Dachser Azkar Zoom

Bernhard Simon im Gespräch: "Neue Potenziale erschließen"

Die Integration des spanischen Unternehmens Azkar in das Netzwerk des Logistikdienstleisters Dachser macht Fortschritte. Bernhard Simon, Sprecher der Geschäftsführung bei Dachser, ist überzeugt, dass beide Unternehmen noch stärker im Exportgeschäft und in der Kontraktlogistik punkten können.

In den südeuropäischen Ländern Geschäfte zu machen ist in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise kein leichtes Unterfangen. Der Logistikkonzern Fiege etwa hat seine dortigen Niederlassungen kürzlich abgestoßen. Dachser dagegen hat sein Engagement in Spanien und Portugal durch die Übernahme der Firmen Azkar und Transunion zu Jahresbeginn bewusst aufgewertet. Bernhard Simon, der Sprecher der Geschäftsführung, sieht durch die Integration beider Firmen große Impulse für das Dachser-Netzwerk. Auch erkenne er Anzeichen für eine Belebung der spanischen Volkswirtschaft, sagt er im Gespräch mit trans aktuell-Redakteur Matthias Rathmann.

trans aktuell: Herr Simon, Dachser hat zu Jahresbeginn die Unternehmen Azkar und Transunion auf der Iberischen Halbinsel übernommen. Wie sehr erschwert die Finanz- und Wirtschaftskrise die Integration dieser Firmen in Ihr Netzwerk?

Simon: Der Zeitplan für die Integration erstreckt sich über zwei bis drei Jahre. Bisher läuft alles nach Plan. Wir sind sehr zufrieden, wie sich die ersten Monate der Integration und der gemeinsamen Planungen für uns darstellen. Wir verzeichnen seit April zum ersten Mal seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise in Spanien wieder Wachstumsraten. Das zeigt, welche positiven Impulse die Übernahmen ausgelöst haben. Dachser, Azkar und Transunion ergänzen sich ideal.

Wie wichtig ist Spanien für Ihr Unternehmen?

Europa ist der entscheidende Markt für uns. Und Spanien ist auf diesem Kontinent eine der größten Volkswirtschaften. Wir werden auch in Spanien wieder stärkeres Wachstum erleben. Das Land hat, was die Realwirtschaft angeht, seine Hausaufgaben gemacht. Es gibt kaum einen anderen Arbeitsmarkt, der derart stark auf Wachstum und Flexibilität getrimmt ist.

Wie steht es um die Profitabilität Ihrer Neuerwerbungen? Bleiben wir bei Azkar, dem inneriberischen Platzhirsch.

Azkar war immer profitabel. Das Unternehmen ist so flexibel und professionell aufgestellt, dass es auch in Zeiten der schlimmsten Wirtschaftskrise positive Zahlen geschrieben hat. Es gab jedoch Umsatzeinbrüche, die darauf zurückzuführen sind, dass Azkar stark auf den Konsum ausgerichtet ist. Das wurde teilweise durch die internationale Logistik kompensiert, die Azkar zusammen mit Dachser betreibt. Wir halten ja seit 2008 zehn Prozent der Anteile an dem Unternehmen. Nun sehen wir, dass sich die Exportgeschäfte deutlich ausbauen lassen und wir uns in der Kontraktlogistik gemeinsam neue Potenziale erschließen können.

Was machen Sie anders als der Wettbewerb? Der Logistikdienstleister Fiege etwa hat erst vor wenigen Wochen seine Aktivitäten in Spanien, Portugal und Italien verkauft.

Verkauft wurden aber nicht etwa Netzwerkaktivitäten, sondern isolierte Geschäfte. Das Dachser-Geschäftsmodell basiert auf einem integrierten europäischen Netz. Also können wir es uns auch nicht erlauben, mal mehr oder mal weniger in diesen Märkten zu investieren, nur weil die Konjunktur mal schlechter oder besser läuft. Entscheidend ist die europaweite Verbundwirkung. Als solche gibt es immer wichtige Gründe, ein Unternehmen zu erwerben, mit dem man dann auch in schwierigen Zeiten Geschäfte machen kann.

Inwiefern müssen Sie die Strukturen bei Azkar anpassen?

