Andy Apfelstädt Zoom

Andy Apfelstädt im Porträt: Die Praxis studieren

Andy Apfelstädt war nach dem Studium als Fahrer tätig, aktuell arbeitet der Doktorand am Projekt iLAN mit Elvis.

Mit 18 macht er sein Abi, mit 21 das Diplom zum Wirtschaftsingenieur. Pläne hat der ehrgeizige junge Mann aus Suhl viele – aber andere als seine Eltern. Sie gehen davon aus, dass es mit seiner Karriere ebenso zielstrebig und geradlinig weitergeht. Andy Apfelstädt will dagegen erst mal etwas erleben und von der Welt sehen, ehe er sich an einen Schreibtischjob bindet.


Lkw-Fahren war der Kindheitstraum

Dabei hat er ziemlich kon­krete Vorstellungen: Von Kindesbeinen an ist er von Lkw fasziniert. "Mir war klar, dass ich nicht zur Ruhe kommen würde, ohne meinen Kindheitstraum, Lkw fahren, umgesetzt zu haben", sagt er. Das teilt er nach seinem Abschluss in Wirtschaftsingenieurwesen an der Fachhochschule Erfurt (FH EF) seinen Eltern mit. "Da war vielleicht Theater angesagt."

Später mussten aber auch seine Eltern feststellen: Geschadet hat ihrem Sohn die Zeit auf dem Bock nicht – und seiner Karriere auch nicht. Im Gegenteil: Die Fahrpraxis bei unterschiedlichen Speditionen und die darauf folgende Tätigkeit als Disponent haben ihm viele Einblicke und Erkenntnisse für seine heutige wissenschaftliche Tätigkeit geliefert. "Wer noch nie im Lkw gesessen oder mit einem Speditionsprogramm gearbeitet hat, würde sich mit meinem Projekt deutlich schwerer tun", erklärt er.

"Strukturanalyse und Handlungsoptionen im euronationalen Ladungsverkehr"

Sein Projekt, das ist ein Promotionsvorhaben mit dem Titel "Strukturanalyse und Handlungsoptionen im euronationalen Ladungsverkehr", eng angelehnt an das Forschungsprojekt Intelligentes Ladungsnetzwerk (iLAN), das das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit einer halben Million Euro fördert. Läuft alles nach Plan, kann der 37-Jäh­rige seine Dissertation nächstes Jahr bei den Professoren Bert Leerkamp (Bergische Universität Wuppertal) und Matthias Gather (FH EF) abgeben und hat in zwei Jahren den Doktortitel. Angestellt ist Apfelstädt als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Verkehr und Raum der FH EF, wo er zudem parallel in der Lehre tätig ist und Abschlussarbeiten betreut.

Elvis ist Partner des Projekts

Der besondere Charme an Apfelstädts Projekt ist, dass er es mit größtmöglichem Praxisbezug umsetzen kann. Partner ist die Kooperation Elvis, die sich von dem Projekt handfeste Ansätze für einen produktiveren Fahrzeugeinsatz erhofft. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Entkopplung von Fahrer und Fahrzeug. Anhand eines ausgeklügelten Algorithmus will Wissenschaftler Apfelstädt mit seinen Kollegen herausfinden, welche klassischen Ladungsverkehre sich effizienter als bisher in Form von Begegnungs- oder Depotverkehren darstellen lassen. Im Oktober soll mit interessierten Elvis-Speditionen der Feldversuch beginnen.

Und wenn iLAN doch nicht der große Wurf wird? Dann wäre die Dissertation nach Ansicht ihres Verfassers nicht in Gefahr und würde trotzdem zu Erkenntnissen führen. "Doch ich hoffe schon, dass das Projekt Früchte trägt", sagt Apfelstädt. Neben dem Beruflichen gibt es einen persönlichen Ansporn: Die Kooperation ist sein früherer Arbeitgeber, also will er Vorstand Jochen Eschborn und dessen Mannschaft nicht enttäuschen. Bevor Apfelstädt an die FH EF wechselte, war er als Projektmanager für Elvis tätig, 2009 hatte er auch seine Masterarbeit an der Hochschule Heilbronn (HHN) bei dem Netzwerk geschrieben.

