Die Bremer Kieserling Holding Zoom

Bremer Kieserling Holding: Tor in die Welt geöffnet

Erst regional, dann national, jetzt international – Michael Müller 
führt die Bremer Kieserling Holding in eine neue Richtung. Dennoch hält das 
Unternehmen auch am Landverkehr fest.

Um für die neue Aufgabe gerüstet zu sein, hat sich die Bremer Unternehmensgruppe zu Jahresbeginn von ihrer 50-prozentigen Beteiligung an der EKB Container Logistik getrennt und den Anteil an die CTS Spedition (ebenfalls Bremen) verkauft. Fast schon ein historischer Schnitt, denn die Beteiligung mit der EKB bestand seit 1966 – also seit Beginn des Containergeschäfts im Bremer Hafen. "Die Containerlogistik passt nicht weiter zu unserer Zukunftsstrategie, auch wenn EKB da Marktführer ist", sagt Kieserling-Chef Michael Müller im Gespräch mit trans aktuell.  Auch wenn die Beteiligung Geschichte ist, will Kieserling weiter mit der EKB zusammenarbeiten.

Michael Müller strebt den globalen Markt an

Zeitgleich mit der Trennung von dem Container-Dienstleister hat die Gruppe die auf Luft- und Seefracht spezialisierte Internationale Spedition A. Hegeler aus Bremen übernommen. Die Richtung ist eindeutig: Michael Müller, seit Anfang 2013 geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, strebt den globalen Markt an. Zusammen mit dem indischen Unternehmer Abdul Sameer Mohamed, der das See- und Luftfrachtunternehmen Compass Ocean Logistics führt, hat Müller dem Unternehmen Kieserling das Tor in die weite Welt aufgestoßen.

"Wir haben erkannt, dass wir uns stärker nach vorne ausrichten können, wenn wir uns zusammentun. Denn wir ergänzen uns optimal: Compass Ocean Logistics bringt das Know-how rund um See- und Luftfracht nach Europa, wir bieten die Produkte Landverkehr und Logistik."

1.200 Mitarbeiter, rund 35 Niederlassungen in 17 Ländern

Beide Unternehmen sind unter der Dachmarke Compass Logistics International mit Firmensitz in Bremen und Dubai vereint. Die Gruppe hat insgesamt 1.200 Mitarbeiter und 35 Niederlassungen in 17 Ländern. 2013 wurden 550 neue Mitarbeiter eingestellt, davon 400 allein in Deutschland. Bei  220 bis 250 Millionen Euro könnte laut Müller in fünf Jahren der Umsatz von Compass International Logistics liegen, sagt Müller. 2014 soll der konsolidierte Umsatz aus bereits bestehenden Aufträgen 145 Millionen Euro erreichen. Im vergangenen Jahr hat die Kieserling Holding ohne den EKB-Anteil (Jahresumsatz gesamt: 30 Millionen) 90 Millionen Euro Umsatz gemacht.

Compass Ocean Logistics bringt einen Jahresumsatz von 55 Millionen Euro mit. Viel wichtiger ist Müller aber die Expertise aus dem Bereich Luft- und Seefracht – 30.000 TEUs handelt das Unternehmen, das bislang vor allem im Mittleren Osten sowie in Indien aktiv war, pro Jahr. Die Übernahme von A. Hegeler schließt laut Müller vor allem eine Lücke in der Projektlogistik.

Von der nationalen zur internationalen Ausrichtung

Der Weg zu einem international aufgestellten Unternehmen Kieserling ist nach Meinung Müllers, der sich selbst als "überzeugten internationalen Logistiker" bezeichnet, zwangsläufig gewesen. So wie die Kunden habe sich auch das Unternehmen wandeln müssen – von der regionalen zur nationalen zur internationalen Ausrichtung. "Zudem hat die Landesorganisation USA unserer Projektspedition RSB für ihre Großprojekte dringend einen internationalen Hintergrund gebraucht", sagt Müller, der vor seinem Wechsel zu Kieserling Bereichsvorstand beim Kontraktlogistiker Fiege war.

Im Rahmen der Compass Logistics International und mit der internationalen Ausrichtung ist, so Müller, mehr möglich: "Damit können wir die Effekte aus dem Cross-Border-Selling und Cross-Border-Service für unsere Kunden besser nutzen." So werde etwa die umfangreiche Implementierung von Kontraktlogistik einfacher, weil überall etwa die gleichen Standards und die gleichen Leistungskennzahlen aufgesetzt werden können. "Dadurch ist es uns heute möglich, auch Kontraktlogistikleistungen in Saudi-Arabien anzubieten – der Kunde bekommt dabei denselben Service wie in Deutschland."

Standards im internationalen Landverkehr einsetzen

Auch Transportdienstleistungen bietet Kieserling etwa in Kanada oder Saudi-Arabien im Rahmen der Kontraktlogistik an, mit 80 beziehungsweise 30 eigenen Fahrzeugeinheiten. "Auch im internationalen Landverkehr ist es wichtig, Standards einzusetzen und die Verkehre effizient zu gestalten", sagt er. Wachstumsregionen sind für ihn der Mittlere Osten und Asien, aber auch Nordamerika. "Wobei wir uns hier nicht sehr breit aufstellen, sondern auf die Industriesegmente Öl und Gas sowie auf Klasse-Sieben-Transporte konzentrieren."

