Lkw, Fahrer, Arbeitsmarkt Zoom

BAG-Bericht zum Arbeitsmarkt: Weniger, älter, internationaler

Ein Bericht des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) beleuchtet den Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Ein Ergebnis ist, dass der Fahrermangel deutlicher spürbar ist.

Obwohl die Zahl der Lkw-Fahrer insgesamt zunimmt, ist die Fahrersituation für die deutsche Transportwirtschaft nach wie vor ein großes Problem. Immer mehr ältere Fahrer stehen immer weniger Jüngeren gegenüber.  Zudem wurden weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen. Wie das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) in seinem aktuellen Sonderbericht zur Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation von Berufskraftfahrern darlegt, erhöhte sich 2014 zwar die Zahl der in Deutschland  sozialversicherungspflichtig beschäftigten Berufskraftfahrer zu 2013 um 0,7 Prozent auf gut 538.000.

Zurückzuführen ist dies aber hauptsächlich auf die wachsende Zahl ausländischer Kollegen, deren Anteil kontinuierlich geklettert ist – auf über 58.000 (10,9 Prozent) im Jahr 2014. Bei gut 81.000 der Fahrer (15,1 Prozent) handelt es sich um geringfügig Beschäftigte. Etwa gleich niedrig geblieben ist mit rund 9.000 (1,7 Prozent) der Anteil der Fahrerinnen.

Junge Fahrer fehlen

Auffällig ist im BAG-Bericht die weiter auseinander driftende Altersstruktur der Fahrer. Während 25,5 Prozent von ihnen 55plus waren (0,9 Prozent mehr), nahm die Zahl der unter 25-Jährigen weiter ab – auf nur noch knapp 14.000 (minus 2,6 Prozent). Zum Vergleich: Im bundesweiten Durchschnitt ist diese Altersgruppe über alle Berufsgruppen hinweg mit knapp elf Prozent viermal so hoch. Rückläufig entwickelten sich auch die Zahlen der 25- bis unter 55-Jährigen. Nach 72,8 Prozent im Jahr 2013 entfielen auf sie 2014 nur noch 71,9 Prozent. Damit hat insgesamt die Zahl der älteren Fahrer weiter zugenommen, im Vergleich zu anderen Berufsgruppen ist sie überproportional stark besetzt.

Die seit dem 1.Juli 2014 bestehende Möglichkeit für besonders langjährig Versicherte, bereits ab 63 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen zu können, hat dem BAG-Bericht zufolge bei den Berufskraftfahrern "noch keine größere Wirkung entfaltet". So entfielen von den bei der Deutschen Rentenversicherung bis Ende Mai dieses Jahres eingegangenen 320.000 Anträgen lediglich 1,1 Prozent auf "Führer von Fahrzeug- und Transportgeräten", was auch den Flug-, Bahn- und Schiffsverkehr einschließt. Für die Lkw-Fahrer ergibt die neue Rentenregelung mithin nur eine „geringe Relevanz“, sagen die BAG-Experten. Ihren Erhebungen zufolge werden Fahrer in der Verkehrs- und Logistikwirtschaft nach dem Renteneintritt  eher als Aushilfsfahrer auf 450-Euro-Basis weiter beschäftigt, wegen der verpflichtenden Weiterbildung nach dem Berufs-kraftfahrerqualifikationsgesetz aber mit abnehmender Tendenz.

Ganz klar: Diese Arbeits-marktsituation lässt sich ganz wesentlich auf den beruflichen Alltag vieler Berufskraftfahrer zurückführen – hoher Zeit- und Termindruck, lange und unregelmäßige Arbeitszeiten, gepaart und verstärkt durch Verzögerungen im Verkehrsablauf, Staus und Wartezeiten an den Laderampen. "Belastungen erfahren die Fahrer zudem örtlich durch respektlose Behandlungen", stellt der Bericht weiter fest.
Eine weitere "Veränderung" ergab sich für die Fahrer mit der  Einführung des digitalen Kontrollgerätes und der damit verbundenen lückenlosen Aufzeichnung  der Sozialvorschriften, was zu einer "noch engeren Kontrolle" führte. "Der Spielraum für Selbstbestimmung und eigenverantwortliches Handeln der Fahrer nahm weiter ab." Gleichwohl hat der Anteil derjenigen Berufskraftfahrer, die normalerweise 45 und mehr Arbeitsstunden pro Woche arbeiten, in den vergangenen Jahren tendenziell zugenommen. Mit zuletzt 28,8 Prozent lag er deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Bei knapp 20 Prozent der Berufsfahrer lag einer externen Studie zufolge die vertragliche Arbeitszeit bei mehr als 50 Stunden.