Truck meets Truck

Auch damals setzte sich Apfelstädt schon mit Begegnungsverkehren auseinander. Für das damalige Elvis-Projekt Truck meets Truck war die Zeit aber offenbar noch nicht reif. Apfelstädt sieht hier aber enormes Potenzial – mit ein Grund dafür, warum er sich im Rahmen der Dissertation nun noch eingehender mit Begegnungs- und Depotverkehren beschäftigt. Die Zeit der Abschlussarbeiten bei Elvis nutzte Apfelstädt natürlich auch zum Lkw-Fahren – nationale Systemverkehre, die sich mit seinem Studium gut vertragen haben.

Aufbau von Kontakten

Dass es Apfelstädt nach seinem Abschluss in Thüringen nach Baden-Württemberg zog, hat damit zu tun, dass er seine schon länger geplante Promotion erst mit einem Masterabschluss in Angriff nehmen konnte. Die HHN half nicht nur bei diesem Ziel, sondern auch beim Aufbau von Kontakten: Die iLAN-Projektverantwortliche bei Elvis, Andrea Neumann, etwa ist seine frühere Kommilitonin dort.

Was die nächtlichen Fahrten bei Elvis angeht, kam Apfelstädt zumindest nicht aus der Übung. Als deutlich abwechslungsreicher in Erinnerung sind ihm aber die Fahrten für die frühere ­Spedition MW Trans in Altlußheim bei ­Speyer. "Ich war zwei Jahre im ­Spanienverkehr tätig und hatte eine wirklich tolle Zeit", erzählt der Doktorand. "Gleich meine ­erste Tour hat mich nach Barcelona geführt", berichtet er. "Im Sommer ging es teilweise von Südspanien direkt nach Norwegen, da war ich dann richtig in meinem Element."

Dass er mehrere Wochen am Stück auf Tour gewesen war, machte ihm nichts aus. Man hatte als Fahrer damals noch etwas größere Freiheiten, sodass der junge Fernfahrer die Wochenenden häufig in Spanien verbringen konnte – und die Chance für einen Abstecher an den Strand nutzte. Abseits von der Trucker-Romantik erwarteten Apfelstädt auch weniger schöne Abenteuer: "Man lernt, wie man reagiert, wenn einem nachts im Sturm die Reifen wegfliegen oder  wenn Diebe in das Fahrerhaus eindringen wollen." Hängen geblieben ist aus dieser Zeit vor allem eines: "Ich habe gelernt, wie ich mir alleine helfen und Lösungen finden kann – das hilft mir auch heute in manch einer Situation, einen kühlen Kopf zu bewahren."

Die vielen internationalen Fahrten sind der Grund dafür, dass Andy Apfelstädt heute viele Regionen kennt. "Meiner Freundin fehlen da noch mehr Städte auf der Landkarte." Trotzdem wird man sich bei Reiseplanungen ­einig: Zweimal war das Paar schon in New York. Und aktuell stand ein Urlaub in Kroatien an.

Wissenschaftler mit Faible fürs Fahren

Beide können nun auch wieder mehr Zeit miteinander verbringen, da auch Apfelstädts Freundin eine attraktive Arbeitsstelle in Erfurt gefunden hat und beide zu Jahresbeginn dorthin umgezogen sind. Wie lange er dort wohnen möchte, kann er aber nicht prognostizieren. Der Wissenschaftler mit dem Faible fürs Fahren war einfach schon zu viel unterwegs und ist daher nicht auf einen Ort festgelegt.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Andy Apfelstädt, Agentur Sputnik

Datum

28. August 2015
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