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Auf Achse: Most 2009

Jochen Hahn - Dritter Platz weiterhin im Visier

Es hätte so schön werden können beim 7. Lauf zur FIA European Truck Racing Championship im tschechischen Most, doch das Glück war dem Team Hahn-Racing einfach nicht hold. Herrliches Sommerwetter mit Temperaturen zwischen 24 und 30 Grad, wobei es nachts mit 10 Grad allerdings empfindlich kühl wurde, und mehr als 50.000 Zuschauer, darunter viele Deutsche, die Jochen Hahn begeistert feierten, konnten das auch nicht wettmachen. Die Rennen in Most sind eine 3-Tagesveranstaltung, und so standen am Freitagnachmittag auch schon die beiden Freien Trainings auf dem Programm. Bereits nach wenigen Minuten gab es einen der spektakulärsten Truckracing-Unfälle der letzten Zeit. Nach einer Bergabpassage schoss der Renault des Österreichers Markus Altenstrasser in einer leichten Rechtskurve einfach geradeaus. Weder ein langes Kiesbett, noch ein dicker Reifenstapel mit einer kräftigen Leitplanke konnten die fünfeinhalb Tonnen Stahl und Kunststoff aufhalten. Erst die Bäume auf der steil abfallenden Böschung brachten den RaceTruck zum Stehen. Der Pilot überstand das Ganze relativ unversehrt, der Truck dagegen sah sehr mitgenommen aus. Es dauerte ewig lang, den Havaristen an dieser höchst problematischen Stelle zu bergen. Infolge dieser Aufregungen geriet das Trainingsergebnis beinahe zur Nebensache. Dennoch sollte noch erwähnt werden, dass Jochen in beiden Trainings die zweitbeste Zeit fuhr. Am Samstagmorgen beim 1. Zeittraining hatte das Pokern ein Ende, es wurde ernst. Schon in der ersten Runde fuhr Lokalmatador David Vrsecky mit seinem Buggyra Bestzeit. Hahn stand dem kaum nach und sicherte sich ebenfalls schon in seiner ersten Runde den 2. Startplatz vor seinem MAN-Markenkollegen Antonio Albacete (ESP) und dem zweiten Buggyra-Piloten Markus Bösiger aus der Schweiz. Und genau in dieser Reihenfolge fuhren die vier Trucks auch wie an einer Perlenschnur aufgereiht über zwei Drittel des anschließenden Rennens, wobei gerade der Spanier immer wieder Attacken gegen seinen Markenkollegen Hahn ritt. Bei einem dieser Manöver beschädigte Albacete einen Hinterreifen des Altensteigers derart, dass dieser kurz darauf platzte. Auf den letzten Kilometern fiel Hahn so noch vom 2. auf den 5. Platz zurück. „Das war hart“ so Hahn anschließend, „ aber immer noch im Bereich des Vertretbaren.“ Andererseits sind andere Piloten für ähnliche Aktionen auch schon bestraft worden; diese Erfahrung sollte der Deutsche noch am nächsten Tag machen. Zunächst stand aber noch das zweite Samstagsrennen an. Und hier fuhr Hahn nach einem tollen Start einem überlegenen Sieg vor Albacete und Vrsecky entgegen. Nach der Siegerehrung traten dann aber die Stewards in Aktion. Am Ende schließlich wurde Hahn wegen nicht regelkonformer Reifen, die er zuvor übrigens auch schon gefahren war, disqualifiziert. Albacete erhielt eine 2-Sekundenstrafe wegen seiner Attacke gegen Vrsecky, sodass die beiden die Plätze tauschten. Neuer Dritter war nun Bösiger. Der Sonntag begann für Hahn wieder sehr verheißungsvoll, erneut 2. Platz im Zeittraining, diesmal hinter Albacete, vor Vrsecky und Bösiger. Im anschließenden Rennen übernahm der Polesetter aus Spanien gleich die Führung und gab sie bis zum Zieleinlauf auch nicht mehr ab. Schließlich musste Hahn sich auch mehr darauf konzentrieren, gegen den ständig attackierenden Vrsecky den 2. Podiumsplatz zu verteidigen. Vierter wurde Bösiger. Im zweiten Tagesrennen starten die ersten Acht bekanntlich in umgekehrter Reihenfolge, der Altensteiger also aus der 7. Position. Gleich in der ersten Schikane nach dem Start wurde Bösiger von einem nach vorn stürmenden Kontrahenten gedreht, Hahn musste durchs Kiesbett, um nicht in einen Crash verwickelt zu werden. So fiel der MAN-Pilot schon anfangs noch um einige Plätze zurück. Während Vrsecky und Albacete bald an die Spitze stürmten und ungefährdet dem Ziel entgegenfuhren, setzte Hahn zu einem seiner schon berühmten Aufholjagden an. Etwa zu Mitte des Rennens lag er an vierter Position hinter seinem Markenkollegen Egon Allgäuer. Der Hahn-MAN war eindeutig schneller, doch der Exeuropameister aus Österreich schaffte es rundenlang jede Attacke des Deutschen abzublocken. Als Hahn dann endlich vorbeischießen konnte, kam es zu einer leichten Berührung. Für das Team völlig überraschend bekam Hahn von der Rennkommission dann noch in der vorletzten Runde wegen dieser Attacke eine Durchfahrtsstrafe aufgebrummt und fiel so vom Podestplatz auf die 9. Position zurück. Anschließend fragte man sich nicht nur bei Hahn-Racing, was an der Attacke gegen Allgäuer bestrafungswürdiger gewesen sein sollte, als an dem Angriff Albacetes auf Hahn vom Vortag. Direkt nach dem Rennen zeigte sich der Pilot auch ziemlich verschnupft: „Ich war klar schneller als Egon, der fuhr aber eine extreme Kampflinie. Egon setzte seine Bremspunkte immer früher, der hat gebremst, wo sonst keiner bremst. Und ich hatte dann ständig Chris Levett an der Stoßstange hängen, denn der war ja auch schneller als Egon. Dann kommt es bei so hautnahen Duellen zwangsläufig zu Berührungen. Andere werden dafür im schlimmsten Fall verwarnt, mir haben sie direkt eine Drive Through verpasst.“ Auch wenn die Punkteausbeute nicht dem entsprach, was man eigentlich hätte erreichen können, war man am Ende im Hahn Team zumindest bezüglich der Leistungsfähigkeit des Trucks durchaus zufrieden. „Von der Performance her haben wir gezeigt, dass wir mit jedem Konkurrenten mithalten können“, meinte der Altensteiger am Sonntagabend, als der erste Ärger verflogen war. Der Rest sei halt eben unter Pech abzubuchen, dennoch habe er den dritten Platz in der EM-Wertung immer noch als Nahziel im Visier. Hier führt weiterhin Albacete mit 344 Punkten vor Vrsecky (329), Bösiger (259) und Hahn (237). Allem Ärger zum Trotz freute sich das Team HahnOxxo, in dem Jochen Hahn mit seinem ungarischen Markenkollegen Balazs Szobi in der Teammeisterschaft antritt, über drei zweite Plätze und einen dritten Platz. Copyright: Team Hahn Racing

Datum

2. September 2009
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