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Automatisiertes Fahren: Autonom in Österreich

Alpenrepublik beginnt erste Tests zum automatisierten Fahren. Gesetze sind bereits entsprechend angepasst.

Österreich steigt beim autonomen Fahren aufs Gaspedal. Allen voran das Ministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, wo Minister Jörg Leichtfried am liebsten schon morgen autonom fahrende Pkw und Lkw auf Österreichs Straßen sehen würde. Der Weg bis dahin ist noch weit, aber die ersten Schritte sind gemacht. Kurzfristig sollen erste Versuche starten.

Österreich solle bei dieser Technologie vorn mit dabei sein, sagte der Minister an der Seite von Georg Kapsch, Präsident der Österreichischen Industriellenvereinigung kürzlich, als er der Öffentlichkeit einen Aktionsplan vorstellte. Dahinter stehen 20 Millionen Euro an öffentlichen Investitionen.

Elf Millionen an Förderung

Zu den ersten Schritten zählt die Novelle zum Kraftfahrgesetz (KFG), mit der der rechtliche Rahmen für Tests von automatisierten Fahrzeugen im öffentlichen Verkehrsnetz geschaffen wird. Neben Tests auf regulären Straßen werden die neuen Technologien auch auf Laborstrecken erprobt. Errichtung und Betrieb dieser Strecken fördert das Verkehrsministerium mit insgesamt elf Millionen Euro. Die Novelle zum KFG trat bereits Ende Juli in Kraft. Unter bestimmten Voraussetzungen könnten somit Tests von automatisierten Fahrzeugen im öffentlichen Straßennetz noch in diesem Jahr beginnen.
Mit der Novelle werden die Lenkerpflichten für das automatisierte Fahren adaptiert. Bislang dürfen bestimmte Assistenzsysteme beziehungsweise automatisierte Fahrsysteme nicht genutzt werden, da das Lenkrad während des Fahrens mit mindestens einer Hand festgehalten werden muss. Welche Aufgaben unter welchen Bedingungen an automatisierte Fahrsysteme übertragen werden dürfen, wird durch entsprechende Verordnungen geregelt. Fahrerlose Autos oder Lkw dürfen aber auch dann nicht auf öffentlichen Straßen zum Einsatz kommen.

Die Datensicherheit ist in dem Kontext ein ganz wesentliches Thema: Autonomes Fahren dürfe auf keinem Fall auf Kosten der Datensicherheit erkauft werden, betont Albert Steinhauser, Justiz- und Datenschutzsprecher der Grünen. "Autos sind schon heute vielfach fahrende Sicherheitslücken, was ihre Datensicherheit betrifft. Viele Hersteller statten Fahrzeuge mit drahtlosen Schnittstellen aus, vergessen aber die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen", warnt Steinhauser und fordert Leichtfried zum Handeln auf, damit automatisiertes Fahren "kein Blindflug auf Kosten der Daten- und Verkehrssicherheit wird".

Autonomes Fahren bei Lkw

Autonomes Fahren werde bei Lkw früher umgesetzt als bei Pkw, lautet die Aussage einer Studie der Boston Consulting Group (BCG). Es gebe großes Interesse der Wirtschaft, in Nischenbereichen beziehungsweise in definierten Gebieten mit spärlicher Besiedlung autonom fahrende Lkw einzusetzen. BCG-Experte Nikolaus Lang, räumt freilich ein: "Um die Selbstfahrer-Technologie umzusetzen, können hohe Kosten für die Umrüstung der Infrastruktur anfallen. Je mehr die Infrastruktur angepasst wird, umso weniger Sensoren müssten in die Fahrzeuge eingebaut werden." Für eine Zehn-Millionen-Stadt belaufen sich die Kosten für die Aufrüstung der Infrastruktur demnach auf mehr als drei Milliarden Euro.

Der Ambition von Leichtfried, bei diesem Thema Österreich in der ersten Reihe zu platzieren, kann Max Schachinger, Geschäftsführer der österreichischen Schachinger Logistik in Linz, durchaus etwas abgewinnen. "Wenn genug politischer Wille da ist, haben wir da vielleicht sogar die Möglichkeit, einmal vorne dabei zu sein, was meist billiger ist und mehr bringt als hinten zu sein – wie so oft in den vergangenen 20 Jahren", sagt der Manager gegenüber trans aktuell. "Wie wir aus dieser konkreten Technologie in diesem konkurrenzbasierten Wirtschaftssystem  aber volkswirtschaftliche Vorteile generieren können, habe ich noch nicht reflektiert", räumt er ein.

Was der Logistikunternehmer bei allen Vorteilen aber für den Staat befürchtet: dass der Erfolg des autonomen Fahrens durch mehr Sicherheit, Schnelligkeit und Effizienz die staatlichen Lohn­steuer­einnah­men klar dezimiert.




Spediteur Schachinger überzeugt

Laut einer aktuellen McKinsey-Studie wird bis 2025 in Europa jeder dritte Lkw teilautonom auf den Straßen unterwegs sein. Diese Prognose hält Spediteur Max Schachinger für realistisch: Auf den Autobahnen sei es machbar, dass jeder dritte Lkw autonom oder zumindest teilautonom unterwegs ist, sofern auch die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen vorhanden sind. "Im Mix aller Straßen halte ich ein Drittel autonom für realistisch bis konservativ geschätzt", sagt er.

In seinem eigenen Unternehmen kann sich der Spediteur den Einsatz autonom fahrender Lkw gut vorstellen. Durch autonomes Fahren könnten die Gesamtbetriebskosten (Total Costs of Ownership, TCO) stark sinken, weil unterm Strich mehr Laufleistung, der Wegfall von Fahrerlöhnen von rund 30 Prozent sowie höhere Effizienz und Sicherheit stehen.

Allerdings würden die aufwendige Technik und Steuerung sowie möglicherweise mehr Raubdelikte Zusatzkosten verursachen, die kalkuliert werden müssten. Per saldo rechnet Schachinger mit einer Reduktion der TCO von 50 Prozent.

Autor

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Daimler

Datum

20. Oktober 2016
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