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BAG Mittelfristprognose: Es brummt wieder

BAG veröffentlicht Marktbeobachtung – gute Prognose für den Straßengüterverkehr.

Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) hat mit erfreulichen Prognosedaten für die zweite Jahreshälfte 2016 sowie mittelfristig für die Zeit bis 2020 aufgewartet. Dabei hat der Straßengüterverkehr im Leistungsvergleich der Landverkehrsträger klar die Nase vorn. Prognostiziert werden für ihn bis Dezember dieses Jahres Zuwachsraten von 2,1 Prozent. Für die Zeit von 2017 bis 2019 sind es im Jahresdurchschnitt 1,1 Prozent. Bei den Beförderungsmengen sollen dagegen die Schiene mit 0,6 Prozent und die Binnenschifffahrt mit 0,7 Prozent geringfügig stärker zulegen als die Straße mit 0,5 Prozent.

Basis für diese guten Zahlen waren die stabile Konjunktur und das positive gesamtwirtschaftliche Umfeld 2015 sowie im ersten Halbjahr 2016, was insgesamt zu einem moderaten Verkehrswachstum führte. So verzeichnete im Vorjahr der Straßengüterverkehr mit deutschen Lkw mit 1,3 beziehungsweise 1,6 Prozent deutliche Mengen- und Leistungszuwächse. Weniger günstig sah es im Schienengüterverkehr aus. Vor allem wegen des anhaltenden Tarifstreits bei der Deutschen Bahn gab es im Vergleich zum Vorjahr lediglich einen Mengenanstieg von 0,6 Prozent – allerdings bei einem gleichzeitigen Anstieg der Verkehrsleistung von deutlichen 3,6 Prozent.

Niedrigwasser prägt Binnenschifffahrt

Die Mengen- und Leistungsentwicklung der Binnenschifffahrt auf deutschen Wasserstraßen wurde maßgeblich durch die längere, stark ausgeprägte Niedrigwasserphase in der zweiten Jahreshälfte 2015 geprägt. Die Transportmenge ging um 3,1 Prozent zurück, die Transportleistung sogar um 6,4 Prozent – die schwächsten Werte aller Verkehrsträger. Die Folge waren Anteilsverluste am Modalsplit zugunsten des Straßen- und Schienengüterverkehrs. Mit einem Marktanteil von nur noch 8,6 Prozent (–0,7 Prozent) wies sie ihr schlechtestes Ergebnis seit Jahren aus. Im Gegensatz dazu erhöhten sich die Modalsplit-Anteile des Straßengüterverkehrs und des Schienengüterverkehrs um jeweils rund 0,4 Prozent; bei der Straße auf 73,4 und bei der Schiene auf 18,1 Prozent. 

Nach Angaben des BAG ist der höhere Anteil des Straßen­güter­verkehrs vor allem auf die mit 3,2 Prozent stark gestiegene Verkehrsleistung ausländischer Lkw zurückzuführen. Bei den mautpflichtigen Fahrleistungen legten sie sogar um 8,5 Prozent auf rund 40,1 Prozent zu. Besonders stark stiegen erneut die Fahrleistungen polnischer Lkw, die um 1,1 Prozent auf insgesamt 13,6 Prozent zulegten. Bei den deutschen Lkw stiegen die mautpflichtigen Fahrleistungen lediglich um 4,4 Prozent, was gegenüber 2014 ein Rückgang auf 59,8 Prozent bedeutet.

Mautausweitung beeinflusst Statistik

Stark beeinflusst wurden diese Zahlen durch die Ausweitung der Mautpflicht auf weitere Bundesstraßen und auf Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen. Vor allem die Absenkung der Tonnagegrenze zum 1. Oktober hatte Auswirkungen auf die Fahrzeugwahl. So stieg 2015 die Zahl der Neuzulassungen von Lkw über zwölf Tonnen um 7,9 Prozent, während sie in der Gewichtsklasse zwischen zehn und zwölf Tonnen um 16,3 Prozent sank. Zugleich verstetigte sich 2015 der deutliche Trend hin zu umweltfreundlicheren Lkw. Bei den mautpflichtigen Fahrleistungen nahm der Anteil der Euro-6-Lkw gegenüber 2014 um 17,7 auf rund 30,4 Prozent zu, während er bei den EEV- und Euro-6-Kategorien um 3,3 beziehungsweise um 11,7 Prozent auf 13,8 und 47,6 Prozent sank. Zurück ging auch der Anteil der umweltschädlicheren Euro-1-, Euro-2-, Euro-3- und Euro-4-Lkw, die zusammengenommen 2015 gegenüber 2014 nur noch auf einen Anteil von 8,2 Prozent kamen (–2,8 Prozent).

Interessant ist vor diesem Hintergrund ein Blick auf die betriebswirtschaftliche Entwicklung im gewerblichen Straßengüterverkehr. Denn viele der befragten Unternehmen berichten "von leicht gesunkenen Gesamtkosten im Vergleich zum Vorjahr" – eine Situation, die es so seit Jahren nicht mehr gab. Getrieben wurde diese Entwicklung vor allem durch den stark gesunkenen Dieselpreis, der 2015 deutlich unter den Jahresdurchschnittswerten der letzten zehn Jahre lag. Aufgrund vertraglicher Dieselgleitklauseln musste ein Teil der Unternehmen diese Kostenersparnisse allerdings an die Auftraggeber weitergeben. 

Preissteigerungen nur im Nah- und Regionalverkehr

Lediglich Unternehmen im Nah- und Regionalverkehr konnten leichte Preissteigerungen von 0,8 beziehungsweise 0,6 Prozent verbuchen. Dagegen mussten Unternehmen des Fern- und grenzüberschreitenden Verkehrs wegen des starken Wettbewerbs mit mittel-, ost- und südeuropäischen Firmen leicht gesunkene Preise hinnehmen.

Gleichwohl weist die BAG-Marktbeobachtung für 2015 eine stagnierende Umsatzentwicklung bei den Unternehmen des Straßengüterverkehrs aus. Unverändert sind Umsatzrenditen von ein bis drei Prozent erwirtschaftet worden. In einigen Regionen haben Unternehmen, die zusätzliche logistische Dienstleistungen anbieten oder in speziellen Segmenten wie der Baustellenlogistik tätig sind, höhere Renditen "in einem Korridor von fünf bis zehn Prozent, in seltenen Einzelfällen sogar darüber", erzielt. Trotz dieser „leicht positiven Entwicklung" bewegten sich die Umsatzrenditen im Transportgewerbe nach Einschätzung des BAG "unterhalb des gesamtwirtschaftlichen Niveaus".

Dieser Artikel stammt aus Heft trans aktuell 17/2016.
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martinezel/fotolia

Datum

25. August 2016
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