Den deutschen Markt hält er für noch nicht umfänglich ausgeschöpft und sieht noch Wachstumschancen auch für Mittelständler. "Die Nachfrage nach einer qualitativen Umsetzung in der Logistik ist ein wesentlicher Kundenfokus, den ein Konzern oder ein konzernähnliches Unternehmen so nicht erbringen kann."

Schlank, effizient mit einer hochwertigen IT

Allerdings seien dabei nicht mehr die Margen wie etwa vor acht Jahren zu erzielen. Schlank und effizient müsse ein Unternehmen heute arbeiten, etwa mit einer hochwertigen IT. Für die Kieserling Holding, so sagt Müller, plant er dieses Jahr wie 2013 eine stabile Marge von zwei Prozent ein. "Für die Jahre danach wollen wir die Rendite erhöhen – gerne auch bei gleichem Umsatz."

"Wir haben in Deutschland unsere Flotte zwar dem Marktumfeld angepasst und jetzt nur noch 100 Fahrzeuge im Einsatz", sagt Müller, "wir werden aber auch weiterhin auf die Straße setzen – wir wollen den Umsatz im Landverkehr in Verbindung mit der Kontraktlogistik eher ausbauen."

Auch in der Getränkelogistik stark

Neben der Logistik für Industrie- und Konsumgüter ist Kieserling laut Müller nach dem Verlust eines großen Auftrags in der Vergangenheit auch wieder in der Getränkelogistik stark. Erst vergangenes Jahr hat der Logistiker wieder einige Großkunden aus der Getränkeindustrie und dem Handel für sich gewonnen. Zwei neue Standorte in Hamburg sind das Ergebnis: "Wir bewegen einiges an Leergut." Die Ausschreibungen dazu hat das Unternehmen nicht über den Preis, sondern wegen seines Teams, der Größe, der IT aber auch der Ausrichtung gewonnen, ist sich Müller sicher.

Auch den neuen Bereich Personaldienstleistungen, vor allem aber die Kontraktlogistik will Müller forcieren. 18 Millionen Euro investierte das Unternehmen dazu im Güterverkehrszentrum (GVZ) Bremen in ein zweites Logistikzentrum, das mehr als 32.000 Quadratmeter Fläche bietet und alle Kieserling-Standorte in Bremen konsolidierte. "Da haben wir erste Pflänzchen gepflanzt, die wir nun gut bewässern wollen, etwa für Kunden aus dem Automobilbereich." Dafür sind laut Müller weitere Investitionen im Vertrieb vorgesehen.

Wie nimmt man die Mitarbeiter mit auf diesen Weg? "Kommunikation ist das Schlagwort", sagt Müller. In einem ersten Schritt setzte er demnach vor allem im Management einen Generationenwechsel in Gang, zudem informiert ein unternehmensinterner Newsletter seitdem die Mitarbeiter über Aktuelles.

Verschiedene Kulturen in der Compass Gruppe zusammenbringen

In einem zweiten Schritt macht sich Müller daran, die verschiedenen Kulturen in der Compass Gruppe zusammenzubringen. Dabei setzt er darauf, dass sich die Verantwortlichen in der Unternehmensgruppe auch persönlich kennen und so auch das Verständnis für die andere Religion oder Kultur der neuen Kollegen aufbringen. So sind derzeit Kollegen aus der IT-Abteilung im indischen Bangalore für einen einjährigen Aufenthalt in Bremen, ein Mitarbeiter der Dispoabteilung in der Hansestadt ist gerade für drei Monate nach Dubai gezogen, um die neuen Bereiche Luft- und Seefracht kennenzulernen.

Müller selbst hatte mit seinem Wechsel vom Vorstand zum geschäftsführenden Gesellschafter einen großen Schritt getan. "Auch bei Fiege hatte ich einen extrem hohen Entscheidungsspielraum", sagt Müller, "aber die Aufgaben sind als Inhaber doch wesentlich komplexer, alles hat eine andere Tiefe." Und  man sei einfach mit noch mehr Herzblut dabei.

Das Unternehmen

Die Bremer Kieserling Holding umfasst die Unternehmen Kieserling Spedition und Logistik, Kieserling Personaldienstleistungen, Kieserling Immobilien und RSB Logistic Projektspedition. Insgesamt sind 700 Mitarbeiter direkt bei Kieserling beschäftigt. Getrennt vom operativen Geschäft arbeitet die Kieserling Stiftung, die 2004 von dem 2006 verstorbenen Karsten Kieserling gegründet wurde, der von 1963 an aus dem väterlichen Betrieb Erich Kieserling Bremen (EKB) das Unternehmen Kieserling aufgebaut hatte. Ziel der Stiftung ist, Forschung und Bildung mit dem Schwerpunkt Verkehrswirtschaft und Logistik zu fördern.

Ilona Jüngst

Autor

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Kieserling Holding

Datum

19. Februar 2014
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