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Berufskraftfahrerqualifikation: Fahren ohne Risiko

Der Lkw-Fahrer tritt hastig auf die Bremse - Reifen quietschen, der Hänger beginnt zu schlingern. Knapp vermeidet der Mann am Steuer des Sattelzugs einen Aufprall. Der Pkw-Fahrer vor ihm gestikuliert wild, obwohl es eigentlich seine Schuld war. Er wollte noch schnell am Lkw vorbei und dann die nächste Ausfahrt nehmen.

Mit weniger als zehn Meter Abstand zum Lkw zog der Pkw von der linken auf die rechte Spur und bremste abrupt ab. Die Ausfahrt hatte der Pkw-Fahrer dabei im Blick, den überholten Lkw schon wieder vergessen. Dass der vollgeladene Sattelzug nicht mit rund 80 km/h auf das Heck des Pkw prallt, ist der guten Reaktion des Fahrers und seinem gekonnten Umgang mit dem Fahrzeug zu verdanken.

Richtig zu reagieren ist Übungssache

In Notsituationen richtig zu reagieren ist Übungssache. Die Autobahn ist aber kaum der richtige Ort für Fahrversuche in Extremsituationen. Besser eignen sich dafür Zentren für Fahrsicherheit wie sie beispielsweise ADAC oder die Verkehrswacht betreiben. Allerdings sind die meisten Fahrsicherheitszentren nur für Pkw und Motorräder ausgelegt. Trainingsgelände für Lkw fehlen vielerorts. Das galt bis vor wenigen Monaten auch für die Stadt Bielefeld und deren Umland.

"Am 1. Oktober haben wir das Verkehrssicherheitszentrum eröffnet", sagt der Geschäftsführer der Verkehrswacht Bielefeld Thomas Güttler. Das acht Hektar große Trainingsgelände sei die einzige Anlage im Umkreis von etwa 100 Kilometern, die sich für Lkw-Trainings und damit auch für die Berufskraftfahrerqualifikation (BKrFQ) eigne, erklärt Güttler. Eines der fünf Module der BKrFQ fordert praktische Übungen zur Fahrsicherheit im Lkw. Spediteure im Raum Bielefeld mussten dafür ihre Fahrer bisher nach Hannover zum ADAC schicken, sagt Güttler. Entsprechend groß ist das Interesse an dem Gelände.

Dekra ist wichtiger Partner der Verkehrswacht

Wichtigster Partner der Verkehrswacht ist die Dekra Akademie Bielefeld. "Wir können jetzt das Modul Fahrsicherheit  der BKrFQ als praktischen Kurs anbieten", sagt der Leiter der Dekra Akademie Bielefeld Martin Schmidt. Bisher habe es nur die drei theoretischen Module sowie das Eco-Fahrtraining gegeben. Dass es in der Region nun Fahrsicherheitstrainings für Lkw-Fahrer gibt, spare Transportnehmen Zeit und Kosten, erläutert Schmidt. Rund zehn Unternehmen hätten in den vergangenen Wochen bereits ihre Fahrer auf dem Gelände schulen lassen. Beleibtester Schulungstag sei – wie überall – der Samstag, sagt Schmidt. An Wochenenden gebe es kaum noch Termine in den nächsten Monaten. Wochentage hingegen seien noch einige frei, ergänzt Marion Overbeck, die gemeinsam mit Schmidt die Dekra Akademie leitet. Aber auch hier sollten sich Speditionen ran halten, angesichts der geforderten BKrFQ bis 2013 beziehungsweise 2014.

Fahrer kommen mit dem Lkw ihrer Spedition zum Training

Zu den Trainings kommen Fahrer mit dem Lkw ihrer Spedition. Es sei wichtig, dass das Fahrpersonal auf den eigenen Fahrzeugen trainiert, sagt Güttler. Dabei sitzen normalerweise zwei Fahrer in einem Fahrzeug. "Mit zehn Mann und fünf Lkw pro Trainingstag, haben alle genug Zeit, um auf den verschiedenen Abschnitten zu üben", fügt Schmidt hinzu.
Bremsversuche, Ausweichmanöver und Fahrten auf der Kreisbahn stellen Fahrzeug und Fahrer dabei vor teilweise große Herausforderungen. Damit jeder weiß, was zu tun ist, beginnen Trainings mit Theorieeinheiten im Schulungscontainer auf dem Gelände. Alle Einrichtungen auf dem Gelände seien zugelassen für die BKrFQ, sagt Güttler. Zudem sei die Anlage vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat abgenommen.

Dekra stellt einen mobilen Fahrsimulator

Zusätzlich zum Angebot der Verkehrswacht, stellt die Dekra Akademie bei Fahrsicherheitstrainings einen mobilen Fahrsimulator. Der bringe die Fahrer in Grenzbereiche, ohne sie dabei zu gefährden, erklärt Schmidt. In den sieben Stunden BKrFQ bei der Dekra Akademie Bielefeld sollen Fahrer eben auch lernen, wann es nicht mehr zum Bremsen reicht.

Fünf Module

Das Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz (BKrFQG) fordert 35 Stunden Weiterbildung von Lkw-Fahrern über einen Zeitraum von fünf Jahren. Eine Unterrichtseinheit umfasst sieben Stunden. Dabei können Fahrer bei der Dekra Akademie zwischen fünf unterschiedlichen Schulungsinhalten wählen:

1. Wirtschaftlich fahren

Fahrer lernen während der Fahrt ihre Stärken und Schwächen beim Spritsparen kennen.

2. Vorschriften für den Güterkraftverkehr

Sozialvorschriften verstehen, heißt gesetzliche Regelungen und Verordnungen kennen. Die Schulungsleiter vertiefen Fragen zu den Themen Lenk- und Ruhezeiten, Vorschriften und Dokumente sowie Rechtsfragen.

3. Fahrsicherheit, Gefahrenlehre und Sicherheitstechnik

Bei praktischen Übungen für unterschiedliche Fahrsituationen sammeln Schulungsteilnehmer Erfahrungen am eigenen Leib. In einer Theorieeinheit sprechen sie über Vermeidung von Unfällen und Verhalten in Notsituationen.

4. Fahrer und Image

Fahrer und Trainer diskutieren über die Bedeutung des Güterkraftverkehrs und die Wirkung von Unternehmen in der Öffentlichkeit.

5. Ladung sichern

Ladung korrekt sichern kann nur, wer die Berechnungsgrundlage für den Einsatz von Zurrmitteln kennt. Anhand von Beispielen setzen Fahrer gesetzliche Vorschriften um.

Portrait

Autor

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Küppers

Datum

21. März 2012
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Markus Bauer, Experte für Trucksport Markus Bauer Truck Sport
Redakteur beim ETM Verlag. Truck Sport in allen Variationen ist sein Steckenpferd… Profil anzeigen Frage stellen
Fred Dremel, Experte für Sozialvorschriften für das Fahrpersonal im Strassenverkehr, Arbeitszeitrecht , Kontrollgeräte Fred Dremel Sozialvorschriften
Von 1980 bis 2013 Betriebsprüfer Arbeitsschutz in Aachen auf dem Gebiet Sozialvorschriften für… Profil anzeigen Frage stellen
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