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Bundesverband E-Commerce und Versandhandel: Weiteres Wachstum auf der letzten Meile

Der Online-Handel wird seinen Boom in den nächsten Jahren fortsetzen. Damit steigen die Anforderungen an Logistikunternehmen.

Ein Klick, und die Ware ist unterwegs. Verbraucher lassen sich Schuhe, Tablets oder Bücher wahlweise nach Hause, in die Packstation oder zur Arbeit schicken. Und der Trend, lieber das virtuelle Geschäft statt den Laden um die Ecke zu besuchen, wird anhalten. "Das liegt daran dass das Bestellen im Internet immer einfacher wird", erläutert Christian Milster, Referent für die Bereiche E-Commerce und Prozessmanagement beim Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) mit Sitz in Berlin.

Konsumenten können heute überall und jederzeit im Internet shoppen. Denn das Smartphone ist ihr ständiger Begleiter. Problemlos lassen sich die Angebote der Online-Händler auch auf einem kleinen Bildschirm anschauen und Bestellungen tätigen. So einfach die Abwicklung für den Kunden ist, der bequem vom heimischen Sofa aus auf die Buttons "Kaufen" oder "Zahlen" klickt, so anspruchsvoll ist sie für die Online-Shops und ihre Logistikdienstleister. Um am Wachstum partizipieren zu können, müssen sie entsprechende Kapazitäten aufbauen. Als wäre das nicht anspruchsvoll genug, müssen sie sich ferner darauf einstellen, dass die Nachfrage zwar größer, die Sendungen aber immer kleiner werden. Da es schnell gehen muss, bleibt zum Bündeln meist keine Zeit.
Die Folge ist eine nie dagewesene Paketflut. 2,3 Milliarden Pakete wurden laut einer aktuellen Studie des bevh und der Unternehmensberatung MRU voriges Jahr in Deutschland transportiert – ein Plus von 120 Prozent innerhalb von 20 Jahren. Mehrheitlich gingen die Sendungen mit einem Anteil von 54 Prozent an Privatkunden.
Da Verbraucher inzwischen daran gewöhnt sind, dass die Ware am nächsten oder übernächsten Tag eintrifft, liegt die Messlatte für Logistikunternehmen hoch.

bevh: Logistikdienstleister werden Anforderungen meistern

bevh-Referent Milster sieht die Branche hier besonders gefordert. Doch ist er überzeugt, dass die Dienstleister diesen neuen Anforderungen begegnen können. "Die Unternehmen stehen unter einem hohen Kosten- und Wettbewerbsdruck, andererseits ist eine Optimierung der Netze und Prozesse der Schlüssel für eine noch höhere Effizienz." 
Milster bringt zum einen Mikrodepots in den Innenstädten ins Spiel. Von dort aus könnten Logistikunternehmen die Ware dann kurzfristig zum Empfänger befördern – zum Beispiel umweltfreundlich per Lastenrad. Es entfällt dann die lange Anfahrt vom Zentral- oder Regionallager. Zum anderen kann sich der Fachmann vorstellen, dass KEP-Dienstleister oder Speditionen gängige und besonders zeitkritische Artikel zukünftig direkt im Fahrzeug mit 3D-Druckern selbst produzieren. "Der Logistikdienstleister muss sich dazu als Full-Service-Dienstleister verstehen", sagt Milster.

Für Verbraucher ist die verbindliche Zustellung wichtig

Zwar werde die taggleiche Lieferung oder die Zustellung innerhalb einer Stunde derzeit sehr stark gepusht, auch sei sie für viele Verbraucher hilfreich. Mindestens genauso wichtig sei es Verbrauchern aber, dass die Ware verbindlich – also zum vereinbarten Zeitpunkt – eintrifft und dann auch zugestellt werden kann, sei es ins eigene Haus, zur Packstation oder zur Arbeit. Wichtig für die Empfänger sei auch, dass ihre Bestellung unversehrt ist. Die Online-Händler haben daran aber auch ein großes eigenes Interesse. Sie wollen die Verbraucher mit beschädigter Ware ja nicht verärgern, damit Retouren forcieren oder schlechte Bewertungen riskieren. Das gilt erst recht bei Lebensmitteln, die bei einem Rücktransport nicht frischer werden.

Noch Potenzial bei Lebensmitteln auf der letzten Meile

Lebensmittel sind ein Bereich, der beim E-Commerce in Deutschland noch kaum eine Rolle spielt. Online-Bestellungen haben laut der bevh-Studie am Lebensmittel-Einzelhandel in Deutschland nur einen Umsatzanteil von 0,5 Prozent. Verbandsmann Christian Milster sieht hier jedoch großes Potenzial: In Großbritannien liegt der Anteil laut der bevh-Studie schon bei sechs Prozent. Und sowohl der Einzel- und Internet-Handel als auch immer neue Anbieter machen auf ihre Lieferdienste aufmerksam und den Kunden diese Services schmackhaft.

Und welches Kuchenstück können sich klassische Speditionen vom boomenden E-Commerce abschneiden? Wahrscheinlich ein großes. Denn wenngleich die Sendungen tendenziell kleiner werden und damit für KEP-Dienstleister prädestiniert sind, bestellen Verbraucher ebenso bequem von zu Hause aus auch Großgeräte – seien es TV-, Garten- oder Fitnessgeräte. Die lassen sich nicht mehr in Pakete mit Standard-Abmessungen packen und per Kurier zustellen. 

Hier kommen die Stückgutspeditionen ins Spiel, die teilweise schon vor Jahren mit der Logistik für Privatkunden begonnen haben. Wie groß ihr Kuchenstück sein wird, lässt sich wie erwähnt zwar nur schlecht quantifizieren. Aber angesichts von zweistelligen Zuwächsen beim Internet-Handel in den vergangenen Jahren – allein von 2009 bis 2015 hat sich der Umsatz in Deutschland auf knapp 47 Milliarden Euro verdreifacht – ist es wahrscheinlich kein Fehler, sich entsprechend zu positionieren.

Worauf es hier ankommt, erläutern Experten von Verbänden, Logistikdienstleistern und aus der Wissenschaft am Dienstag, 22. November, im Rahmen eines trans ­aktuell-Symposiums in den Räumen der Spedition Koch International in Osnabrück. Mehr unter www.etmevents.de/tasymposien2016

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Matthias Rathmann

Datum

19. Oktober 2016
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