Alles über Bauma 2016
9 Bilder Zoom
Foto: Schmitz Cargobull

Kipper-Trends 2016

Isoliert für volle Auftragsbücher

Der thermoisolierte Kipper ist der hochspezialisierte Lastenträger der Straßenbaubranche. Unterschiede zwischen den Fahrzeugen finden sich vor allem bei Isoliermaterial und Muldenkonstruktion. 

Die Qualität der Bundesfernstraßen ist verbesserungswürdig und ausbaubedürftig. Das belegen Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Rund 400 Bauvorhaben auf bundesdeutschen Fernstraßen sind dort gelistet – ganz zur Freude der Baubranche, denn neben Brücken- und Rastplatzsanierungen sorgen vor allem großflächige Fahrbahninstandsetzungen für volle Auftragsbücher. Gleichzeitig sieht sich die Branche seit 2013 mit strengen Auflagen konfrontiert, ganz besonders im Asphalteinbau. So muss zum Beispiel Asphaltbeton laut Vorschrift des Bundesministeriums für Verkehr bei 120 Grad Celsius verbaut werden, um die Qualität der Fahrbahnoberfläche dauerhaft sicherzustellen. Eine Einbautemperatur, die sich nur durch einen Transport mit thermoisolierten Kippfahrzeugen gewährleisten lässt.  Technische Herausfoderung: thermoisolierte Kippmulden  Somit stehen nicht nur die Transporteure im Straßenbau in der Pflicht, sondern auch die Fahrzeugbauer, die bei der Fertigung thermoisolierter Kippmulden gleich vor mehreren Herausforderungen stehen. Zum einen gilt es, die technischen Vorgaben des Gesetzgebers einzuhalten. Das umfasst seit Januar 2016 nicht nur eine kalibrierte Messeinrichtung am Fahrzeug, sondern auch die technische Vorbereitung einer Vier-Punkt-Messtechnik, die ab 2017 Pflicht wird. Sie soll eine Temperaturkontrolle an der Abladestelle ermöglichen und dem Spediteur eine Dokumentationsgrundlage an die Hand geben, damit dieser bei nachträglich auftretenden Straßenschäden nicht für zu kalt geliefertes Einbaumaterial regresspflichtig gemacht werden kann.  Zum anderen geht eine zusätzliche Thermoisolierung unweigerlich zuungunsten der Nutzlast. Einerseits weil die Isolierung selbst zusätzliches Gewicht mit sich bringt, andererseits weil die Dämmstoffe aufgrund der Temperaturunterschiede unweigerlich Kondenswasser aufnehmen, was das Eigengewicht der Mulde zusätzlich erhöht. Dieses zusätzliche Gewicht kann zwar durch die Verwendung von Aluminium und Leichtbautechnik zum Teil kompensiert werden, schränkt die Fahrzeuge in ihrem Einsatzradius jedoch stark ein, da Aluminiummulden nicht die gleiche Strapazierfähigkeit wie Stahlmulden aufweisen. Somit sollte gröberes, stark abreibendes Schüttgut wie Kies mit solchen Spezialisten nicht gefahren werden, da sonst die Mulde Schaden nehmen könnte. Und das wirkt sich negativ auf die Auslastung und damit auf die Rentabilität des Fahrzeugs aus.  Schwarzmüller mit Stahlchassis und Stahlboden Gefragt sind daher thermoisolierte Muldenfahrzeuge, die trotz Isolierung ein hohes Maß an Transportflexibilität versprechen. Deshalb präsentiert Schwarzmüller auf der Bauma gleich zwei Varianten seines vollisolierten Kippsattelaufliegers an. Variante eins des Aluminiumspezialisten ist ein Vollalukipper mit Mulde und Chassis aus dem leichten Metall, der laut Hersteller ein Leergewicht von 4.700 Kilogramm auf die Waage stellt. Variante zwei ist mit einem Stahlchassis und Stahlverschleißboden ausgestattet und mit rund 5.800 Kilogramm deutlich schwerer. Der Vorteil ist jedoch, dass Transporteure mit der Stahlvariante auch grob strukturiertes Schüttgut transportieren können. Die Isolierung aus PU-Schaum nimmt laut Hersteller höchstens ein Prozent Wasser auf und ist in einer Segmentbauweise von außen auf die Halbrundmulde aufgebracht, wobei die Aluaußenbleche schwimmend verlegt sind, um die temperaturbedingte Längenausdehnung der Bleche zu kompensieren.  