Bernd Pelster 10 Bilder Zoom

Bernd Pelster: Nahverkehr mit Seecontainern

Mit 66 Jahren hat Unternehmer Bernd Pelster noch lange nicht genug. Täglich ist er rund um Köln auf Tour – dabei helfen ihm zwei alte Hasen.

Sechs Millionen Kilometer mit dem Lkw. Das muss man sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen. Theoretisch reicht das 150 Mal um den Äquator. Doch bei Kilometermillionär Bernd Pelster kommt noch ein weiterer rekordverdächtiger Fakt dazu: "Ich fahre, seit ich 21 Jahre alt bin", sagt der Unternehmer, "und das bislang völlig unfallfrei."
Angefangen hat alles bei der Spedition Krebs in Frechen bei Köln. Die gibt es schon lange nicht mehr – nur die Erinnerungen an eine oftmals verwegene Zeit. Aber leider keine Bilder. Daran hat Pelster damals gar nicht gedacht, als er mit einem kastenförmigen Mercedes 1620 auf die erste große Tour ging. "Ich wollte immer auf den Lkw, um mein Geld zu verdienen, nachdem ich während meiner Ausbildung zum Fallschirmjäger bei der Bundeswehr in Lebach auch den Lkw-Führerschein gemacht habe. Damals konnte man den Lappen noch einfach für die zivile Nutzung umschreiben." Und damals, erzählt Pelster, war auch sein erlernter Beruf des Kfz-Mechanikers so gut wie eine Stellengarantie, selbst ohne praktische Erfahrung auf dem Lkw. "Die Unternehmer wussten, dass man sich selbst helfen konnte, wenn der Lkw unterwegs liegen bleibt."

Pelster stellte sein Talent schon früh unter Beweis

Das "Kilometerfressen" hat Pelster schon früh gelernt. Gleich auf seiner ersten Fahrt – mit einem Hängerzug nach Wolfsburg. "Ich war so aufgeregt, dass ich die zehn Stunden bis zu VW in einem Rutsch durchgefahren bin." Jahrzehnte vor dem Berufskraftfahrer-Qualifikations- Gesetz ging er praktisch unvorbereitet auf die Reise. Nach einer kurzen technischen Einweisung durch den Werkstattleiter und eine Runde um den Block. "Als ich dann rückwärts an die Rampe setzen musste, habe ich geschwitzt wie ein Esel. Nachdem der Zug schließlich nach einigen Versuchen halbwegs gerade stand, war ich unglaublich stolz."
Weil Pelster schon sehr früh unter Beweis stellte, dass er Talent für den Job hatte, durfte er in die Tankabteilung wechseln. Zuerst mit einem alten Krupp mit Cummins-Motor. "Schon nach zwei Touren wurde ich auf einen neuen Henschel F 161 S versetzt." Er bekam einen dreiachsigen Sechs-Kammer- Auflieger von Blumhardt. Der erste "moderne" Tankzug seiner Zeit, mit Einkreisbremse, ganz schmalen Reifen und Triplex-Felgen. Damit belieferte er aus der Shell Raffinerie in Godorf Privatkunden und Tankstellen mit Heizöl, Diesel und Benzin. Bis 1971. Dann zog es ihn doch in den Fernverkehr – zu Hennig in Köln-Sürth, mit 100 Fahrzeugen damals eine Größe. Zwölf Jahre blieb er dort. Zunächst mit einem Scania 110 Super, eine der ersten schwedischen Zugmaschinen im Kölner Raum überhaupt, und einem Chemietank fuhr er für BASF oder Hoechst, oft nach Mailand und Rom, Touren von zwei bis drei Tagen Dauer über den Brenner. 2.000 Mark netto mit Spesen hat er damals verdient, das weiß er noch. In der Zeit bekam er 14 neue Zugmaschinen. Bei Hennig lernte er auch seine erste Frau kennen, mit der er eine Familie gründete.

