Alles über Bauma 2016
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Foto: MAN Trucks

Lkw-Trends

Effizient und produktiv

Das Streben nach mehr Transporteffizienz holt die Baustellen-Lkw ein. Für mehr Wirtschaftlichkeit sollen neue Motoren und spezielle Optionen im Bereich Fahrwerk sorgen. Die wichtigsten Neuheiten.

Erst der Fernverkehr, jetzt hat das Streben um das letzte Quäntchen Antriebseffizienz auch den Baustellenbereich erreicht. Vor allem im Baustellen-Zulieferverkehr machen die Fahrzeuge Strecke – so legt ein 8x4-Kipper laut Scania im Durchschnitt immerhin rund 80.000 Kilometer pro Jahr zurück. Da ergeben Optimierungen durchaus Sinn: beispielsweise an Motor, Getriebe und Achsen sowie an der Steuerelektronik.

Neben der Kraftstoffeffizienz spielt Produktivität eine wichtige Rolle. Nach Volvo Trucks-Diktion heißt das: "weniger Umläufe für die gleiche Menge an Transportgut". Gezielt eingesetzter Leichtbau beispielsweise am Fahrwerk hilft, Pfunde zu sparen und die Nutzlast zu erhöhen, ohne an Solidität zu verlieren. Unter Produktivität lassen sich auch die Schnellläufer subsumieren – vorkonfektionierte Standardkipper, die für Kunden in besonders kurzer Zeit verfügbar sind, damit kein Auftrag verloren geht. Beispiele hierfür sind die KO-Baureihe von Scania und das "Order and Drive"-Programm von Iveco.

Telematik im Offroad-Segment

Zudem setzen die Hersteller auch im Offroad-Segment immer mehr auf Telematik-Anwendungen, um die letzten Schwächen im System aufzudecken. Damit sind die zentralen Themen der Lkw-Industrie zur Bauma umrissen.

MAN etwa hat sich der Antriebsoptimierung angenommen und schwört im Falle besonders schwerer Einsätze auf die neue, 15,2 Liter große D38-Motorenbaureihe, die im vergangenen Jahr im Fernverkehrs- und im Schwerlastmodell TGX vorgestellt wurde. Von der Umsetzung in die Bau-Löwen zeugt zur Bauma ein TGS 6x4-Dreiseitenkipper. Ebenso wie im Schwerlastsegment kombinieren die Münchner den D38 auch im Falle der Kipper mit dem automatisierten Tipmatic-TX-Getriebe, auch bekannt als ZF Traxon. Von einer Kooperation mit Konzernmarke Scania ist hier nichts zu spüren.

MAN mit neuer Getriebesteuerung

Ebenfalls aus dem Fernverkehr entleihen die Münchner die GPS-unterstützte, vorausschauend agierende ZF-Getriebesteuerung Efficient Cruise. Die Straßenfunktionen wie Speedshifting, also Schalten mit möglichst geringer Zugkraftunterbrechung im Bereich der Schaltstufen 10, 11 und 12, und Idle Speed Driving für möglichst komfortablen Stop-and-go-Betrieb ergänzt MAN noch mit Baustellen-typischen Betriebsmodi wie Freischaukelfunktion und Rangierhilfe.

MAN mit leichter Tandemachse

Beim Thema Leichtbau verweisen die Münchner auf die neue Hypoid-Light-Tandemachse, die einen Nutzlastvorteil von insgesamt 180 Kilo gegenüber dem herkömmlichen Hypoid-Aggregat erreichen soll und sich somit für die gewichtssensiblen Transportmischer empfiehlt. Im Vergleich zu einer Ausstattung mit Außenplanenten-Achsen zeigt die Waage laut MAN sogar eine Gewichtsdifferenz von rund 280 Kilogramm an.

Die leichte Hypoid-Achse soll sich darüber hinaus auch im Asphalttransport bewähren. Wegen der Verpflichtung zum Einsatz thermoisolierter und damit schwererer Aufbauten lässt sich so das Mehrgewicht kompensieren. Im direkten Vergleich der Hypoid-Achsen weist die für 11,5 Tonnen Nutzlast ausgelegte neue Achskonstruktion nach Herstellerangaben zudem ein Plus von rund vier Zentimeter Bodenfreiheit auf. Somit lassen sich die Zulassungskriterien für ein Geländefahrzeug (N3G) in mittelhoher Bauart und der Bereifung 315/80 R 22,5 fortan auch mit Hypoid-Achsen erfüllen. Das erlaubt laut MAN das Entfallen kostspieliger Extras wie bestimmter Assistenzsysteme, die ohnehin nur auf befestigter Fahrbahn ihre Stärken ausspielen können.