Messtechnik für den Temperaturnachweis Zur Dokumentation bietet Schwarzmüller zusätzlich zur viersensorigen Messeinrichtung mit Anzeige auch einen portablen Drucker an. So lässt sich der Temperaturnachweis auch gleich auf Papier dokumentieren. Auf einen flexiblen Fahrzeugeinsatz setzt auch Langendorf. Die Fahrzeugschmiede aus Waltrop bietet ihre Vollisolierung ISOXX für die Stahlhalbschalenmulde SKS-HS 24-7,5 an. Der Kippauflieger bringt laut Hersteller bei einem Muldenvolumen von 24 Kubikmetern ein Eigengewicht von rund 6.400 Kilogramm auf die Waage. Bei den Seitenwänden und der Rückwand setzt Langendorf auf ein vier Millimeter starkes, beim Muldenboden auf ein fünf Millimeter dickes Stahlblech. Isoliert ist die Stahlmulde mit einer 50 Millimeter starken Dämmung, die mit einem ein Millimeter dicken, durchgängigen Außenblech aus Aluminium an der Mulde fixiert ist. Verschlossen wird das Modell SKS-HS 24-7,5 über ein elektrisches Schiebeverdeckgestell, das sich per Funkfernbedienung bedienen lässt.  Meiller präsentiert Thermo-Flotte Meiller schickt mit der AM-Baureihe nicht nur speziell für den Straßenbau entwickelte Hinterkipper von 9 bis 13 Kubikmeter Ladevolumen für Lkw-Fahrgestelle ins Rennen. Der Kipperspezialist bietet auch eine Thermoverkleidung für die Kippsattelauflieger MHPS 43/2, MHPS 43/3 und MHPS 43/2 K, inklusive einer elektrischen Isolierplane. Wegen der hohen Wärmeleitfähigkeit von Aluminium setzt Meiller konsequent auf Stahl. Eine Fernbedienung zur Steuerung der Fahrzeugfunktionen, Telematikanbindung, Messsensoren und einen Temperaturreport via E-Mail gibt es zu den Rundmulden noch dazu.  Als Isolierung kommt ein wasserabweisender (hydrophober) Isolierwerkstoff zum Einsatz. Dieser ist nach Angaben von Meiller wollartig, nimmt praktisch kein Kondenswasser auf und verträgt eine Mischguttemperatur von 200 Grad Celcius. Eine Edelstahlabdeckung, die mit der Mulde verschraubt ist, schützt die Isolierschicht. Das ermöglicht Wartungsarbeiten an der installierten Sensorik und ein einfaches Austauschen bei Beschädigung.  Dautel setzt auf Hartschaum-Isolierung Dautel tut es Meiller gleich und gönnt der Hinterkippmulde RMK 450 eine Vollisolierung. Dabei kommt laut Aufbauhersteller eine schwimmend verlegte Isolierung aus 50 Millimeter dicken Hochtemperatur-Hartschaumpaneelen zum Einsatz für Seitenwand, Muldenboden, Stirnwand und Rückbordwand. Die Isolierung selbst wird durch eine Außenhaut aus Edelstahl von außen an die Muldenwand aufgebracht und mit Spannbändern fixiert. Die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Messsensoren rüstet Dautel vor, genauso wie die Verkabelung und das Halteblech für die spätere Anbindung an Messtechnik und Aufzeichnungsgerät. Fliegl mit Abschiebemechanismus Fliegl präsentiert den Auflieger Asphaltprofi Thermo in einer Ausstellungsvariante, die einen freien Blick auf die Konstruktion des Fahrzeugs ermöglicht. Besonderes Feature des knapp 6.000 Kilogramm leichten und für eine Nutzlast von 29 Tonnen ausgelegten Fahrzeugs ist das "Curved Chassis". Das Leichtbau-Fahrgestell zeichnet sich durch seine abgerundete Form auf der Stirnseite aus. Das spart laut Fliegl nicht nur Material und damit Gewicht ein, sondern soll auch für eine bessere Übertragung vertikaler Kräfte auf die Sattelplatte sorgen. Isoliert ist die konische Stahlrundmulde mit der hauseigenen Isolierung Isotherm, die laut Hersteller feuchtigkeitsunempfindlich ist.  Zudem zeigt der Fahrzeugbauer den ASW Asphaltprofi Thermo. Das Fahrzeug des Bau- und Kommunaltechnik-Zweigs der Fliegl-Gruppe ist anstelle eines Kipp- mit einem Abschiebemechanismus ausgestattet, der das Einbaumaterial horizontal in den Deckenfertiger abgibt. Damit eignet sich das Fahrzeug zum Beispiel auch bei Asphaltierarbeiten in Tunnelabschnitten und unter Autobahnbrücken, wo eine Kippbrücke nicht angehoben werden könnte. Asphaltmulde von Kögel Ähnlich resistent gegen Kondenswasser soll der thermoisolierte Stahlmuldenkipper von Kögel sein. Der Fahrzeugbauer aus Burtenbach verwendet bei der Isolierung einen PIR-Schaum, der laut Hersteller nicht nur für eine Temperatur von bis zu 200 Grad Celcius geeignet ist, sondern auch eine Wasseraufnahme von weniger als drei Prozent garantiert.  Der dreiachsige Muldenkipper mit 24 Kubikmeter Ladevolumen und Vollisolierung verfügt über vier integrierte Messpunkte an den Kipper-Außenwänden und ist mit einem Display ausgestattet, das abwechselnd alle vier Einzelmesspunkte anzeigt. Optional kann das Fahrzeug mit einem Drucker ausgestattet werden, um die Temperatur des Mischguts vor Abgabe an den Deckenfertiger nachweisen zu können.  