Auch Sohn Frank hat die Freude am Fahren früh entdeckt

Dann entschied er sich zum nächsten Wagnis: "Ich wollte mich unbedingt selbstständig machen. Es ging wie ein Lauffeuer durch die Disposition. Unser bester Fahrer hat gekündigt." Zunächst blieb er dem Tanktransport treu, hatte bald sechs eigene Züge undschloss 1989 mit der Degussa in Hürth-Kalscheuren einen Werkvertrag. Es waren so etwas wie die "wilden Jahre", die entscheidend zur Gesamtkilometerleistung beigetragen haben. Manchmal an der Grenze zur Legalität. Das ist alles verjährt, auch wie er seinen Sohn Frank, heute 38, schon mit 15 Jahren nachts ans Steuer ließ, selbst wenn er in der Baustelle manchmal lieber doch selbst ins Lenkrad gegriffen hat.
Nach seiner Ausbildung bei MAN fährt auch Frank heute für das Familienunternehmen – seit immerhin 18 Jahren unfallfrei. "Er hat halt früh geübt", lacht Pelster und erinnert sich, wie der Filius irgendwann mal mit dem Scania eine Spritztour durch Wesseling gemacht hat, um seinen Freunden zu imponieren. Frank repariert die eigenen Lkw auch. Dann springt Otto Garngarz für ihn ein. Zusammen mit dem dritten Fahrer, Manfred Schmitz, vereinigt das Oldie-Trio satte 134 Jahre Erfahrung hinterm Lenkrad. Mittlerweile lässt es Pelster ruhiger angehen. Seit 1991 fährt er mit seinen drei MAN TGA als Frachtführer für die Kölner Container-Terminal GmbH, CTS, im Niehler Hafen. Pro Jahr werden dort etwa 600.000 TEU umgeschlagen. Sie kommen mit Bahn oder Binnenschiff überwiegend aus den Nordseehäfen Antwerpen und Rotterdam. "Bernd Pelster ist längst einer unserer dienstältesten Transportunternehmer", sagt Oliver Haas, der Leiter der Disposition. "Und von Beginn an zählt er zu unseren zuverlässigsten Frachtführern."

Pelster fühlt sich krank wenn er 14 Tage keinen Lkw gefahren hat

Dafür steht Pelster nach wie vor frühmorgens auf, fährt eine gute halbe Stunde ins Terminal, begrüßt dort freundlich die Mitarbeiter und nimmt zwei bis dreimal am Tag einen Container auf. "Die Touren gehen zum Teil in den Kölner Chemiegürtel, zum Teil aber auch in die Eifel oder ins Sauerland. CTS ist ein fairer Partner, wir werden korrekt bezahlt, sodass auch ich meine Fahrer vernünftig und pünktlich bezahlen kann." Pelster ist körperlich topfit, früher hat er viel Sport gemacht, auch geboxt, er war, wie er sagt, ein Leben lang Antialkoholiker. Dafür fühlt er sich heute "krank", wenn er 14 Tage lang mal keinen Lkw gefahren hat. Auf längeren Autobahnstrecken stellt er den Tempomaten auf 85 km/h, er ist voll auf den Verkehr konzentriert. Immer und jederzeit. Er kann gar nicht anders.
"Die heutige Monotonie auf den Autobahnen, die totale Automatisierung der Lkw zusammen mit dem extrem angestiegenen Verkehr sind für mich die wesentlichen Gründe, warum heute so viele Unfälle passieren. Vor allem am Stauende. Früher hatten wir auch Stress, aber es gab immer die Möglichkeit, sich unterwegs mal ein paar Stunden hinzulegen, wenn man müde geworden ist. Durch den digitalen Tacho ist das fast unmöglich geworden. Wenn ich ganz ehrlich bin: Als Anfänger würde ich den Job bei dem brutalen Termindruck heute nicht mehr machen. Doch jetzt bin ich so lange dabei – ich kann einfach nicht aufhören, solange ich noch gesund bleibe."

Fahrerkarte

Name: Bernd Pelster
Alter: 66
Wohnort: Wessling
Familienstand: zum zweiten Mal verheiratet, zwei Söhne, drei Enkel
Gelernter Beruf: Kfz-Mechaniker (1960-1964)
Fahrer seit: 1.4.1967
Kilometerleistung: ca. 120.000 km/Jahr

Fahrzeugschein

Hersteller: MAN, München
Motorwagen: MAN TGA 18.530 (4x2) Euro 4, Baujahr 2005, Five Star mit Komfortausstattung, Schaltgetriebe, Retarder, Laufleistung im Januar: 876.000 Kilometer. Grünes K-Schild für kombinierten Verkehrm 6,69
Auflieger: dreiachsiges luftgefedertes Containerchassis von Renders, pneumatisch Verstellbar auf 20-, 30- und 40-Fuß-Container.
Zulässiges Gesamtgewicht des Zuges: 44 Tonnen im Vor- und Zulauf zum Hafen
Leergewicht Motorwagen: 7.000 kg
Leergewicht Auflieger: 3.900 kg
Gesamtlänge des Zuges: 16,50 m

Autor

Foto

Bergrath, Pelster

Datum

24. April 2012
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