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Bundesamt für Güterverkehr: Wettbewerb um Fahrer nimmt zu

Aus einem Bericht des Bundesamt für Güterverkehr über die Ausbildung zum Berufskraftfahrer geht hervor, dass die beschleunigte Grundqualifikation einen hohen Stellenwert hat.

Sie wird tendenziell immer besser – die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Berufskraftfahrer im deutschen Güterverkehr. Denn unterm Strich steht nach wie vor: Gute Fahrer werden gesucht. Die Zahl der offenen Stellen steigt an, die Zahl der Bewerber geht zurück. Klar, dass viele Unternehmen deshalb von enormen Schwierigkeiten berichten, qualifizierte Fahrer zu finden. Die Statistik belegt dieses Bild nachdrücklich. Wie das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) aktuell in einem Bericht über die Fahrerberufe mitteilt, kamen im Juni dieses Jahres auf 100 offene Arbeitsstellen 116 Arbeitslose beziehungsweise 223 Arbeitssuchende. Im Vergleich zum Jahr 2011 stiegen die offenen Stellen damit um 44 Prozent an, die Zahl der Arbeitslosen und Arbeitssuchenden ging hingegen um 30 Prozent zurück.

Schwierig ist die Suche nach Berufskraftfahrern für Unternehmen laut dem BAG, weil viele der Arbeitslosen und Arbeitssuchenden weder unregelmäßige Arbeitszeiten noch längere Abwesenheiten vom Heimatort akzeptieren und deshalb für Fernverkehre kaum infrage kommen. Einige Betriebe versuchen es dem Bericht zufolge deshalb mit flexiblen Lösungen, beispielsweise mit Fahrerwechsel bei Linienverkehren oder dem Einsatz von Fahrerteams pro Fahrzeug und dem Fahrzeugtausch an bestimmten Orten. Glücklich sind die Fahrer mit solchen Alternativen freilich nicht, wie die BAG-Experten herausgefunden haben, denn sie bevorzugen "ein ihnen fest zugewiesenes Fahrzeug".

Kommunikation wird unpersönlicher

Glücklich sind viele Fahrer, vor allem ältere, auch nicht mit der fortschreitenden Digitalisierung ihres Berufs und der Einführung von IT-Systemen, wie sie zunehmend in Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz erfolgen. So bewirkt die Digitalisierung eine hohe Transparenz durch Speicherung und Auswertung diverser Indikatoren, anhand derer die Fahrer bewertet werden können. Viele Fahrer sehen sich so einer ständigen Überwachung und Kontrolle ausgesetzt, berichten die BAG-Experten. "Insbesondere die Generation der erfahrenen Fahrer betrachtet diese Entwicklung skeptisch."

Vor allem auch, weil sie sich in ihrer Entscheidungskompetenz, etwa durch Vorgaben effizienter Routen beziehungsweise des wirtschaftlichen Fahrverhaltens, eingeschränkt sehen. Zudem beeinflusst die Digitalisierung die Kommunikation mit der Disposition und den Auftraggebern. "Sie geht deutlich zurück und wird unpersönlicher", heißt es in dem Bericht. Tatsächlich ist jedoch die korrekte Bedienung der digitalen Gerätschaften durch die Fahrer "in nahezu allen befragten Unternehmen relevant". Kein Wunder, denn rund 97 Prozent der Betriebe haben digitale Tachografen in ihren Fahrzeugen eingebaut, 80 Prozent implementieren Navigations- und Routenplanungssoftware beziehungsweise Telematiksysteme. 70 Prozent der Unternehmen haben ihre Fahrer mit Smartphones und Tablets ausgestattet.

50 Prozent der Unternehmen bieten Schulungen an

Allerdings kommen nicht alle Fahrer mit der modernen Technik ohne Weiteres klar. Während jüngere Fahrer aufgeschlossener sind und "schneller einen sicheren Umgang mit den digitalen Technologien erreichen", hat die ältere Fahrergeneration damit oftmals größere Schwierigkeiten. Dies hat, so wird hervorgehoben, "einen negativen Einfluss auf die Akzeptanz der neuen Techniken". 50 Prozent der Unternehmen, vor allem die größeren, begegnen diesem erkennbaren zusätzlichen Qualifizierungsbedarf inzwischen mit ausführlichen Schulungen. Bei den kleineren Betrieben mit bis zu zwei Millionen Euro Umsatz ist das bloß bei jedem achten bereits der Fall. Bei den anderen ist lediglich Learning by Doing (19 Prozent) oder Erläuterung durch erfahrene Kollegen und IT-Fachleute (69 Prozent) angesagt. Angesichts dieser Situation halten es viele befragte Unternehmer für unabdingbar, diese Thematik im Rahmen der Weiterbildungspflicht zu behandeln.Kein so ganz gutes Zeugnis stellt der BAG-Bericht der dreijährigen Ausbildung zum Berufskraftfahrer aus.

Während die Zahl der Ausbildungsverträge von 2005 bis 2013 kontinuierlich zulegte und 2013 mit rund 7.300 Ausbildungsverhältnisse ihren Höhepunkt erreichte, sanken die Zahlen in den Folgejahren wieder. 2015 wurden nur noch 6.400 bestehende Ausbildungsverhältnisse registriert. Rund 2.300 davon nahmen an der Abschlussprüfung teil, nur 1.845 bestanden die Prüfung zum Berufskraftfahrer. Knapp 1.650 Ausbildungsverträge wurden 2015 aufgelöst; 61 Prozent davon im ersten, 28 Prozent im zweiten und elf Prozent im dritten Lehrjahr.

Konstante Bewerberzahl für Ausbildungen

"Die Zahl der ausgeschriebenen und unbesetzten Ausbildungsstellen wächst, während die Zahl der Bewerber konstant bleibt", beschreibt der Bericht die aktuelle Situation. Ein für die Unternehmen "deutlich höheren Stellenwert" als die klassische dreijährige Ausbildung nimmt seit ihrer Einführung im Jahr 2009 die beschleunigte Grundqualifikation (Mindestalter 21 Jahre) nach dem Berufskraftfahrerqualifizierungsgesetz (BKrFQG) ein. So wurden hier 2015 über 15.700 Prüfungen abgelegt.

"Die dreijährige Ausbildung bindet mehr finanzielle, organisatorische und personelle Ressourcen, während die Vorteile der Grundqualifikation in der kurzen Dauer der Qualifizierung und somit schnelleren Verfügbarkeit auf dem Arbeitsmarkt liegt", heißt es dazu jetzt in dem BAG-Bericht. Aber auch das in der breiten Öffentlichkeit schlechte Image des Berufskraftfahrers sowie die in den Augen der Jugendlichen wenig attraktiven Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten und der vergleichsweise geringe Verdienst sind Gründe für das relativ geringe Interesse an der Berufskraftfahrerausbildung.

Autor

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Ilona Jüngst

Datum

30. November 2016
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