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Ausbildung: Berufskraftfahrer dringend gewünscht!

Viele Fahrersitze bleiben leer – Spediteure müssen neue Wege gehen, um junge Leute für eine Ausbildung zu gewinnen.

Es werde immer schwieriger, Nachwuchs zu gewinnen, heißt es aus der Branche. Seit dem Ausbildungsjahr 2011/12, in dem sich 3.248 junge Leute für eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer entschieden haben, ist die Zahl rückläufig – zuletzt auf 3.149 neue Verträge für den Jahrgang 2014/15. Auf Ausbildungsmessen blitzen Spediteure immer öfter bei Eltern ab, die ihre Kinder nicht in ein Gewerbe mit einem derart negativen Image schicken wollen.

Besorgniserregender aber sei die hohe Quote der jungen Leute, die ihre Ausbildung abbrechen. So sehen es die Experten, die beim Young Professionals Truck Award 2015 in der ZF-Spedi­tionslounge am Nürburgring über die Probleme bei der Ausbildung diskutieren. Aus dem Jahrgang 2011/12 haben nach drei Jahren nur 2.044 Azubis die Prüfung bestanden. Rund 1.000 angehende Berufskraftfahrer sind also auf der Strecke geblieben. "Gerade bei den Berufskraftfahrern ist die Abbruchquote im Vergleich zu anderen Branchen mit 20 bis 30 Prozent relativ hoch", erläutert Burkhard Kapp, Referent für Verkehr und Logistik von der IHK in Ludwigshafen.

Orientierungspraktikum für Einsteiger

Christopher Schuldes, Juniorchef der gleichnamigen Spedition aus dem hessischen Alsbach, versucht, vorzubeugen. "Wir bieten bereits vor Beginn der Ausbildung ein längeres Orientierungspraktikum an", erzählt er. Die Zahl der Abbrecher liegt bei seinem Unternehmen deshalb unter der statistischen Quote. Die Jugendlichen gehen mit einem erfahrenen Fahrer zwei Wochen auf Tour und bekommen aus erster Hand mit, was sie während der kommenden drei Jahre erwartet. "Dabei entsteht ein ganz anderes Bewusstsein für den Beruf. Erst danach entscheiden wir uns, ob wir mit den jungen Leuten eine Ausbildung beginnen."

Abbrecherqoute ist gigantisch

In Sorge ist auch Jörg Biemer: "Die Abbrecherquote in den ersten Jahren ist in der Tat gigantisch", bestätigt er. Der  Lehrer an der Berufsschule Wetzlar kennt die Gründe: Zum Teil seien die jungen Leute nicht richtig informiert. Wenn ein Azubi 16 Jahre alt ist und seine Ausbildung begonnen hat, müsse er erst zwei Jahre warten, bis er Lkw fahren darf. Zuweilen bekommt Biemer von den Azubis zu hören, dass man sie darüber niemals informiert habe.

Erfolge durch Ausbildungsallianzen

Auch kleine Unternehmen können einen Beitrag leisten, um dem Fahrermangel entgegenzuwirken: Reinhard Buchsdrücker von der Dekra Akademie berichtet von Erfolgen durch Ausbildungsallianzen. Im Emsland etwa schließen sich mittelständische und kleine Unternehmen zu einer Initiative zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen. "Ausbildungsbereiche, die das Unternehmen selbst nicht ableisten kann, können so durch andere Unternehmen und auch Dekra übernommen werden", schildert Buchsdrücker.

Beschleunigte Grundqualifikation als Tür zum Job

Neben der Ausbildung gibt es auch noch einen anderen Berufszugang: Bis zu 11.000 Teilnehmer absolvieren jährlich die Beschleunigte Grundqualifikation. Die Absolventen erhalten gemäß Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz nach 140 Zeitstunden und einer IHK-Prüfung ebenfalls die Berechtigung, einen Lkw im gewerblichen Güterverkehr zu steuern. Nahezu die Hälfte dieser Kurse wird, regional extrem unterschiedlich, über die Agentur für Arbeit finanziert.

"Wer sprachlich halbwegs fit ist, kann die Prüfung ohne Weiteres bestehen", sagt IHK-Mann Kapp. Das Votum von Spediteur Schuldes ist trotzdem klar. "Die Frage bei der Beschleunigten Grundqualifikation ist, was wir von einem solchen Fahrer überhaupt erwarten können." Was könne man nach 140 Stunden Unterricht? "140 Stunden im Vergleich zu einer dreijährigen Ausbildung! Ich wüsste gleich, wen ich da eher einstellen
würde."

Autor

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Karl-Heinz Augustin

Datum

2. Juli 2015
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