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Berufsanfänger auf Firmenbesuch: Große Klasse

Von allem nur das Beste, und das eine Woche lang: Berufskraftfahrer-Schüler besuchen vier Großunternehmen in ganz Deutschland. Statt Ausbildungsalltag sind sie im „rollenden Klassenzimmer“ unterwegs.

"So viel Input wie in dieser Woche hätten wir auf dem Niveau nirgendwo anders bekommen“, resümiert Daniel Östreich die Erlebnisse der vergangenen fünf Tage. Er und seine Berufskraftfahrer-Mitschüler der Werner-von-Siemens-Schule in Wetzlar waren zusammen mit ihren Lehrern Jörg Biemer und Karl-Heinz Sellig unterwegs im „rollenden Klassenzimmer“.

Ein halbes Jahr Vorbereitung und Organisation hat der Klassenleiter Biemer investiert, damit die künftigen Lkw-Fahrer eine Woche lang die Schulbank in einen Reisebus verlegen und Einblicke in große Unternehmen gewinnen konnten.

„Es hat sich angehört, als würde ein großer Kaugummi platzen“, erzählt einer der Schüler über die Werksbesichtigung beim Reifenhersteller Goodyear Dunlop in Wittlich. Vom Rühren der Kautschukmischung über die Herstellung der Karkasse bis hin zur Vulkanisierung – die Schüler erlebten hautnah die Entstehung eines Reifens.

Dabei sammelten sie nicht nur Wissens-, sondern auch zahlreiche Sinneseindrücke: Der intensive Gummigeruch und die Hitze im Werk zählten dazu. Das Mercedes-Benz-Werk in Wörth bildete für die nächsten zwei Tage theoretische und praktische Lernstation des „rollenden Klassenzimmers“.

"Man sieht nur noch den Himmel"

Fahrphysik, Antriebssteuerung und vorausschauende Fahrweise ist Übungssache. Deshalb durften die Auszubildenden nach einer Demonstrationsfahrt mit den Trainern selbst ans Steuer. Die Betreuer unterstützten die jungen Kollegen während der Testfahrten mit nützlichen Tipps und Erklärungen.

Eine voll beladene Sattelzugmaschine oder einen Gliederzug verschleißarm und möglichst spritsparend zu bedienen ist schließlich auch eine Sache der Geschicklichkeit. „Die Trainer haben mich nicht belehrt, sondern das Fahrzeug und mich in eine Beziehung gebracht, in welcher der eine auf den anderen aufpasst“, stand für Daniel Mehl am Ende des zweiten Tages fest.

Besondere Erfahrungen sammelte die Klasse auf der Geländestrecke von Mercedes-Benz in Ötigheim, als sie zehn Baustellenfahrzeuge auf Herz und Nieren testen durfte. Mit Axor, Zetros und Actros in unterschiedlicher Achsausstattung ging es auf dem unwegsamen Parcours in die Vollen.

Die technischen Finessen des Mercedes-Testfuhrparks sorgten für besondere Fahrerlebnisse und schärften das Gefühl für den Lkw. Auf Matsch- und Schotterwegen erlebten die Schüler „Achterbahnfeeling“. Steigungen bis zu 60 Prozent und Gefälle auf dem Gelände waren für sie etwas ganz Neues: „Man sieht nur noch den Himmel, wenn es hoch geht und dann plötzlich nur noch die Erde vor sich, wenn es wieder nach unten geht“, schwärmten die Jugendlichen.

Der Reisebus als rollendes Klassenzimmer

Alle waren sich einig, dass das praktische Fahrtraining viel zum optimalen Umgang mit dem Lkw beigetragen hat. Dank des Rotationsverfahrens konnte jeder Azubi das unwegsame Gelände ausgiebig mit jedem der zehn Fahrzeuge befahren.

Am Ende eines Seminartags nutzten die Schüler den Reisebus als rollendes Klassenzimmer, um das Erlebte zu besprechen und zu bewerten. Größenverhältnisse einer ganz besonderen Klasse gab es auf dem Produktions- und Testgelände des Kranherstellers Liebherr in Ehingen zu bestaunen. Mit Warnwesten und Funkkopfhörern ausgestattet, ging es durch die riesigen Werkshallen.

Der Fertigungsdurchgang umfasst die Montage der Fahrgestelle, Drehbühnen, Teleskopausleger, Motoren und Fahrerkabinen. „Diese Dimensionen lassen sich in keinem 3-D-Kino präsentieren“, staunte Felix Löhr.

Die Nachwuchs-Lkw-Fahrer waren von der Präzision des Kranbaus und dem Aufwand fasziniert: Eine Schweißnaht kann schon mal bis zu 17 Arbeitsstunden in Anspruch nehmen. Auf dem Testgelände der Firma demonstrierten Mitarbeiter den künftigen Berufskraftfahrern einen sechsachsigen Mobilkran mit verschiedenen Lenkprogrammen und hydraulischer Untergrundanpassung.

Besucherterrasse als i-Tüpfelchen

„Es ist ein imposantes Bild, wenn sich ein über 60 Tonnen schweres Fahrzeug zur Seite neigt“, erzählt Sebastian Heilig. Die Praxisvorführung und die Begehung der Kräne war für die Schüler „das Highlight“.

Schließlich haben sie nicht jeden Tag die Möglichkeit, im Kettenlauf eines Krans zu stehen, ohne sich zu ducken. Der Besuch im Luftfracht-Hub von DB-Schenker am Frankfurter Flughafen zeigte den jungen Besuchern, wie viel Logistik bei ihrer Arbeit als Lkw-Fahrer ins Spiel kommt und wie wichtig sie im gesamten Lieferprozess sind.

Gespannt schauten sie hinter die Kulissen und staunten über die 28.000 Quadratmeter Umschlagfläche. Bei der Führung erklärte der Luftfrachtleiter der Geschäftsstelle Frankfurt, Jens Haas, seinen Gästen unter anderem die Sicherheitsbestimmungen für den Transport. Die Hallen im Obergeschoss, wo Ersatzteile eines Flugzeugherstellers gelagert werden, interessierten die Schüler ganz besonders.

Das i-Tüpfelchen war für die Klasse das Panorama, das ihnen die Besucherterrasse bot: die Start- und Landebahnen des Frankfurter Flughafens mit der dahinterliegenden Silhouette der hessischen Metropole. Von dieser erlebnisreichen Woche zum Ende des Schuljahres waren alle Auszubildenden begeistert und lobten einstimmig: „Das kann man nicht mehr toppen!“

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Datum

30. Januar 2013
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