Briefzusteller des privaten Anbieters Morgen Post Zoom

Briefmarkt: Schwung bei privaten Anbietern

Die Deutsche Post senkt die Rabatte für ihre Geschäftskunden – private Anbieter können ihre Preise anpassen

Die Deutsche Post (DP) will ab kommendem Jahr ihre Teilleistungsrabatte für Konsolidierer um ein Prozent senken. Es geht um die Teilleistungsrabatte für BZA (Briefzentrum Abgang) und BZE (Briefzentrum Eingang) für Dienstleister, die Briefe beim Kunden abholen, vorsortieren und bei der DP einliefern. "Das kommt faktisch einer Preiserhöhung für Geschäftskunden von 1,7 Prozent gleich", sagt Dr. Axel Stirl, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens Pin Mail in Berlin. Das sei erst mal nicht wahnsinnig viel und werde den Markt nicht aufrütteln. Aber die Reise gehe weiter, vermutet er, und die fünf Prozent Rabatt, die die DP in 2015 eingeführt habe, werde stufenweise wieder abgebaut.

"Die geplante Absenkung der Mengenrabatte für Großkunden durch den Marktführer bringt uns Mitbewerbern einen gewissen Rückenwind", sagt Michael Mews, Chief Sales Officer bei Postcon. Das Großkundengeschäft mache in Deutschland rund 90 Prozent des Briefumsatzes aus. Insofern erhoffen sich die alternativen Briefdienstleister auch Mengensteigerungen, wenn die Deutsche Post an der Preisschraube dreht. Doch das gilt nicht für alle. So erwartet Roy Thelemann, Geschäftsführer der Mail & Parcel Network, keine unmittelbaren Auswirkungen. "Unser Einzugsgebiet ist nicht so stark mit Großversendern gesegnet, wir leben vor allem von mittelgroßen Kunden", sagt er.

Preise bestimmt marktbeherrschende Deutsche Post

"Für uns bedeutet jede Preiserhöhung, dass wir nachziehen müssen, um im Wettbewerb bleiben zu können", erläutert Stirl. Da sein Unternehmen gut wirtschafte, könne es dennoch einen 15-prozentigen Preisvorteil für seine Kunden aufrechterhalten. „Wir arbeiten auf dem Niveau der DP und agieren für das Land Berlin mit all seinen Behörden nun im achten Jahr als Briefdienstleister“, fügt er hinzu. Indem private Anbieter ihre Preise erhöhen, können sie zunehmend vernünftige Arbeitsplätze bieten. Dennoch bemängelt Stirl, dass Markt- und Kundenpreise sowie die Löhne der Zusteller ausschließlich von der marktbeherrschenden DP bestimmt werden.

Nicht alle am Markt tätigen privaten Briefdienste können seiner Ansicht nach mithalten. Denn noch tun sich private Dienstleister in Sachen Lohnzahlungen in der Regel schwerer als die DP. Auch die Pin AG, die rund 1.250 Mitarbeiter beschäftigt, konnte in den vergangenen Jahren die Lücke nicht ganz schließen. "Wir zahlen in 2017 durchschnittlich etwas über zehn Euro für einen normalen Zusteller mit durchschnittlicher Betriebszugehörigkeit von sechs Jahren", sagt der Pin Mail-Chef. Damit komme das Unternehmen der DP mit ihren neu angestellten Zustellern schon relativ nahe.

Briefmenge bleibt konstant

Die Post hält seit Jahren einen Marktanteil im Briefsegment von knapp 90 Prozent. "Wir und andere Gesellschaften, etwa in Dresden oder Augsburg, wachsen dennoch und das in einem stagnierenden Markt", sagt Stirl. Zwar gebe es eine elektronische Substitution, aber auch einen wachsenden Anteil an höherwertiger, individueller Werbung. Das führe dazu, dass die Briefmenge in Deutschland konstant bleibt. "Den ganz großen Sprung werden wir erst machen, wenn der Bund seine Anteile an der DP verkauft", sagt er. Das ist allerdings – zumindest in dieser Legislaturperiode – nicht geplant.

Stirl fordert weiter, dass die Behörden bei Ausschreibungen nicht mehr auf den Standard von E+1 (Einlieferung und Zustellung am nächsten Tag) pochen. "Wir können natürlich E+1, aber es ist unendlich viel teurer und damit nicht sehr attraktiv", sagt Stirl. Seiner Ansicht nach mangele es Deutschland an politischem Willen, einen ernsthaften Wettbewerb hochzuziehen. "Mit einer Laufzeit von E+2 hätten wir auf einmal richtig Musik im Markt", sagt Stirl. Natürlich habe die DP den Vorteil, dass sie auf eine über Jahrzehnte gewachsene Infrastruktur zurückgreifen kann. Allerdings gehöre das Unternehmen nicht umsonst zu den Top 3 der Welt. "Es hat den Markt richtig vorausgedacht – da kommen wir nicht ran.

