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Calais ringt um Normalität: Flüchtlingskrise eingegrenzt

Nach den dramatischen Szenen des vergangenen Sommers hat sich die Lage für Transportunternehmen in Calais stabilisiert. Schlepper versuchen allerdings nach wie vor, Migranten auf Lkw in Richtung Großbritannien unterzubringen.

Die Zeichen der Entspannung sind da. So hat die Rollende Autobahn zwischen Calais und Perpignan, die den Betrieb wegen Beschädigungen von Sattelanhängern im Juli einstellen musste, ihre Fahrten Richtung Süden wieder aufgenommen. Auch Straßentransporteure berichten, dass sich die Situation im Rahmen des Möglichen normalisiert habe. Andererseits sah sich die belgische Region Flandern jetzt genötigt, von Schleppern bevorzugte Lkw-Parkplätze nachts zu sperren.

Fahrer sind weiter zur Vorsicht angehalten


"Bei uns läuft alles stabil, wir fahren keine Ausweichrouten mehr", sagt Jens Pejril, Geschäftsführer von Fixemer Logistics aus Perl. Die Gefahr, dass auf dem Weg nach England blinde Passagiere an Bord klettern, bestehe seit mehr als einem Jahrzehnt, derzeit seien die Verkehre aber nicht mehr so stark beeinträchtigt wie im vergangenen Sommer. Die Fahrer sind in einem großen Radius um die Terminals herum zu besonderer Vorsicht angehalten. "An neuralgischen Punkten ist das Risiko nach wie vor sehr groß", betont er.

In Calais ist die Zahl der auf Lkw entdeckten Migranten um mehr als 90 Prozent zurückgegangen. Derzeit seien es noch etwa 200 Menschen pro Woche, während zu Zeiten des "Dschungels", des so genannten wilden Camps der Flüchtlinge, 2.000 Personen versuchten, auf diese Weise den Kanal zu überqueren, sagte Hafen-Chef Jean-Marc Puissesseau der BBC. Im Hafen von Cherbourg wurden seit Jahresbeginn 90 Versuche vereitelt, illegal auf einem Lkw nach Großbritannien zu gelangen. Das ist nach Angaben des Präfekten der Region Manche, Jacques Witkowski, im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres eine Halbierung.

Arbeit von Hilfsorganisationen erschwert


In Nordfrankreich sitzt die Angst vor einer erneuten Eskalation der Lage tief. Staatlicherseits wird deshalb alles getan, damit es zumindest in Calais nicht wieder zu einer größeren Ansammlung von Flüchtlingen kommen kann. Alles, was in irgendeiner Form anziehend wirken könnte, wird vermieden, die Arbeit von Hilfsorganisationen erschwert. Nach deren Einschätzung halten sich hunderte Geflüchtete nahezu unsichtbar in der Region auf.
Seit Oktober hat es bislang einen Todesfall gegeben, als Mitte Januar ein Äthiopier bei dem Versuch, einen Lkw zu entern, auf der A 14 starb. Die Behörden versuchen weiterhin, das Problem der Schlepper in den Griff zu bekommen. So wurden Ende Januar in Caen drei Rumänen zu Gefängnisstrafen zwischen 30 und 18 Monaten verurteilt, die versucht hatten, acht Afghanen und Pakistani in einem Lieferwagen nach Großbritannien zu befördern.
Die Schleuser gehen skrupellos vor. So berichten französische Medien, dass in einem Kühl-Lkw am 1. Februar bei Dünkirchen zwölf Menschen gefunden wurde, darunter zwei Kinder – bei minus 18 Grad. Den polnischen Fahrer treffe keine Schuld, es seien Menschenschmuggler am Werk gewesen, hieß es. Auch der portugiesische Fahrer eines Kühlzugs wurde entlastet, nachdem im Hafen Ouistreham bei Caen am 25. Januar acht Erwachsene und drei Kinder aus seinem Lkw geholt wurden. Sie seien schon viel früher an Bord gelangt, stellten die Behörden fest. Am selben Tag rief ein aus Belgien kommender Fahrer wegen verdächtiger Geräusche bei Compiègne die Polizei. Die fand eine irakische Familie mit drei Kindern im Fahrzeug.

Problem Parkplatz

Um der sogenannten "Transitmigration" entgegenzuwirken hat die belgische Region Flandern den Parkplatz Mannekensvere auf der E40 in Richtung Calais für die Nacht gesperrt. Hier ist nur noch Kurzzeitparken zwischen 6 und 18 Uhr möglich, außerdem wurde die Zahl der Standplätze beschränkt. Gleichzeitig werde der Parkplatz Jabekke in Richtung Küste jetzt nachts überwacht, auf dem Parkplatz Wetteren in Richtung Küste sei das Parken kostenlos.
Zur Begründung der Maßnahmen heißt es, man wolle die Sicherheit der Fahrer gewährleisten, die in den letzten Monaten auf der E40 Richtung Frankreich mit Flüchtlingen konfrontiert gewesen seien. Die Regelungen würden in den kommenden Monaten möglicherweise angepasst. Vorgesehen ist, dass auch der Parkplatz Kalken an der E17 im Laufe des Jahres für Langzeitparker eingerichtet wird. Diese Parkplätze sind eingezäunt und kameraüberwacht. Die jeweils aktuelle Situation kann auf der Internet-Seite www.wegenverkeer.be/status-parking eingesehen werden.
Die Internationale Straßentransport Union IRU hält die Maßnahmen für kontraproduktiv. Sie wirkten sich zum Nachteil für die Fahrer aus, die nun gezwungen seien, auf völlig ungesicherte Parkmöglichkeiten auszuweichen, wo es weder Restaurants noch sanitäre Anlagen gebe. Hier aber steige die Gefahr von Überfällen oder Ladungsdiebstahl. Es müsse dringend auf EU-Ebene eine Lösung für das Problem gefunden werden. Grundsätzlich sollten alle Parkplätze angemessen gesichert sein.

Schleuser nutzen Parkplätze


Der belgische Transportverband Febetra hält folgende Autobahnen für gefährdet durch Schleuser: E17, E19, E25, E34, E40, E42, E313, E314, E403, E404, E411 und E420. Die riskantesten Parkplätze seien derzeit Drongen, Grand-Bigard, Jabekke, Kalken, Mannekensvere, Minderhout, Oud-Heverlee, Rotselaar, Waasmunster, Westkerke und Wetteren. Das Problem beschränke sich aber nicht auf die Autobahnen, problematisch seien Hafengegenden, derzeit insbesondere um Zeebrugge herum sowie Industriegebiete

Autor

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Andy @ FatManPhoto

Datum

16. Februar 2017
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