Dekra-Zertifizierte Thermoisolierung bei Kempf Kempf bietet gleich ein ganzes Fahrzeugprogramm an thermoisolierten Kippsattelaufliegern mit einem Ladevolumen von 19 bis 33 Kubikmetern an. Neben Aluminium-Leichtgewichten mit einem Eigengewicht von 4.950 bis 5.600 Kilogramm liefert der Fahrzeugbauer auch isolierte Stahl-Kippmulden. Bei den Fahrzeugen mit einem Eigengewicht von 6.100 bis 5.500 Kilogramm setzt Kempf wie auch Fliegl auf eine konische Bauweise, die das Abfließen des Schüttguts unterstützen soll. Die von Dekra zertifizierte Isolierung der Stahlkipper ist in einer Segmentbauweise an der Mulde angebracht. Dabei setzt Kempf auf eine Zwei-Komponenten-Isolierung aus Hartschaum-Sandwich-Platten und einen Kondenswasser-resistenten Dämmstoff.  Schmitz Cargobull hat im Vorfeld zur Bauma die thermoisolierte Stahlrund-Kippmulde S.KI SR einer Optimierung unterzogen. Herzstück der Neuentwicklung ist eine Isolierung mit einem elastomeren Schaum auf Kautschukbasis, der laut Hersteller höchstens drei Prozent Wasser aufnimmt. Dieser soll zudem im Vergleich zum hauseigenen Isoliermaterial Ferroplast in Kombination mit einer Segmentbauweise über 200 Kilogramm leichter sein, sodass der S.KI SR laut Hersteller ein Eigengewicht von 5.790 Kilogramm auf die Waage bringt. Vorteil der neuen Isolierung: Einzelne Segmente können bei äußerer Beschädigung ausgetauscht und zu Schweißarbeiten entfernt werden, um so Beschädigungen der Isolierung vorzubeugen.  Telematik bei Schmitz Cargobull Thermokipper Ergänzend zu den serienmäßigen Öffnungen für die Temperaturmessung per Einstechlanze ist die Messsensorik beim thermoisolierten S.KI SR technisch vorbereitet. Zusätzlich wird laut Hersteller auch eine Telematikanbindung in naher Zukunft möglich sein. Ergänzend zur vollisolierten Stahlrundmulde S.KI SR bietet Schmitz Cargobull eine Nachrüstlösung an, denn Fahrzeuge die bis zum 31. Dezember 2015 zugelassen wurden, genießen vonseiten des Gesetzgebers Bestandsschutz. Isoliert wird hierbei mit einer 120 Kilogramm leichten Planen-Matten-Isolierung. Die Temperaturmessung erfolgt über vier Schottschrauben, die bei einer nichtisolierten Stahlrundmulde S.KI SR nachgerüstet werden können.  Auch Carnehl bietet für seine Muldenkipper Nachrüstlösungen für Bestandsfahrzeuge an. Diese umfassen wie bei Schmitz Cargobull eine Planenisolierung für Rund- und Kastenmulden. Die Isolierung kann laut Hersteller auch als Bausatz für die Selbstmontage geliefert werden. Etwas aufwendiger sei dagegen die Isoliernachrüstung mit einer Edelstahl- oder GFK-Abdeckung. Letztere birgt laut Carnehl neben dem Gewichtsvorteil auch die Möglichkeit einer Lackierung in Firmenfarben. Im Lieferumfang aller Nachrüstvarianten enthalten ist die Vorrüstung für alle vier gesetzlich vorgeschriebenen Temperatursensoren, inklusive Messeinheit.  Carnehl als Ideengeber für die Thermomulde Dass das bei allen neugefertigten Stahl- und Aluminiummulden mit einem Volumen von 20 bis 75 Kubikmetern für den skandinavischen Markt gilt, ist bei Carnehl selbstredend. Immerhin gehörte der Fahrzeugbauer aus dem niedersächsischen Pattensen zu den Mitgliedern des Forschungsprojekts Prozesssicherer Automatisierter Straßenbau (PAST). Das war 2013 nicht nur für den Innovationspreis der Bauma 2013 nominiert, sondern stand mit seinen Forschungsergebnissen auch Pate für die gesetzlichen Vorschriften des Verkehrsministeriums. Und die gelten nicht nur für die laufenden 400 Bauprojekte auf deutschen Fernstraßen, sondern ab Januar 2019 für alle herzustellenden Asphaltflächen.

Dieser Inhalt ist exklusiv für unsere Digital-Abonnenten

Melden Sie sich an und prüfen Sie, ob Ihre Abonummer in Ihrem Profil hinterlegt ist. Wenn Sie Abonnent sind, aber noch kein Profil haben, können Sie sich hier registrieren. Weitere Informationen zu Registrierung und Anmeldung finden Sie hier.

› Jetzt anmelden

Sie haben noch kein Digital-Abo? Angebote und Informationen zu unseren Titeln und den Digital-Abos erhalten Sie in unserem Shop.

› Jetzt informieren
Knut Zimmer

Autor

Datum

21. März 2016
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.