Pin Mail ist gutes Praxisbeispiel

"Pin Mail, die für ihre harte Auseinandersetzung mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bekannt wurde, hat sich mittlerweile aber auch zu einem Vorzeigeunternehmen entwickelt. Und so wundert es nicht, dass Berlin das Unternehmen im Rahmen des Projektes "Dienstleistungen zukunftsfähig machen – mit Guter Arbeit 4.0 für Dienstleistungen 4.0 in Berlin" als gutes Praxisbeispiel vorgestellt hat. Dazu kommt, dass das Unternehmen 2016 voraussichtlich ein hohes zweistelliges Umsatzwachstum hinlegen wird.

Auch andere der befragten Anbieter sind mit der Entwicklung auf dem deutschen Postmarkt zufrieden. "Alternative Dienstleister wie Postcon sind etabliert und die Wechselbereitschaft der Geschäftskunden sowie öffentlichen Auftraggeber ist merklich gestiegen", sagt Mews von Postcon. Und Christian Vogel von der BW-Post bestätigt: "Die Kunden sind offener für den Wettbewerb und das Vertrauen in die privaten Postdienstleister ist gewachsen." Unabhängig davon müssen sich private Briefdienste noch intensiver als bisher den Themen Personalakquise und Schaffung attraktiver Arbeitsplätze widmen. "Nur so kann die Branche ihr teilweise schlechtes Image verlieren", betont Mail & Parcel Network-Geschäftsführer Thelemann.

Neue Spielräume für private Briefdienste
Dr. Walther Otremba, Vorsitzender des Bundesverbandes Briefdienste (bbd), plädiert für transparente Preise


Herr Otremba, wie bewerten Sie aus Sicht des bbd derzeit die Situation für private Briefdienste am Markt?


Dr. Walther Otremba: Aktuell gibt es einige Hoffnungsschimmer. Die Deutsche Post (DP) muss ihre Rabatte für Geschäftskunden aus betriebswirtschaftlichen Gründen wieder senken. Sie hatte sie nach der letzten allgemeinen Portoerhöhung neu kalkuliert, um das Abwandern von Geschäftskunden zu verhindern. Insofern gibt es neue Spielräume für unsere Anbieter, die nicht nur ihre Preise anpassen können, sondern auch versuchen werden, neue Kunden zu gewinnen.

Die DP hält seit Jahren 90 Prozent Marktanteile im Briefsegment. Wird sich daran nun etwas ändern?


Die Anteile der privaten Anbieter liegen mittlerweile bei knapp 13 Prozent, der Markt hat sich also leicht entwickelt. Das hat auch die Bundesregierung in ihrer Antwort auf den Bericht der Bundesnetzagentur festgestellt. Für uns kaum zugänglich ist der Einzelkunde. Potenzial sehen wir noch bei den kleineren und mittelständischen Geschäftskunden. Bei den großen sind wir schon ganz gut unterwegs. Durch die Rabattpolitik der DP und ihr Auftreten als Konsolidierer steht aber auch dieser Geschäftsbereich immer wieder vor großen Herausforderungen.

Der bbd plädiert dafür, eine Markttransparenzstelle einzurichten. Zu welchem Zweck?


Die DP versucht, möglichst viele Einzelkonditionen auszuhandeln. Das nennt man Preisdiskriminierung. Sie lässt den Wettbewerbern damit wenig Chancen, stärker zu werden. Wir wollen transparente Preise am Postmarkt. Die Kunden sollen so auch auf die günstigeren Preise der Alternativen aufmerksam werden. Diese Markttransparenzstelle, wie es sie bereits im Energiesektor oder für Benzinpreise gibt, sollen Bundeskartellamt und die Bundesnetzagentur betreiben.

Wie ist die Resonanz darauf?


Sehr positiv. Wir haben unsere Idee in den zuständigen Bundesministerien und auch bei den großen Wirtschaftsverbänden bereits vorgetragen und große Sympathie dafür erhalten. Da unser Vorschlag aber nicht Teil des aktuellen Koalitionsvertrages ist, wird er frühestens in der nächsten Legislaturperiode umgesetzt werden können.

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Morgen Post Briefservice

Datum

16. November 2016
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