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Alternative Kraftstoffe: Wirksamere Werkzeuge sind gefragt

Die Nutzung von Biosprit zur Eindämmung von CO2-Emissionen ist auf lange Sicht zu teuer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der EU-Kommission.

Die EU-Kommission lässt kein gutes Haar am Biodiesel. Erneut hat sie einen kritischen Bericht über die Nutzung von Biotreibstoffen vorgelegt. Nach der Studie "EU Transport Greenhouse Gases: Routes to 2050" (etwa: Treibhausgase im EU-Verkehrswesen: Wege bis 2050) wird davon ausgegangen, dass zur Vermeidung von Emissionen mithilfe von Biotreibstoffen in Höhe von einer Tonne Kohlendioxid (CO2) zwischen 100 und 300 Euro aufgewandt werden müssen. Bei derzeitigen Marktpreisen wäre dies bis zu 49 Mal mehr als der Kauf von CO2-Zertifikaten auf dem freien Markt, die bei knapp über sechs Euro je Tonne liegen.

Die indirekten Auswirkungen des Biotreibstoffes sind noch nicht mitgerechnet

Dabei seien die indirekten Auswirkungen des Biotreibstoffes, etwa durch das Abholzen von Wäldern und der ausgeweiteten Landnutzung durch Nahrungsmittelanbau noch nicht mitgerechnet, hieß es. In einer anderen Studie ist zu lesen, dass Biotreibstoffe durch solche Maßnahmen gar zum höheren CO2-Ausstoß beitragen.

"Die Wahrheit ist, dass die politisch Verantwortlichen Biotreibstoffe aus anderen Gründen fördern als dem Umweltschutz", zitiert das Nachrichtenportal Eur-Activ den Agrarwissenschaftler David Laborde. "Das ist nur ein neuer und einfacher Weg, den Landwirten Subventionen zukommen zu lassen und hat außerdem etwas mit der Industrielobby zu tun, die diese Biotreibstoffe produziert – unter dem Deckmantel der Energiesicherheit." Dies sei weder wirkungsvoll noch grün, so Laborde.

Die Autoren der Studie geben allerdings auch zu, dass sie nicht genau vergleichen können, wie sich politische Entscheidungen auf die Kosten für Maßnahmen zur Vermeidung von CO2-Emissionen auswirken. Dafür gebe es kein ausreichendes Datenmaterial. Sie stellen aber fest, dass bei Pkw bis 2020 durch technische Eingriffe relativ einfach niedrigere Vermeidungskosten für einen deutlichen CO2-Rückgang erreicht werden können. Dabei stellt sich sogar heraus, dass mit Diesel betriebene Fahrzeuge günstiger sind als Benziner. Dies lasse sich mit der höheren Lebensdauer von Dieselfahrzeugen erklären.

Niedriger Spritverbrauch durch Aerodynamik und verbesserten Rollwiderstand

Auch bei Lkw sei durch technische Maßnahmen einiges zu erreichen, besonders wenn es um die effiziente Treibstoffnutzung, also niedrigeren Verbrauch gehe. So könnten die Aerodynamik und der Rollwiderstand verbessert werden. Bei Dieselmotoren sollten die Stickoxid-Emissionen weiter gesenkt werden. Immerhin sei der Verkehr in der EU verantwortlich für ein Viertel der Treibhausgas-Emissionen, der Straßentransport trage dazu mit rund zwei Dritteln bei. Während diese Emissionen in anderen Industriezweigen gesenkt würden, nämlich um 24 Prozent zwischen 1990 und 2009, hätten sie in derselben Zeit beim Transportverkehr um 29 Prozent zugenommen.

Immer wieder ist von Seiten der EU-Kommission zu hören, dass eine Senkung der Emissionen über Biotreibstoffe kaum die Lösung sein könne. So heißt es, die Treibhausgas-Emissionen von Biotreibstoffen wie Palmöl, Sojabohnen oder Raps seien sogar höher als die aus herkömmlichen Treibstoffen. Dies gelte vor allem dann, wenn man weitere Faktoren hinzurechne. Dazu gehören vor allem die "indirekten Landnutzungsänderungen" (Indirect Land Use Change/Iluc). Dabei geht es um die Folgen, die durch den Anbau solcher Pflanzen unmittelbar auftreten können. So würden etwa Flächen genutzt, die bislang zum Nahrungsmittelanbau dienen. Seien sie erst einmal verdrängt, müssten weitere Flächen gerodet werden. Die Kommission will nun zu den indirekten Folgen der Produktion von Biotreibstoffen noch in diesem Jahr einen Bericht vorlegen.

Begrenzte Verfügbarkeit fossiler Energieträger

Dagegen sieht der Verband der Deutschen Biokraftstoff-Industrie Biodiesel und Bioethanol als die einzige Alternative zu fossilen Kraftstoffen – auch angesichts der hohen Treibstoffkosten derzeit. Die Wurzel des Problems sei die begrenzte Verfügbarkeit fossiler Energieträger und der begrenzte Wettbewerb im Kraftstoffmarkt, wird Geschäftsführer Elmar Baumann zitiert. "Um die Probleme im Kraftstoffsektor anzugehen, ist es notwendig, Alternativen zu fossilem Benzin und Diesel einen besseren Marktzugang zu ermöglichen". Biodiesel und Bioethanol könnten den Wettbewerb im Kraftstoffmarkt beleben.

Autor

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Karl-Heinz Augustin

Datum

18. Mai 2012
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