann in die Eisen steigt. Erst dann kann man reagieren - oder eben nicht mehr.

Aber auch auf freier Autobahn ist die Sicht nicht immer optimal. Nacht, Nebel oder starker Regen schränken den Blick ein. Ein liegen gebliebenes Fahrzeug ist nicht immer gleich als solches zu erkennen. Gut, wenn man wüsste, was einen auf den nächsten 500 bis 1.000 Metern erwartet. Es muss ja keine Panoramaübersicht aus der Luft sein - schon die bloße Information über stehende Fahrzeuge oder solche, die gerade notbremsen, brächte die entscheidenden Sekunden mehr Zeit, um den eigenen Lkw unfallfrei zum Stehen zu bringen.

Technik mit WLAN vergleichbar

Theoretisch ist das mit der Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation sofort machbar. Die Technik, die dahintersteckt, funktioniert ähnlich wie WLAN. Das Wireless Local Area Network - also das drahtlose Netzwerk - verbindet nicht nur den Computer oder das Smartphone mit dem Internet. Eine speziell für die Anforderungen im Straßenverkehr optimierte Variante des WLAN könnte auf freier Strecke auch einige hundert Meter weit Informationen zur Verkehrslage und zu Aktionen des Fahrers an die Umgebung, sprich andere Fahrzeuge, übermitteln.

Aber der Teufel ist ein Eichhörnchen: Denn was im Prinzip mit überschaubarem Einsatz von Material und Ressourcen umzusetzen wäre, ergibt in der Praxis nur Sinn, wenn ein Großteil der Verkehrsteilnehmer mit der Technik ausgestattet ist. Das heißt: Mindestens europa-, besser weltweit, müssen Standards definiert werden, die sicherstellen, dass alle Fahrzeuge dieselbe Sprache sprechen. Wie langwierig solche Normierungsbemühungen sind, zeigt der automatische Notruf („e-call“) für Pkw: 2007 beschlossen, sollte er schon 2010 Standard in Neuwagen sein. Jetzt peilt man das Jahr 2013 an.

Endlich sprechen Lkw und Pkw miteinander

Die Idee, dass Lkw und Pkw miteinander sprechen, ist nicht neu. Durch die Branche geistert der neudeutsche Begriff „Car2X Communication“ schon seit 2007. 2008 gab die EU das 5,9-Gigahertz-Band (GHz, Milliarden Schwingungen pro Sekunde) für die WLAN-Kommunikation zwischen Fahrzeugen frei, es wurde das Car2Car Communication Consortium gegründet. Daimler, Renault, und Volvo gehören dem Konsortium ebenso an wie Audi, BMW, Fiat, Honda, PSA (Peugeot/Citroën) und Volkswagen. Auf der Entwicklungsseite sind diverse europäische Universitäten und Forschungseinrichtungen eingebunden - unter anderem auch das Institut für Kommunikation und Navigation des DLR. Seinen namensgebenden Ursprungszweck - die Erforschung von Luft- und Raumfahrt - hat das DLR mit seinen fast 20 deutschen Standorten dabei nicht vergessen. Aber längst kümmern sich die Wissenschaftler auch um den Verkehr auf der Erde. Denn viele Problemstellungen sind, ganz unabhängig vom Verkehrsmittel, ähnlich.

Doch zurück zur Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation: Das System soll nicht nur per WLAN von Auto zu Auto funken - sinnvoll wäre es, allgemeine Informationen zur Verkehrslage gleich an alle Lkw und Pkw zu verteilen.

Testprojekt rund um Frankfurt

Einige deutsche Mitglieder des Car2Car Communication Consortium bündeln ihre Aktivitäten jetzt in einem neuen Projekt namens SimTD (Sichere Intelligente Mobilität - Testfeld Deutschland). In der Gegend um Frankfurt/Main ist bereits eine Flotte von rund 120 mit Car2X Communication ausgestatteten Fahrzeugen unterwegs. Zurzeit werden entlang einer Teststrecke in Frankfurt Sender (Roadside Units) montiert, um Verkehrsdaten an die Autos zu senden. Daimler-Sprecher Benjamin Oberkersch: „In einem ersten Schritt kann Car2X Communication vor allem den Komfort der Fahrer erhöhen, beispielsweise durch Informationen über freie Parkplätze und der schnellsten Route dorthin. Solche Funktionen sind ein Stellhebel für die Akzeptanz am Markt. Je mehr Fahrzeuge damit ausgestattet sind, desto größer die Zahl an möglichen Diensten. Für bestimmte Anwendungen der Verkehrseffizienz, zum Beispiel die autonome Erfassung der lokalen Verkehrslage, genügt eine Marktdurchdringung von fünf Prozent aller Fahrzeuge im Verkehr.“

Der Versuch in Frankfurt soll bis 2013 dauern. Verläuft er wie von den Herstellern erhofft, könnte die Technik dann tatsächlich Einzug auf europäischen Straßen halten. Eines sollte aber jedem Fahrer klar sein: Noch so ausgeklügelte Warnsysteme ersetzen die eigene Aufmerksamkeit und das selbstständige Denken nicht. Denn Fußgänger und Radfahrer kommen wohl auch in Zukunft ohne solche Technik daher. Und selbst, wenn morgen Lkw und Pkw flächendeckend damit ausgerüstet wären: Eine hundertprozentige Garantie für ihre Funktion kann niemand geben. Der absolute Autopilot bleibt auf absehbare Zeit Zukunftsmusik

Foto

DLR

Datum

8. November 2011
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