MAN macht Hydrodrive wahr

Für einige Unternehmer wird endlich der lang gehegte Wunsch nach der Verbindung von zuschaltbarem Vorderradantrieb Hydrodrive und einer automatisierten Schaltung auch bei MAN wahr. Hier ist wieder das TX-Getriebe von Zulieferer ZF erste Wahl. Zu sehen in einer TGS-4x2-Sattelzugmaschine, die im Wettbewerb mit der reinrassigen 4x4-Allradvariante laut Hersteller 400 Kilo weniger auf die Waage stellt. Das handgerissene Ecosplit-Getriebe in Verbindung mit Hydrodrive bleibt ebenfalls im Angebot.

Hierzulande exotisch, in der Schweiz und den Niederlanden aber ein üblicher Anblick ist der Solo-Fünfachser für ein zulässiges Gesamtgewicht von 40 (Schweiz) beziehungsweise 50 Tonnen ­(Niederlande). So mancher deutsche Bauflottenbetreiber würde ihn wohl auch hierzulande gern einsetzen. Auf der Bauma kann er ihn wenigstens in Augenschein nehmen. Das Exponat hört auf die Typenbezeichnung 50.480 10x4-6.

Mercedes mit Komplettangebot

Die ganz großen Neuheiten sind von Mercedes nicht zu erwarten. Zu viele Technologien hat die Marke schon im Vorfeld der Messe eingeführt. Dennoch lohnt sich ein Besuch des in München großzügig aufgefächerten Komplettangebots vom flinken Transporter bis zur ausgewachsenen Schwerlastkombination.

Bei Mercedes geht es vor allem um Verbesserungen im Detail, die ebenfalls auf mehr Transporteffizienz abzielen. Die wohl wichtigste Neuerung ist die Einführung der zweiten Generation des 12,8-Liter-Motors OM 471, die noch mal drei Prozent sparsamer als die erste Ausführung zu Werke gehen soll. HAD (Hydraulic Auxiliary Drive) heißt bei Mercedes der zuschaltbare Vorderradantrieb für gelegentliche Ausflüge in schweres Terrain, der mit weniger Kraftstoff als ein permanenter Allradantrieb auskommt. Hier waren Renault und vor allem MAN deutlich schneller mit einer Lösung am Start.

Turbo-Retarder-Kupplung für den Actros SLT

Ein Alleinstellungsmerkmal ist dagegen die Turbo-Retarder-Kupplung (TRK) von Zulieferer Voith für Arocs und die Schwerlastfahrzeuge der SLT-Baureihe. TRK vereint hydraulische Anfahrkupplung und Retarder in einer Komponente. Einen näheren Blick verdient in diesem Zusammenhang der ausgestellte Actros SLT 4163.

Ähnlich wie Wettbewerber MAN legt auch Mercedes ein neues Hypoid-Achs­aggregat vor – mit 2 mal 10 oder 2 mal 13 Tonnen Tragkraft. Zu begutachten an einem Arocs 3363 6x4. Einen „krummen Hund“ präsentiert Mercedes mit dem Econic, der statt des für diese Baureihe allfälligen Abfallsammelbehälters zur Bauma mit einem Kipp­aufbau bestückt wurde. Hintergrund dafür ist das Bestreben von London, den innerstädtischen Verkehr sicherer abzuwickeln. Die Niederflurkabine mit bodentiefen Fenstern erlaubt eine verhältnismäßig gute Rundumsicht und soll verhindern, dass sich Fahrradfahrer und Fußgänger im toten Winkel verstecken. Obder Econic sich auch außerhalb Londons als Bauarbeiter durchsetzt, sei aber dahingestellt.

Fuso Canter mit Allradantrieb

Nicht müde wird Daimler dabei zu betonen, dass der Fuso Canter im Segment von 3,5 bis 8,55 Tonnen Gesamtgewicht und mit Allradantrieb ausgerüstet ein veri­tabler Ersatz für den einst so beliebten Mercedes Vario ist. „Der Canter kann alles, was der Vario auch konnte, und bietet darüber hinaus mehr Nutzlast“, heißt es dort. Am Stand können sich Kunden davon selbst ein Bild machen.

Auch Scania bescheidet sich darauf, die komplette Bau- und Schwerlast-Range zu präsentieren. Brandheiße Neuheiten sind eher nicht zu erwarten, denn im Hintergrund arbeiten die Schweden mit Hochdruck am Nachfolger der aktuellen Fernverkehrs-Baureihe.

