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Autonom fahrender Serien-Lkw: Daimler schickt Fahrzeug auf die Straße

Die Jungfernfahrt ist Chefsache. Zur Premiere des weltweit ersten autonom fahrenden Serien-Lkw sitzen Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Dr. Wolfgang Bernhard im Fahrerhaus.

Die etwa 20-minütige Fahrt führte sie am Freitagmittag von der Raststätte Denkendorf auf der A 8 zum Stuttgarter Flughafen und retour.

Mehr als 50 Medienvertreter waren gekommen, um den Start des außergewöhnlichen Sattelzugs zu erleben, dessen Zugmaschine mit einer Art Autopilot ausgestattet ist – dem Highway Pilot. Das Daimler-eigene System kann den Lkw auf Autobahnen selbstständig steuern. Möglich macht es ein ausgeklügeltes Zusammenspiel von Frontradar, Kameras sowie verschiedenen Assistenzsystemen wie dem Abstands-Regeltempomaten. Der Fahrer muss aber an Bord bleiben, um jederzeit eingreifen zu können.

"So eine Jungfernfahrt ist ein Erlebnis."

"Klasse war es", bilanzierte der baden-württembergische Regierungschef im Anschluss. "So eine Jungfernfahrt ist ein Erlebnis." Er habe jederzeit ein sicheres Gefühl gehabt. Monate zuvor hatte er bereits in einer autonom fahrenden S-Klasse im Silicon Valley entsprechende Fahreindrücke gewonnen. Besonders stolz ist Kretschmann darauf, dass der Startschuss zum autonomen Fahren gerade in Baden-Württemberg gefallen ist – der Wiege der Automobilindustrie. "Das teilautonome und autonome Fahren ist ein Signal für den Aufbruch in ein neues Mobilitätszeitalter", erklärte der Grünen-Politiker. Lkw mit den entsprechenden Technologien an Bord trügen dazu bei, die Infrastruktur effizienter zu nutzen, den Verkehrsfluss zu verbessern und die Sicherheit zu erhöhen.

Technologieoffenes Testfeld in Baden-Württemberg

Bei der Gelegenheit kündigte Kretschmann an, ein technologieoffenes Testfeld in Baden-Württemberg schaffen zu wollen, das Autobahnen, Stadt- und Landstraßen sowie Pkw und Lkw gleichermaßen einbeziehe. Erst müsse aber der Landtag den Weg dafür freimachen.
Daimler-Vorstand Bernhard zeigte sich vor allem über die Geschwindigkeit überrascht, mit der das teilautonome Fahren nun Realität geworden sei. "Heute wird in Denkendorf möglich, was vor kurzem noch undenkbar war", erklärte er. Es ist gerade mal etwas mehr als ein Jahr vergangenen, seit Daimler seinen autonom fahrenden Future Truck 2025 in Magdeburg präsentierte – damals aber auf einem noch nicht für den Verkehr freigegebenen Abschnitt der A 14.

Der nun zur Erprobung gestartete schwarze Serien-Actros mit dem Kennzeichen S – PN 1009 war im Werk Wörth vom Band gelaufen und anschließend im Daimler-Versuch mit weiteren Komponenten ausgestattet worden. Er ist gemäß Straßenverkehrsordnung als Versuchsfahrzeug zugelassen. Sachverständige aus Rheinland haben das Fahrzeug technisch abgenommen, anschließend erteilte das Regierungspräsidium Stuttgart Daimler Mitte August eine Ausnahmegenehmigung. Eine Besonderheit ist, dass Daimler damit den Highway Pilot jederzeit auf allen Autobahnen in Deutschland erproben darf, wie Georg Stefan Hagemann auf Anfrage erläutert, der Leiter des Bereichs Vorentwicklung Gesamtfahrzeugkonzepte bei Daimler.

"Der Highway Pilot bringt mehr Sicherheit"

Vorstand Bernhard sieht die Unterstützung des Fahrers durch Systeme gerade im Lkw als sinnvoll an. Sie könnten den Fahrer auf oft langen und monotonen Strecken entlasten. "Der Highway Pilot bringt mehr Sicherheit", betonte der Daimler-Nutzfahrzeugchef. Er werde im Gegensatz zum Fahrer nie abgelenkt und nie müde. Die Effizienz werde erhöht, weil das System in der richtigen Dosierung bremse und beschleunige. "Außerdem macht es den Fahrerarbeitsplatz attraktiver", betonte Bernhard.

Pläne für ein digitales Testfeld

Aufgabe der Politik sei es nun, die Rahmenbedingungen zu setzen, damit autonomes Fahren im zweiten Schritt nicht mehr nur auf Erprobungsfahrten beschränkt sei. Dazu müssten die Wiener Konvention und die Straßenverkehrsordnung angepasst und die Zertifizierung dieser Systeme geregelt werden. In jedem Fall begrüße er die Pläne der Bundesregierung für ein digitales Testfeld sowie die von Ministerpräsident Kretschmann in Baden-Württemberg angekündigte Initiative. "Wo Lkw zuerst gefahren sind, müssen sie auch zuerst autonom fahren." Um den grünen Landesvater bei seinen Bemühungen zu unterstützen, überreichte Bernhard ihm ein gerahmtes Bild mit dem Aufdruck "Wir können alles. Auch autonom Fahren."

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

2. Oktober 2015
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