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Foto: DPD - Per Kasch

Branchentreff: Logistiker und Start-ups brauchen einander

Bei einer Veranstaltung der Organisation GS1 Germany, des Bundesverbands der Kurier-Express-Post-Dienste und des Händlerbunds diskutierten etablierte Unternehmen und Start-ups die Zukunft der Branche.

Die Digitalisierung treibt die Logistik und Start-ups treiben die Digitalisierung der Logistik voran. Mit diesem Satz fasste Erik Wirsing, Leiter Innovation bei DB Schenker, den derzeitigen Zustand der Branche bei einem Event der Organisation GS1 Germany, des Bundesverbands der Kurier-Express-Post-Dienste (BdKEP) und des Händlerbunds zusammen. Das Interesse an der Veranstaltung in Köln war groß, die Gastgeber zählten 120 Anmeldungen und damit mehr als doppelt so viele wie beim vorigen Mal. Das Thema Start-up zieht.

Laut Erik Wirsing digitalisieren die Jungunternehmen vor allem die wenig kapitalintensiven Bereiche der Lieferkette. "Die meisten Start-ups besitzen keine eigenen Assets wie Lkw oder Lagerflächen", erklärt Wirsing. Das werde auf Dauer aber nicht so bleiben. Ein Beispiel hierfür sei der Fahrdienst-Vermittler Uber: Im Oktober 2016 schickte das US-amerikanische Jungunternehmen einen selbstfahrenden Lkw mit einer Technologie des Start-ups Otto in Colorado (USA) auf die Straße. Für Otto entwickeln vier ehemalige Google-Ingenieure.

Vorteil eigener Fuhrpark

Besonders kleine Speditionen und Fuhrunternehmen hätten gegenüber Online-Speditionen momentan noch den Vorteil ­eines eigenen Fuhrparks. "Doch was passiert, wenn Start-ups wie im Fall von Uber auch auf eigene Fahrzeuge setzen und damit Lkw als Mehrwert wegfallen oder gar der Disponent durch künstliche Intelligenz ersetzt wird?", fragt Erik Wirsing und umreißt damit ein zwar noch weit entferntes, jedoch nicht unrealistisches ­Zukunftsszenario.

Eine Warnung an die Branche sollten auch die Logistikaktivitäten von Rewe oder Edeka sein: "Mittlerweile machen die Kunden der Logistikdienstleister selbst Logistik", heißt es. Um den Anschluss nicht zu verlieren, müssten etablierte Logistiker sich nicht nur bewegen und aktiv weiterentwickeln, sondern auch gezielt Kooperationen mit Start-ups suchen.

Natürlich seien Start-ups kein neues Phänomen. Neu sei jedoch die Geschwindigkeit, mit der Geschäftsmodelle auf den Markt kommen und häufig Erfolg haben. Die Start-up-Bewegung habe mittlerweile die Branche erfasst. "Auf einmal ist Logistik sexy", sagt Wirsing. Immerhin sei die Logistik eine Branche mit weltweiter Präsenz, bei der sich Investitionen lohnen.

DB Schenker kooperiert mit Online-Frachtenbörse Uship

Auch Wirsings Arbeitgeber DB Schenker hat unlängst in ein Start-up investiert. Im Juni 2016 unterzeichnete Schenker einen fünfjährigen Millionenvertrag mit der Online-Frachtenbörse Uship. Diese bringt Absender und Transporteure in mehr als 19 Ländern online zusammen. Nach demselben Prinzip entwickelte der Logistikdienstleister die Online-Plattform "Drive4Schenker".

Die rund 25.000 Transportpartner von Schenker sollen künftig in Echtzeit erkennen, wo es auf der geplanten Route zusätzliche Ladung gibt. Jede Station eines Transportauftrags könne auf diese Weise online und in Echtzeit gemanagt werden. Nach und nach solle das gesamte europäische Landverkehrsnetzwerk über ­"Drive4Schenker" laufen.

Wie schwer die Etablierung am Markt jedoch ohne Großkonzern im Rücken sein kann, zeigt das Beispiel des Münchener Start-ups Boxmesh. Bereits 2015 gegründet, spricht Geschäftsführer Michael Zoelzer noch immer von der "Startphase". Unter dem Hashtag #nevermissaparcel, zu Deutsch: "Verpassen Sie nie ein Paket", vernetzt Boxmesh Nachbarn und Bekannte, damit Pakete in jedem Fall persönlich angenommen werden können.

Zudem gibt es die Möglichkeit, sich die Pakete in nahegelegene Shops liefern zu lassen. Die Zustelldienste sparen damit Zeit und Geld. Mithilfe einer App vernetzen sich die Nutzer mit Nachbarn oder Bekannten und nehmen füreinander Pakete entgegen und machen Abholtermine aus. Das Start-up kooperiert dazu nach eigenen Angaben mit den wichtigsten Zustelldiensten der Branche.

Die Lieferlotsen vernetzen Versender und Transporteure

Während Boxmesh vor allem die Menschen untereinander vernetzt, vermittelt das Angebot der Lieferlotsen Felix Hartmann und Marcel Schmidt vom gleichnamigen Start-up zwischen Versendern und Transporteuren.

Um Leerfahrten zu vermeiden, ermittelt die Lieferlotse-App einen Partner, der zur gewünschten Zeit in die richtige Richtung fährt und die Sendung transportiert. Andererseits können die Nutzer ihren Fahrtweg eintragen und mit dem Transport von Paketen Geld verdienen – auf diese Weise profitieren beide Seiten.

Die beiden Geschäftsführer entwickeln ihre sogenannte Mitfahrzentrale der Dinge seit drei Jahren nebenberuflich, nun befinden sie sich in der Endphase. Die Idee verfolgen auch andere Anbieter, doch deren Angebote seien nicht so übersichtlich und simpel in der Anwendung. Hartmann und Schmidt kommen beide nicht aus der Logistikbranche, stehen aber voller Euphorie hinter ihrer Idee.

Genau diese Sorte junger Menschen empfiehlt Martin Rademaker, Geschäftsführer der Sparte Fashionlogistik und Online-Verkauf beim Logistikdienstleister Fiege, für Kooperationen. Offen, schnell lösungsorientiert und risi­ko­bereit: Mit diesen Eigenschaften sei ein Start-up die perfekte Ergänzung zum etablierten Logistiker – und dass beide Seiten aufeinander angewiesen sind, kristallisiert sich immer mehr heraus

Franziska Niess

Autor

Datum

9. Februar 2017
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