Brenner, Basistunnel Zoom

Brennerbasistunnel: Giga-Projekt am Brenner

Bahn-Magistrale durch Tirol soll 2026 starten. Ein Drittel weniger Lkw-Verkehr ist das Ziel.

Beim weltweit größten Eisenbahnbauprojekt springen immer mehr Lichter auf Grün. Die unterirdisch verlaufende neue Brennerbahn samt umstrittenem Basistunnel durch Tirol kommt voran. Insgesamt 900 Millionen Euro wurden bisher in das Projekt investiert.
Weitere Arbeiten im Wert von 1,4 Millionen Euro seien ausgeschrieben, für 14 Tunnelkilometer Erkundungsstollen, die Errichtung der Haupttunnelröhren zwischen Mauls und Staatsgrenze und den Bau der Nothaltestelle Trens, erklärt Simon Lochmann, Sprecher der Brenner Basistunnelgesellschaft (BTT), gegenüber trans aktuell. Derzeit wird an drei Stellen gearbeitet. 

Das Brenner-Projekt ist voller Herausforderungen. Die Zusammenarbeit bei dem grenzübergreifenden Vorhaben ist sehr komplex, da Normen und Vorschriften zweier Nationalstaaten zu beachten sind, was viele Kompromisse bedeutet. Die unterschiedliche Rechtslage, manchmal auch das sprachliche Verständnis in der jeweiligen Fachsprache, kann unterschiedlich interpretiert werden. Die Unternehmen müssen dies zusammenführen und umsetzen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Diskurs mit der Bevölkerung. „Großprojekte machen oft Angst, deshalb ist es für die BBT sehr wichtig ist, mit den lokalen Körperschaften und der breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren und die Projektfortschritte zu erklären“, erklärt BBT-Vorstandsdirektor Konrad Bergmeister. Daher finden zahlreiche Infoveranstaltungen entlang des Projektgebietes statt, es gibt Tage des offenen Tunnels.
Die offensive Öffentlichkeitsarbeit scheint Früchte zu tragen: "Wir können heute sagen, dass es keine relevanten Gegnergruppen zum Bau des BBT gibt", sagt Lochmann. Kürzlich wurde in Steinach am Brenner ein Informationszentrum eröffnet, der EU-Koordinator Pat Cox war extra angereist, immerhin fließt aus der EU-Kasse viel Geld in das Projekt.

Teuerstes Verkehrsprojekt

Der Ausbau der neuen Brennerbahn wird auf gegenwärtiger Kostenbasis 8,5 Milliarden Euro kosten. Finanziert wird das Projekt zur Hälfte von Österreich und Italien. Im Rahmen der Connecting Europe Facility (CEF) trage die EU eine Kofinanzierung von 40 Prozent für die Hauptbauarbeiten und von 50 Prozent für Planungen, Studien und den Bau des Erkundungsstollens“, erklärt Lochmann. Im Zeitraum 2015 bis 2020 erhält das Projekt BBT 1,18 Milliarden Euro und ist das am höchsten geförderte Infrastrukturprojekt Europas.

Kosten werden auf 10 Millionen steigen

Die Kostenrechnung basiert auf einer Risikoanalyse und externer Baukostenprüfungen. Am Ende der Bauzeit werden die Kosten wohl "mutmaßlich" auf zehn Milliarden Euro steigen, weil Risiken berücksichtigt werden müssen – je sieben Prozent Risikozuschlag sind für schon erkennbare Unwägbarkeiten sowie für unvorhersehbare Risiken eingeplant. Die Risikovorsorge bei diesem Projekt gilt als weltweit einmalig.

Der Bau sei ein volkswirtschaftlich vertretbares Projekt, weil damit europäische Wirtschaftsräume verbunden und eine Infrastruktur geschaffen wird, von der Europa profitiert. Dafür werden "uns die nächsten Generationen danken", hofft Bergmeister. Kritiker bemängeln, dass Tunnel­erhaltung und -bewirtschaftung über viele Jahre ein Verlustgeschäft sein werde. Das Projekt sei aber "nicht mehr aufzuhalten", stellt Bergmeister klar.

Aktuell beschäftigen sich ÖBB Infrastruktur und Deutsche Bahn Netz noch intensiv mit dem Trassenzulauf auf deutscher Seite von Rosenheim bis Schaftenau bei Kufstein. Seit Oktober 2015 planen 120 Fachleute in fünf Arbeitsgruppen dessen optimalen Verlauf. Die Öffentlichkeit kann (unter www.brennernordzulauf.eu) den Stand der Dinge verfolgen. Bis der definitive Trassenverlauf feststeht, wird es wohl noch einige Zeit dauern.


Das Projekt

Der Brenner Basistunnel ist ein flach verlaufender Eisenbahntunnel mit zwei Röhren für den Schienenverkehr in je eine Richtung, die alle 333 Meter verbunden sind
Länge: 55 Kilometer. Weltweit längster Eisenbahntunnel mit 62,7 km Gesamtlänge (inkl. Innsbruck-Umfahrung)
Knüpft südlich Innsbruck an unterirdische Bahnumfahrung
Erster Halt: Innsbruck (Nordportal) und Franzensfeste (Südportal)
Alpenquerung unterhalb des Brennerpasses (1.371 Meter über dem Meer) auf etwa 794 Meter Höhe
Aktuelle Tunnellänge: 38 Kilometer (20 km in Italien,
18 km in Österreich)
Brennerbahn samt Basistunnel ist ein zentraler Abschnitt der neuen Bahn-Hochleistungsachse Berlin–Palermo und dient primär dem Gütertransport
Ab 2026 im Eigentum der BBT, Betrieb durch die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB)

Hintergründe

Wichtigste Alpenquerung in Nord-Süd-Richtung der Europäischen Union
Mehr als zwei Millionen Lkw und fast zwölf Millionen Pkw jährlich passieren den Brenner, nahezu 50 Millionen Tonnen Güter
70 Prozent des Güterverkehrs durch Tirol rollt derzeit auf der Straße, 30 Prozent auf der Schiene – ab 2026 soll sich das Verhältnis umkehren
160 km/h Höchstgeschwindigkeit im Tunnel für Güterzüge mit maximal 750 Meter Länge, Dauer der Passage: 35 Minuten

Autor

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BBT

Datum

3. Mai 2016
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