Ein Indikator dafür, inwieweit die Grenzen des gesetzlich erlaubten als Folge des enormen Zeit- und Termindrucks "bisweilen" überschritten werden, ist für die BAG-Fachleute die Straßenkontrollstatistik. Sie zeigt: Die nicht ordnungsgemäße Verwendung von Schaublättern und Fahrerkarten hat deutlich zugenommen. Ihr Anteil erhöhte sich von 16,8 Prozent in 2011 auf beachtliche 44,8 Prozent im Jahr 2014. Dagegen entwickeln sich Lkw-Unfälle mit Personenschaden trotz zunehmender Verkehrsdichte seit Jahren rückläufig. Deren Ursachen allerdings wandeln sich, nicht zuletzt wegen des zunehmenden Anteils älterer Fahrer. Während beispielsweise die Unfallursache "nicht angepasste Geschwindigkeit", die sich häufig bei jungen  Fahrern zeigt, relativ an Bedeutung verliert, nehmen Fehler beim Ein-, Ausfahren und Abbiegen sowie Vorfahrt- und Vorrangfehler zu.

Lohnsteigerungen fielen höher aus als Anstieg der Verbraucherpreise

Die tariflich vereinbarten Lohnsteigerungen für die Berufskraftfahrer fielen zuletzt regelmäßig höher aus als der Anstieg der Verbraucherpreise. Nach der BAG-Studie zeigt sich darin auch eine wachsende Bedeutung der Entlohnung für die Mitarbeiterbindung. Da die Tariflöhne für Berufsfahrer in allen deutschen Ländern über dem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro liegen, hatte dessen Einführung zum 1. Januar dieses Jahres bei tarifgebundenen Güterkraftverkehrsunternehmen "keine Auswirkungen auf das Lohnniveau", wird festgestellt.

Lohnniveau variiert noch

Nicht tarifgebundene Unternehmen mussten aufgrund des Mindestlohngesetzes ihre Löhne anheben – hauptsächlich in Ostdeutschland, wo immer noch ein niedrigeres Lohnniveau herrscht als im westdeutschen Raum. Wie die BAG-Mitarbeiter herausfanden, wurde dies freilich oft durch Umlegung variabler Lohnkostenbestandteile, zum Beispiel von Prämien, auf den Grundlohn realisiert. Bestehende Lohnanreizsysteme wurden so geschwächt.
Bei der Fahrerqualifikation kommt der Beschleunigten Grundqualifikation eine größere Bedeutung zu, als der klassischen dreijährigen Ausbildung. So wurden seit 2009 bereits 57.200 sogenannte Grundquali-Prüfungen erfolgreich abgelegt.

Die Zahl neuer Ausbildungsverträge zum Berufskraftfahrer entwickelte sich von 2011 bis 2014 dagegen rückläufig (von 3.264 auf 3.180) – wohl auch, weil ein Großteil der Unternehmen des gewerblichen Verkehrs und des Werkverkehrs nicht mehr ausbildet. Hinzu kommt, dass angehende Berufskraftfahrer ihre Ausbildung öfter abbrechen, 2014 lösten 46 Prozent ihren Vertrag vorzeitig.

Mehr Azubis brechen ab

Auch die aktuellen Rahmenbedingungen für den deutschen Güterkraftverkehrsmarkt hat der BAG-Bericht im Zusammenhang mit dem Fahrerthema beleuchtet. Zu Recht, denn schließlich hat beides unmittelbar miteinander zu tun. Hingewiesen wird auf die nochmals erhöhte Intensität des nationalen und internationalen Wettbewerbs, dem die deutschen Transport-, Speditions- und Lo-gistikunternehmen in den vergangenen Jahren durch "diverse EU-Osterweiterungsrunden" ausgesetzt waren.

Die daraus hervorgegangenen kostengünstigeren Angebote aus Mittel- und Südosteuropa führten laut Bericht zu Marktanteilsverlusten, sowohl im deutschen Binnenverkehr als auch im grenzüberschreitenden Empfang und Versand. Fazit: "An den erzielten Verkehrsleistungszuwächsen haben nahezu ausschließlich ausländische Lkw partizipiert."






Schwierige Entwicklung bei Ausbildungszahlen
Mehr Ausbildungsabbrüche    Weniger neue Verträge    Mehr Prüfungsteilnehmer **
Jahr    Alle Berufe (%)    Berufskraftfahrer    BKF-Ausbildungsverträge gesamt/neu    Prüfungen gesamt / bestanden
2010    23    996 (39,8 %)    5.286 / 2.466     1.386 / 1.116 (80 %)
2012    24,4    1.686 (45,5 %)    6.975 / 3.270    1.665 / 1.389 (83%)
2014    24,7    > 1.800 (46,5 %)*    7.131 / 3.180    2.310 / 1.869 (80 %)
Quelle: (BAG) und BIB) ; * nach vorläufiger Berechnung; ** Inklusive Beschleunigte Grundqualifikation

Hier finden Sie den Bericht des BAG.

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Autor

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Photographer:StarflameDia

Datum

23. Oktober 2015
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