Telematik, Smartphone-App Zoom

App für Logistikunternehmen: Logik in der Logistik

Lkw bewältigen eine Vielzahl an Aufgaben. Damit alles funktioniert, sind Unmengen an Infos nötig. Mit einer Smartphone-App der Telekom kann der Spediteur Rückschlüsse ziehen. In China testet DB Schenker die Lösung.

Bei Big Data ist der Name Programm. Denn die Telematiklösung Mobile Logistics Cost Management (MLCM) der Telekom-Tochter T-Systems sammelt tatsächlich eine Unmenge an Daten. Dennoch ist der Einsatz an technischem Gerät übersichtlich. Denn tatsächlich braucht es nur ein Smartphone mit Android-Betriebssystem sowie die entsprechende App des Anbieters im Fahrzeug. Auch auf der anderen Seite sind keine Investitionen nötig. Der Disponent beziehungsweise der Fuhrparkleiter braucht lediglich einen Internet-PC inklusive Browser. Die Daten ruft der Mitarbeiter dann einfach über eine spezielle Internetseite ab, auf der er sich anmeldet.

Anbindung an CAN-Bus oder FMS-Schnittstelle ist nicht nötig

Stellt sich die Frage, wie die Daten erhoben werden – und natürlich welche. Um es gleich vorwegzunehmen – eine Anbindung an den CAN-Bus oder die FMS-Schnittstelle ist nicht vonnöten. Tatsächlich arbeitet die Smartphone-Lösung mit den Informationen, die sie selbst mittels GPS (Satellit) generieren kann. Grob gesagt, steht bei MLCM erst einmal die Ortung des Mobiltelefons im Fokus. Die Applikation (App) ermittelt auf diese Weise aber nicht nur den augenblicklichen Standort, sondern auch Geschwindigkeit, Beschleunigung, Fahrzeiten sowie Stillstand. Das alles passiert natürlich nicht im luftleeren Raum: So berücksichtigt das System sowohl die Ladung als auch den Fahrzeugtyp beziehungsweise das Fahrzeuggewicht.

Die Entwickler von T-Systems haben hierfür Referenzprofile entwickelt, mittels derer MLCM direkt den Kraftstoffverbrauch berechnet. Darüber hinaus weiß das System, das auf das Kartenmaterial von Google Maps zurückgreift, welches Streckenprofil die Route hat. Es berücksichtigt folglich auch, ob der Fahrer eine eher ebene oder hügelige Tour zurücklegt.  Sekundenschnell gelangen die Daten an den Server von T-Systems – und gehen von dort parallel an das Logistikunternehmen und den jeweiligen Fahrer. Disponent und Fahrer erhalten auf diese Weise ein detailliertes Bild über Streckenabschnitte mit erhöhtem Verbrauch. Aber auch die mehr oder minder ökologische Fahrweise offenbart sich. 
Das Smartphone ist dabei immer einem bestimmten Lkw zugeordnet. "Der Disponent wiederum weiß natürlich sehr genau, welcher Fahrer auf welchem Lkw sitzt", sagt Klaus Grabert, Fachberater für die Transportwirtschaft bei T-Systems.

Informationen in Echtzeit

Alle Informationen gibt es übrigens in Echtzeit – soll heißen, mit nur minimalem Versatz. Denn das Smartphone überträgt und erhält die Daten per Mobilfunk. Ist kein Empfang möglich, sammelt das Handy die Informationen und sendet sie zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Steht die Verbindung, erhält der Fahrer auch unmittelbar eine Rückmeldung zu seiner Fahrweise. Von Grün über Gelb bis Rot geht die Anzeige auf dem Handy und zeigt ihm unmittelbar, wie effizient er unterwegs ist. Auch der Disponent kann die Wirtschaftlichkeit verfolgen: So färbt sich die vom Lkw zurückgelegte Strecke auf der Karte ebenfalls in diesen drei Farben. Das Einfärben wiederum erfolgt in vorher vom Kunden definierten Zeitspannen, etwa im Minutentakt.

Was sich vielleicht noch wie Zukunftsmusik anhört, ist in China bereits im täglichen Einsatz. Dort testet T-Systems die Lösung zusammen mit dem Logistiker DB Schenker. Derzeit sind dort 50 Lkw des deutschen Logistikdienstleisters mit der Smartphone-Lösung unterwegs. Denn Termintreue wird auch im Reich der Mitte großgeschrieben.

