Andreas Bunz, Geschäftsführer LGI Zoom

Andreas Bunz im Gespräch: Kontrolliertes Wachstum ist das Ziel

Nach der Abspaltung von der Großspedition Willi Betz gehört derLogistiker LGI aus Böblingen zwei Hauptinvestoren. Das ist laut Geschäftsführer Dr. Andreas Bunz eine Chance auf Wachstum. Im Interview erklärt er, warum die Stabilisierung das Gebot der Stunde ist und nicht Zuwachs um jeden Preis.

Das Logistikunternehmen LGI Logistics Group International mit Hauptsitz in Böblingen bei Stuttgart hat eine Geschichte mit mehreren Wandlungen hinter sich. Geschäftsführer Andreas Bunz erklärt im Gespräch mit trans aktuell-Redakteur Carsten Nallinger, warum die Abspaltung von der Spedition Willi Betz dem Kontraktlogistiker weitere Wachstumsimpulse gegeben hat. So hat LGI mittlerweile mehr als 250 eigene Lkw und rund 350 Auflieger, die ursprünglich größtenteils zum Betz-Fuhrpark gehörten und nun Schritt für Schritt mit dem LGI-Logo versehen werden.

trans aktuell: Herr Dr. Bunz, Willi Betz hat die LGI zum Jahreswechsel verkauft. Wie kam es dazu und was bedeutet das fürs Unternehmen?

Dr. Bunz: LGI war auch zu der Zeit, als wir zur Willi Betz-Gruppe gehörten, weitgehend selbstständig aufgestellt, so etwa bei den Zentralfunktionen wie Personal und Finanzen. In der Zeit unserer Zugehörigkeit zur Unternehmensgruppe hat sich zudem unser eigenes Geschäft zunehmend verändert. Ende 2011 waren wir zwar eine Willi Betz-Tochter – doch die inhaltlichen Überschneidungen zu anderen Geschäftsbereichen waren sehr überschaubar.

Also faktisch eine Finanzbeteiligung. Warum dann der Verkauf?

Die Krise in der Jahren 2008 und 2009 zog auch bei Willi Betz einige Veränderungen nach sich. Unrentable Aktivitäten insbesondere in Mitteleuropa wurden eingestellt, neues Geschäft in Osteuropa und Asien wurde akquiriert. In diesem Zusammenhang entschied die Unternehmensführung, sich auf die klassischen Kernkompetenzen von Willi Betz zu fokussieren: den Transport. Die beiden Investoren Kajo Neukirchen und M Cap Finance haben dann durch den Kauf dafür gesorgt, dass die LGI nun auch rechtlich völlig selbstständig auftreten kann.

Ein schwieriger Schritt? Finanzinvestoren haben nicht gerade den besten Ruf…

Zunächst einmal handelt es sich bei Kajo Neukirchen nicht um einen Finanzinvestor, sondern um ein sogenanntes Family Office, das mit seinen Engagements langfristige Interessen verfolgt. Die Firma M Cap hat sich auf die Finanzierung des Mittelstandes konzentriert. Dabei ist der gesamte Deal übrigens nur über Eigenkapital finanziert.

In der Vergangenheit war bei der LGI eher der Wandel das einzig Stetige …  

Das stimmt nur bedingt. Schließlich reden wir über einen längeren Zeitraum. Ich bin Ende der 80er beim Computerhersteller Hewlett-Packard als Prozessingenieur eingestiegen. Als dann die Tintenstrahldrucker auf den Markt kamen, war man dabei, die Logistik zu überdenken und gestaltete die Logistik neu. Im Jahr 1995 holte HP im Zuge einer Outsourcing-Strategie am Standort Böblingen dann Willi Betz mit an Bord. Zusammen gründeten die beiden Unternehmen das Joint Venture LGI. Bereits ein Jahr später startete die eher auf HP spezialisierte LGI auch im Automobilsektor – mittlerweile einer unserer bedeutendsten Dienstleistungsbereiche. Parallel eröffneten wir unseren dritten Standort.

Wobei sich HP aus der Partnerschaft zurückzog …

Ja, aber das war erst im Jahr 1999. Danach gehörten wir zu 100 Prozent zur Willi Betz-Gruppe. Doch an dem eigenständigen Auftritt änderte sich nichts. Im Gegenteil, in den Folgejahren wurden sämtliche Kontraktlogistikaktivitäten im Willi Betz-Konzern in der LGI konzentriert.

Wie hat sich die LGI im Laufe der Zeit entwickelt?