Wir haben das große Glück, nichts anpassen zu müssen. Wir kennen uns ja schon seit langer Zeit. Das Einzige, was bislang gefehlt hat, war eine stärkere Verzahnung der Unternehmen, um weitere Marktchancen zu nutzen. Wir müssen also nicht viel verändern, auch nicht das Führungsteam. Das alte Management in Spanien ist nach wie vor federführend.

Das bedeutet?

Dass die bisherigen Akteure an der Spitze auch weiterhin die Geschicke des Unternehmens lenken. José Antonio Orozco ist vom Geschäftsführer zum Präsidenten des Boards of Directors aufgerückt. Seine Aufgabe übernimmt Juán Antonio Quintana. Mein Kollege Michael Schilling ist neu in diesem Gremium, ich selbst bin seit der ersten Beteiligung an Azkar dort Mitglied. Wir verstehen uns dort als Aufsichtsratsvertreter.

Wie stark steht die Belegschaft hinter Azkar?

Meine Geschäftsführer-Kollegen und ich haben alle wichtigen Niederlassungen von Azkar in Spanien besucht, Gespräche mit der zweiten und dritten Management-Hierarchie geführt. Wir haben die Bestätigung erhalten, dass die Akquisition einen großen Motivationsschub ausgelöst hat.

Wie ist der zu erklären?

Die Mitarbeiter haben über die langjährige Partnerschaft erkannt, welche Zukunftschancen in dem Unternehmensverbund mit Dachser bestehen und dass mit der Akquisition gleichzeitig die Nachfolge für das Unternehmen geregelt ist. Wir sind als Familienunternehmen an den Platz der bisherigen Eigentümerfamilie gerückt. Die Mitarbeiter wissen, dass ein Unternehmen hinter Azkar steht, dessen Passion es ist, Logistik zu betreiben. Sie haben keine Gesellschaft im Nacken, die nur eine Finanzbeteiligung in einem Aktienportfolio halten will.

Kann Dachser denn auch alle Azkar-Niederlassungen halten?

Ja. Dachser war bislang nicht mit eigenen Niederlassungen in Spanien vertreten. Wir waren nur in Portugal mit eigenen Standorten aktiv, doch kleine Redundanzen haben wir inzwischen behoben. Generell ergänzen wir uns auch in Portugal gut. Dachser war dort sehr stark im Export- und Komplett-Ladungsgeschäft tätig, wohingegen Azkar das nationale und inneriberische Geschäft betrieben hat. Dort hatten wir aufgrund der Dominanz durch Azkar keine Chance. Nun können wir iberische Verkehre mit Exportverkehren und mit Kontraktlogistik kombinieren.

Dachser ist nicht gerade dafür bekannt, die Fuhrparkaktivitäten selbst betreiben zu wollen. Nun haben Sie durch die Übernahme von Azkar eine relativ große eigene Flotte übernommen. Werden Sie diese beibehalten?

Grundsätzlich leben wir sehr stark mit den örtlich geprägten Philosophien. Azkar verfügt über einen eigenen Fuhrpark, macht aber nicht alles im Selbsteintritt. Das Unternehmen ist hier sehr flexibel. Solange es vor Ort sehr gutes Know-how gibt, mit dem Fuhrpark umzugehen und gute Geschäfte zu machen, wird man an der lokalen Politik nichts ändern. Wir betrachten überall auf der Welt die Vor- und Nachteile, den Fuhrpark selbst zu betreiben oder diese Dienstleistungen einzukaufen.

ZUR PERSON

Bernhard Simon ist seit 2005 Sprecher der Geschäftsführung beim Logistikdienstleister Dachser mit Zentrale in Kempten. Der 53-Jährige repräsentiert als Enkel von Firmengründer Thomas Dachser die dritte Generation der Unternehmensfamilie. Simon absolvierte nach dem Abitur bei Dachser eine Ausbildung zum Speditionskaufmann und studierte anschließend Betriebswirtschaft an der Friedrich-Alexander-Universität in Nürnberg. Danach absolvierte der Diplom-Kaufmann ein Programm für Führungskräfte in Harvard/USA, ehe er anschließend ins Unternehmen zurückkehrte.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Dachser, Augustin, Montage: Mannchen

Datum

2. August 2013
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