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Ausbildung zum IHK-Fachwirt: Pauken für die Praxis

Der IHK-Fachwirt sichert Chancen für Nachwuchskräfte – praxisgerechte Weiterbildung mit Hürden. 

Justin Fuchs hat in seine Zukunft investiert – mit einer Weiterbildung. Abzüglich Frühbucherrabatt hat der 30-jährige Speditionskaufmann 4.100 Euro für drei Semester auf der Schulbank und vier Prüfungen bezahlt, inklusive IHK-Abschluss. Dass es gut investiertes Geld war, davon ist er überzeugt.

Neben seinem Beruf als Messelogistiker bei DB Schenker in Stuttgart hieß das für ihn, montags und mittwochs nach Feierabend für drei Stunden sowie samstags für weitere fünf Stunden eineinhalb Jahre lang an der VWA zu pauken. Zusätzlich hat er abends und sonntags gebüffelt und sich auf die Prüfungen vorbereitet – genau wie sein Kollege Manuel Zipperlen. Der 29-Jährige hatte nach der Ausbildung und einem abgebrochenen BA-Studium nach der passenden Alternative gesucht, die ihn beruflich weiterbringt. "Ich möchte ins Führungsmanagement aufsteigen und hier am Standort vorankommen", erklärt Fuchs seine Ziele. 

Geprüfter Verkehrsfachwirt

Fündig geworden sind beide bei der Württembergischen Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie (VWA) in Stuttgart mit dem Fachstudiengang "Geprüfte/r Verkehrsfachwirt/in", den die Akademie zusammen mit dem Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL) seit 1981 anbietet. Zu dem Zeitpunkt, als der Verkehrswirt durch einen neuen IHK-Abschluss abgelöst werden sollte, gingen die Anmeldungen jedoch zurück. 

"Die Bereitschaft für ein Abendstudium nimmt ab. Freizeit und Work-Life-Balance haben heute einen höheren Stellenwert", sagt VWA-Bildungsreferent Dieter Schmid. Mit einem neuen Konzept, das sich am Nachfolgefachstudiengang "Geprüfte/r Fachwirt/in für Güterverkehr und Logistik" orientiert und um neue Inhalte wie Personalmanagement ergänzt wurde, hofft Schmid, dass die Bereitschaft für eine qualifizierte Weiterbildung in diesem Segment wieder zunimmt.

Fuchs und Zipperlen hat das nicht abgehalten. "Der Verkehrswirt als Verbindung zwischen Theorie und Praxis ist genau die richtige Weiterbildung für meine Bereiche", sagt Fuchs. Seit 2006 ist der gelernte Speditionskaufmann in der Messelogistik bei DB Schenker im Einsatz.

Abwechslungsreiche Arbeit

Ihn reizt dort die Abwechslung. DB Schenker ist exklusiv für die Messe Stuttgart tätig und somit betreuen Fuchs und Zipperlen eine Vielzahl an Kunden und Sendungen, nehmen Maschinen und Autos aus Übersee entgegen und betreuen Messeaufbau und Rückführung. Besonders freut sich Fuchs alle zwei Jahre auf das aus seiner Sicht anspruchsvollste Messeevent Stuttgarts: die Maschinen- und Werkzeugmesse AMB – "wenn einen Monat lang der Punk abgeht". 

Ihre Prüfung zum Fachwirt haben die beiden Logistiker im Juni 2016 absolviert – mit Verspätung, "wir drehten eine Ehrenrunde im Fach Kaufmännische Steuerung, Controlling und Personalwirtschaft", berichtet Zipperlen. Dass sie gemeinsam lernten, sei ein Riesenvorteil gewesen. "Alleine hätte ich die Wiederholung nicht durchgezogen", sagt Fuchs. 

Anwenden können sie das Gelernte auch ohne Karrieresprung, etwa bei der "Führung" gewerblicher Mitarbeiter an der Messe Stuttgart oder beim Umgang mit Kollegen. "Der Fachwirt bietet Absolventen ein gutes Startkapital – es lohnt sich, diesen Weg zu gehen", erklärt der VWA-Dozent Michael Krell.

Umgang mit Konflikten 

In der überarbeiteten Version der Weiterbildung rückt der Mensch stärker in den Fokus, erklärt Schmid. Geübt werde etwa der Umgang mit Azubis, in Konfliktsituationen, mit Frust oder auch das Motivieren und Führen von Mitarbeitern. Die fachspezifischen Inhalte werden handlungs- und prozessorientiert vermittelt, um das Erlernte bestmöglich in der Praxis einsetzen zu können.

Die Weiterbildung liefert für Krell, Geschäftsleiter Landverkehr/Logistik bei DB Schenker in Ditzingen, viele Antworten auf aktuelle Herausforderungen der Branche, wie etwa Logistik 4.0, die Potenziale durch 3D-Druck und Grüne Logistik. Doch es gibt weitere Vorteile für Unternehmen. Die Mitarbeiter seien meist hoch motiviert und wollten etwas bewegen. "Chef sein ist gar nicht so einfach", sagt der Schenker-Manager. Doch mit dem Kurs können sich führungsstarke Mitarbeiter mit Spezialwissen eine Karrierebrücke in die Zukunft bauen.

Der Fachstudiengang

  • Kurs: "Fachwirt/in für Güterverkehr und Logistik" (DIHK) bei der Württembergischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA)
  • Zielgruppe: Berufspraktiker, Nachwuchskräfte aus Logistik, Spedition und Transport für mittlere Führungspositionen
  • Dauer: 18 Monate, drei Semester mit je 120 bis 160 Unterrichtseinheiten, danach IHK-Prüfung, Kosten: 4.270 Euro, nächster Start: 8. Oktober 2016 in Stuttgart
  • Inhalte: Grundlagen in BWL, Personal, Recht und Außenwirtschaft; nationale und internationale verkehrswirtschaftliche Zusammenhänge; Logistik- und Transportdienstleistung strategisch planen, koordinieren, optimieren und steuern sowie vermarkten; Projekte steuern; Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit, mitgestalten von Qualitäts-, Gesundheits- und Umweltmanagement 
  • 1981 bis 2015: rund 870 Absolventen, jährlich 16 bis 25 neue Teilnehmer
Dieser Artikel stammt aus Heft trans aktuell 16/2016.
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Claudia Wild

Datum

11. August 2016
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