In Peking ist immer Hauptverkehrszeit

Startet der Lkw allerdings in Peking, ist das für die Fahrer eine Herausforderung. Auch wenn die Straßen teils sechsspurig durch die Millionenmetropole führen, ist mit mehr als fünf Millionen Fahrzeugen eigentlich beinahe immer Hauptverkehrszeit. Am Olympic Boulevard ist es etwa keine Seltenheit, wenn der Verkehr 20 Stunden am Tag nur schleppend vorankommt.  Das steigert den Verbrauch. Damit die Fahrer dennoch behutsam mit dem Gaspedal umgehen, haben sie das Smartphone mit der MLCM-App dabei. Bislang läuft das Ganze noch auf Geräten von HTC, die mit dem Betriebssystem Windows laufen. Schon bald soll MLCM aber auch auf Android-Handys laufen. Die Fahrer sind Teil des Pilotprojekts von  Deutsche Telekom, T-Systems und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Ziel ist es, den CO2 -Ausstoß in der Logistik zu reduzieren.

Doch zurück zur Lösung: Bekanntlich hat das Ziel, den Verbrauch zu senken, immer zwei Dimensionen. Da ist zum einen die betriebswirtschaftliche: Die Dieselkosten machen rund ein Drittel der Gesamtkosten im Transport aus. Jeder Liter weniger ist daher ein Gewinn. Zum anderen gibt es natürlich eine ökologisch-politische Komponente: Spätestens 2020 – so ein Gesetzesvorhaben der EU-Kommission in Brüssel – müssen Logistikunternehmen ihren CO2-Ausstoß ausweisen.

CO2-Emissionen eines Pakets berechnen

T-Systems-Mann Grabert geht sogar davon aus, dass "es in Zukunft Modelle gibt, bei denen die CO2-Emissionen bis aufs Paket genau heruntergerechnet werden müssen", sagt er. Entsprechende Wünsche der Verlader seien längst keine Utopie mehr.

Auch dabei soll MLCM helfen. So fließen in die Lösung auch die Maße und Gewichtsangaben jedes Pakets ein, um die Daten bei Auslieferung mit allen nötigen Zusatzinformationen zu vervollständigen.

Dabei stellen sich gleich mehrere Fragen auf: Wird eine Sendung gleich zu Beginn einer Tour ausgeladen oder erst nach 200 Kilometern? Wie viel CO2 weniger hat der Motor bis dahin ausgestoßen, weil das Fahrzeug mit jeder Entladung etwas leichter wird? "Hinter jeder Angabe, mit der eine Sendung in Zukunft beim Empfänger gegebenenfalls ausgezeichnet wird, stecken neue, hochkomplexe Rechenprozesse und riesige Datenmengen", erklärt Grabert.

Einsparpotenziale nach Fahrzeugtyp aufgeschlüsselt

Die Einsparpotenziale der eigenen Flotte zeigt MLCM natürlich auch. Und zwar aufgeschlüsselt nach verschiedenen Fahrzeugtypen. Schließlich macht es einen Unterschied, ob ein Sattel- oder ein Gliederzug im Einsatz ist. Noch weniger kann man einen 40-Tonner, einen Zwölftonner und einen 3,5-Tonner in eine Kategorie stecken.

Darüber hinaus könne der Nutzer auch den Verkehrsfluss analysieren, dokumentieren und schließlich sogar voraussagen. "Anhand der Infos lassen sich Gebietsaufteilungen auf den Prüfstand stellen und gegebenenfalls ändern", sagt Grabert. Mit den Ortungsdaten lasse sich natürlich auch ein Geofencing realisieren. Damit kann der Nutzer etwa einstellen, dass er einen Hinweis bekommt, wenn der Fahrer stark von der Route abweicht. Oder auch, wann der Lkw in einen bestimmten Radius vor dem Zielpunkt einfährt. Damit lässt sich dann vorhersagen, ob die Sendung pünktlich kommt – oder eben gegengesteuert werden muss. Es lassen sich folglich auch bestimmte Prozesse abbilden. Bei allem steht die Fülle an Daten im Hintergrund beziehungsweise in der Cloud. Big Data hat seinen Namen tatsächlich nicht ohne Grund.

Big Data

Die Daten sprudeln wie nie zuvor, ungefiltert und nicht weiterverarbeitet sind sie allerdings für Unternehmer weitgehend nutzlos. Normale Datenbanken oder Datenmanagementsysteme stoßen hier schnell an ihre Grenzen. Für Big Data kommt daher eine neue Art von Software zum Einsatz, die parallel auf bis zu Hunderten oder Tausenden von Prozessoren beziehungsweise Servern arbeitet. Die Cloud-Lösung ermöglicht zudem ein flexibles Gestalten der Infrastruktur.

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Fotolia/Chungking

Datum

20. März 2013
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