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BAG und BMVI: Ladungs- und Treibstoffdiebstahl nimmt zu

Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) hat im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die Diebstahl-Delikte rund um den Lkw untersucht.

Im Fokus standen die Jahre 2007 bis 2013. Laut BAG bewegt sich die jährliche Anzahl von Ladungsdiebstählen schätzungsweise um 6.000 Vorfälle. Die Tendenz gehe nach oben. Allerdings sei die Dunkelziffer auf Grund der schwierigen Datenlage hoch. Bevorzugtes Diebesgut im Jahr 2013 waren demnach Maschinen, gefolgt von Autoteilen, Unterhaltungselektronik und Metalle.

1.708 Lkw wurden laut BAG komplett gestohlen. Der Kraftstoffdiebstahl pro Jahr bewege sich mindestens auf einem mittleren vierstelligen Niveau. Auf Grund der Datenlage lasse sich dies allerdings nicht genauer beziffern. Im Jahr 2013 wurden demnach alleine in Bayern 883 Fälle gemeldet. Auch hier müsse man von einer hohen Dunkelziffer ausgehen, da Kraftstoffdiebstahl häufig weder bei der Polizei angezeigt, noch bei der Versicherung gemeldet werde. Insgesamt sei diese Straftat in den untersuchten Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Saarland und Sachsen-Anhalt zwischen 2009 und 2013 stark angestiegen (zwischen 61,5 und 118,8 Prozent). Ein Großteil der deutschen Transportunternehmen sei vom Kraftstoffdiebstahl betroffen.

300 Millionen Euro Schaden

Den direkten Schaden verursacht durch Diebstahl von Ladung aus Lkw beziffert das BAG auf rund 300 Millionen Euro pro Jahr, auch dies nur eine Schätzung. Hinzu kämen volkswirtschaftliche Kosten wegen Verzögerungen oder Produktionsausfällen. Den Schaden durch entwendete Lkw schätzt das BAG auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Beim Kraftstoffdiebstahl gibt das BAG an, dass allein in Baden-Württemberg im Jahr 2013 ein Schaden von 1,59 Millionen Euro entstanden sei. Hinzu kämen häufig Sachschäden am Lkw.

Besonders beliebt bei Übeltätern sind stehende Lkw auf Parkplätzen, Raststätten und Autohöfen. Hier ereignen sich demnach 39 Prozent der gemeldeten Übergriffe. Am verbreitetsten sei das Planenschlitzen. Diebe schlitzen dazu den Auflieger auf, spähen die Ladung aus und entwenden sie. 35 Prozent der Vorfälle ereignen sich zudem direkt auf dem Betriebsgelände. Während Diebe hier aber eher am Wochenende zuschlagen, sind sie an Autobahnen häufiger an Werktagen aktiv. Beiden gemein: Die Straftäter schlagen gerne im Schutze der Nacht zu. Raubüberfälle mit Gewaltanwendung kommen hingegen mit einem Anteil von nur einem Prozent selten vor.

Täter sind bestens organisiert

Auch das Täterprofil hat das BAG untersucht. Demnach sind die Tätergruppen gut organisiert und agieren hochflexibel. Sie seien fast ausschließlich männlich und stammten überdurchschnittlich oft aus osteuropäischen Ländern. Ein Risiko seien die eigenen Mitarbeiter der Speditionen. Diese leiten demnach bewusst oder unbewusst Informationen an die Täter weiter, beispielsweise durch Posts in sozialen Medien über die Fracht oder das Lieferziel, während potenzielle Täter mitlesen.

Regional gesehen treten Ladungsdiebstähle laut BAG am häufigsten in Nordrhein-Westfalen (26 Prozent), Hessen (15 Prozent), Niedersachsen (14 Prozent) und Bayern (zehn Prozent) auf. Brennpunkte seien Grenzregionen, urbane Gegenden, das Umland großer Häfen und Autobahnen mit Transitverkehr. Treibstoffdiebstahl und aufgeschnittene Planen seien ein nahezu flächendeckendes Massenphänomen.

Um dem Diebstahl vorzubeugen gebe es verschiedene Maßnahmen, die entweder darauf abzielten, die Entdeckungswahrscheinlichkeit zu erhöhen oder die Attraktivität der Fracht für potenzielle Diebe zu senken. Hierbei sei wichtig, technische und organisatorische Maßnahmen eng zu verzahnen. Wie das BAG mitteilt, scheinen sich die Bestrebungen zur landesweiten Datenerhebung, polizeiliche Zusammenarbeit und der Ausbau von Sicherheitsparkplätzen national und international zu bewähren.

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Jacek Bilski

Datum

12. März 2015
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