Volvo Trucks mit liftbarer Antriebsachse

Volvo Trucks kapriziert sich auf ausgeklügelte Fahrwerkslösungen, um Robustheit und Kraftstoffeffizienz unter eine Kabine zu bringen. Ein Beispiel dafür ist die liftbare Tandem-Antriebsachse. Hier ersetzt eine Klauenkupplung das Differenzial in der ersten Antriebsachse. So lässt sich die zweite Antriebsachse auskuppeln und anheben. Ist die zweite Antriebsachse geliftet, erhöht sich bei Leerfahrt die Traktion auf der ersten Antriebsachse um 30 Prozent. Die Achse sorgt bei Nichtgebrauch zudem für verringerten Kraftstoffverbrauch, weniger Verschleiß an den Reifen der Liftachse und Fahrwerk sowie bessere Manövrierbarkeit der Fuhre. Um ­einen Meter verringert sich laut Hersteller der Wendekreis. Das Aggregat empfiehlt sich bei Einsätzen mit Vollauslastung bei der Hinfahrt und Leerfahrt auf dem Rückweg – zu sehen an einem 8x4-FH 460.
 
Ein weiteres praktisches Helferlein für den Fahrer ist Automated Traction Control (ATC) für Fahrzeuge der Baureihen FH, FH 16, FM und FMX. Zwar kann der Fahrer nach wie vor von Hand den Allrad­antrieb wählen, aber es geht eben auch automatisch nach der weitgehend unbestechlichen Intelligenz der Maschine. Das System erkennt über Radgeschwindigkeitssensoren Schlupf an den Hinter­rädern und schaltet bei Bedarf in höchs­tens einer halben Sekunde den Vorder­radantrieb zu. ATC ist Serienausstattung für ­alle FMX-Lkw mit angetriebener ­Vorderachse.

Volvo I-Shift mit Kriechgang

Premiere feiert das I-Shift-Getriebe mit einer erweiterten Spreizung für Schwerlasttransporte. Das Ganze geschieht nicht über die Hinterachsübersetzung, sondern über zwei zusätzliche Kriechgänge. Damit sind laut Hersteller höhere Zuggewichte als zuvor möglich, nämlich 250 bis 300 Tonnen. Bislang war noch bei 200 Tonnen Schluss. Auf Wandlerschalt- oder Turbo-Retarder-Kupplung verzichten die Schweden weiterhin und freuen sich nach eigenen Aussagen über Gewichts- und Preisvorteil ihrer Lösung. Verfügbar ist das System für alle FH, FM und FMX-Fahrzeuge mit D13- und D16-Motor.

Bei Iveco verdient die leichte Daily-Baureihe einen Blick. Immerhin ist der Daily im Moment der einzige Transporter, der bis zu 7,2 Tonnen Gesamtgewicht bietet. Damit trumpft der kleine Iveco im Vergleich zu einem echten Lkw-Fahrgestell mit unerreichter Nutzlast auf. Inklusive Anhänger erlaubt das Daily-Gespann fast elf Tonnen Gesamtgewicht. In dieser Zusammenstellung empfiehlt sich der größte Motor mit 205 PS und Acht-Gang-Himatic-Wandlerautomatik. Ebenfalls ohne­gleichen im Segment dürfte der Allradler-Daily sein, der seine solide Natur auch der vielfachen Verwendung beim italienischen Militär verdankt – auf der Messe als 55S17HW (5,5 Tonnen Gesamtgewicht, 170 PS Leistung) zu sehen. Premiere feiert zudem die 15 Tonnen schwere Allradvariante des erneuerten Eurocargo.

Tatra - der Exot auf der Bauma

Hierzulande ist die Marke Tatra ein Exot. Aufgrund der Gleichteile bei Kabine und Motor zum weit verbreiteten DAF beziehungsweise zu ZF (Getriebe) könnte der Einsatz auf sehr anspruchsvollem Baustellen-Terrain oder im Bergbau sowie in der Forstwirtschaft aber Sinn ergeben. Die tschechische Marke wird auf der Bauma vom bayerisch-österreichischen Händler Tschann repräsentiert. Hier gibt’s den Einzelrad-aufgehängten Kipper Phoenix in verschiedenen Achskonfigurationen von schwer (8x8-Kipper) bis extra schwer (10x10) als laut Hersteller kostengünstigere Alternative zum Dumper zu erleben. Weil im Zuge der Euro-6-Einführung die Abgastemperaturen gesunken sind, hat Tatra nun ein neues Body-Heating-System entwickelt, von dessen Eigenschaften man sich ebenfalls in München überzeugen kann.

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Thomas Rosenberger lastauto omnibus Chefredakteur

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Datum

18. März 2016
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