Angefangen haben wir mit rund 160 Mitarbeitern in Böblingen. Mittlerweile beschäftigt LGI an mehr als 30 Standorten in Europa rund 2.300 Menschen – etwa 1.800 davon in Deutschland. Das industrielle Outsourcing hat sich zu dieser Zeit etabliert und die LGI hat durch ihre eigene Erfahrung stark davon profitiert. Daher ist die LGI auch jährlich deutlich gewachsen, fast immer zweistellig. Neben dem organischen Wachstum haben wir bei den hohen Zuwachsraten auch von Firmenübernahmen profitiert, so etwa die des Kontraktlogistikers P & H im Jahr 2003.

Gab es noch weitere Zukäufe oder auch Neugründungen?

Bereits ein Jahr zuvor, also 2002, gründeten wir unser Tochterunternehmen Tech-Protect als Spezialist für Rücknahmeprogramme. Etwa zur gleichen Zeit starteten wir auch unseren Bereich Health Care Business, der sich auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert hat. Ein Jahr später kam unsere hauseigene Zeitarbeitsfirma Log-Works hinzu. 2006 beteiligte sich LGI schließlich noch an dem Logistiksoftware-Unternehmen Helix IT.

Zurück zu den Ergebnissen – planen Sie weiterhin so stark zu wachsen?

Nach den großen Wachstumssprüngen in den letzten Jahren haben wir dieses Jahr unser Augenmerk eher auf die Stabilisierung gelegt. Zum einen wollen wir uns hierdurch gegen mögliche Konjunktureinbrüche wappnen, zum anderen die Grundlage für die nächste Wachstumsphase auch mithilfe neuer Lösungen legen. Im Jahr 2011 hatten wir einen Umsatz von mehr als 260 Millionen Euro. Bislang sieht es danach aus, als ob wir auch im laufenden Jahr weiter zulegen – allerdings in moderaterem Umfang. Stand heute haben wir jedenfalls alle unsere Geschäftsziele erreicht. Sollte – etwa durch die Eurokrise bedingt – nichts Unerwartetes dazwischen kommen, blicke ich auch weiterhin optimistisch in die Zukunft. Die Zeichen eines konjunkturellen Dämpfers sind allerdings nicht zu übersehen, die Unsicherheit in den Märkten hat deutlich zugenommen. Doch sollten wir vorsichtig sein, nur noch in pessimistischen Szenarien zu denken – da ist niemandem geholfen.

Schlecht sieht es aber im Bereich Fachkräfte aus. Welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht?

Wir bilden schon seit Jahren aus. Dabei setzen wir sowohl auf die klassische Lehre, als auch auf das Duale Hochschulstudium. Zudem haben wir ein eigenes Logistik-Lernzentrum und sind damit für mehrere Arbeitsagenturen und Jobcenter als Qualifizierungspartner tätig. Zusätzlich werden auch Weiterbildungsmaßnahmen mit IHK-Abschluss angeboten. Darüber hinaus gehört zur LGI-Gruppe ebenso eine Zeitarbeitsfirma, die ihr Logistikpersonal nicht nur intern, sondern auch Drittfirmen zur Verfügung stellt.

Wie sieht es in Sachen Fahrer aus? Falls Sie überhaupt eigene Lkw haben…

LGI verfügt über 250 Zugmaschinen und fast 300 eigene Fahrer. Diese Lkw haben wir größtenteils von Willi Betz übernommen. Die ersten Fahrzeuge mit LGI-Logo fahren bereits. Bislang haben wir zum Glück nur punktuell Probleme, geeignete Fahrer zu finden.

Dann stünde einem weiteren Wachstum also nichts im Weg?

Außer den genannten unsicheren Rahmenbedingungen nicht. Zudem investieren wir weiter in den Ausbau weiterer Standorte. Erst im Juli haben wir eine 28.600 Quadratmeter große Logistikhalle in Böblingen eröffnet. Dort arbeiten bis zu 100 Leute im Zwei-Schicht-Betrieb für mehrere Kunden aus dem Automobilsektor. Einen Teil haben wir auch an die Gemeinnützigen  Werkstätten und Wohnstätten, kurz GWW, untervermietet. Hier arbeiten Menschen mit Behinderungen, die sich aber dennoch den hochgesteckten Vorgaben der Automobilindustrie stellen – und das funktioniert offensichtlich sehr erfolgreich. Durch die Partnerschaft mit der GWW eröffnen sich nicht nur Geschäftschancen für beide Firmen, sondern es entstehen auch handfeste Prozessvorteile, die zudem helfen, unnötige Transporte zu vermeiden.

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Datum

6. September 2012
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