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Foto: Toyota

Alternative Antriebe

Toyota stellt Lkw mit Brennstoffzellen vor

Mit Toyota hat nun ein großer Automobil-Serienproduzent einen Lkw mit Brennstoffzellen-Antrieb vorgestellt. Die Lkw-Basis stammt von Kenworth, die Zelle aus dem Mirai.

Der japanische Automobilhersteller Toyota will den Antrieb schwerer Lkw revolutionieren. Das Konzeptfahrzeug für diese ambitionierten Pläne steht bereits. Dabei handelt es sich um einen Kenworth Glider, dem die Toyota-Ingenieure zwei Brennstoffzellen-Einheiten eingepflanzt haben, von denen je eine bereits in der in Serienherstellung befindlichen Limousine Toyota Mirai zum Einsatz kommt. Die wasserstoffbasierte Brennstoffzellentechnologie habe enormes Potenzial, der Antrieb der Zukunft zu werden, erklärte Bob Carter, Executive Vice President von Toyota Motor North America, anlässlich der Vorstellung des "Project Portal". Unter diesem Namen läuft die Erprobung des Konzept-Lkw in Zusammenarbeit mit der Umweltbehörde California Air Resources Board (CARB) und der Energiebehörde California Energy Commission (CEC) im Hafen von Los Angeles.

"Von der Entwicklung des weltweit ersten in Serie produzierten Brennstoffzellen-Autos bis hin zu der Einführung von Brennstoffzellenbussen in Japan: Toyota ist Vorreiter bei der Ausweitung dieser vielseitigen, skalierbaren und emissionsfreien Technologie. Wir sind stolz dabei zu helfen, ihre Vorzüge nun auch auf schwere Lkw auszuweiten."

Kleine Batterie bietet Vorteile

In Sachen Antriebsleistung kann der lokal emissionsfreie Truck mit Diesel-Lkw durchaus mithalten: Mit 670 PS und knapp 1.800 Newtonmeter maximalem Drehmoment ist der Versuchsträger, der schon im Sommer zu ersten Testfahrten starten soll, zwar deutlich schwachbrüstiger als der Nikola One mit 1.000 PS und 2.700 Nm an Drehmoment (siehe lastauto omnibus 3/2017). Dennoch dürfte die Leistung ausreichen, um den Lkw mit dem US-typischen Zuggesamtgewicht von 36 Tonnen auf Touren zu bringen. Auch die verwendete Batterie fällt mit einer Kapazität von zwölf Kilowattstunden (kWh) vergleichsweise kompakt aus. Die Reichweite beträgt laut Hersteller nur rund 320 Kilometer. Damit ist der Brennstoffzellen-Lkw aber genügend auf den Umschlagbetrieb am Hafen vorbereitet.

Die kleine Batterie bietet nämlich durchaus Vorteile. So spart sie Gewicht, Kosten und ermöglicht eine kurze Zeit am Ladegerät. Die Befüllung der vier unter 700 bar Druck stehenden Wasserstofftanks hinter dem Fahrerhaus dauert etwa 20 Minuten. Getankt wird im nahe gelegenen Produktionswerk in Long Beach, wo derzeit eine Wasserstoff-Tankstelle fertiggestellt wird. Da Toyota die längste täglich zurückgelegte Strecke mit 120 Meilen (knapp 200 Kilometern) angibt, stellt die Reichweite des Versuchsträgers kein Problem dar. CARB-Behördenleiterin Mary Nichols ist von der geplanten Erprobung des Brennstoffzellen-Trucks angetan: "Wie schon beim Prius und Mirai macht Toyota einen Sprung in die Zukunft der Technologie. Mit dem Einsatz dieses emissionsfreien Brennstoffzellen-Lkw-Konzepts am Hafen setzt Toyota ein Zeichen, dem hoffentlich viele folgen werden. CARB verfolgt den Fortschritt dieser Machbarkeitsstudie mit großem Interesse, um die beste Mischung aus Regularien und Anreizen zu schaffen und den Markt so zu sauberen und effizienten schweren Lkw zu bewegen."

Wasserstoff-Lkw soll vorerst nicht nach Europa kommen

Toyota arbeitet in den Vereinigten Staaten mit Hochdruck an der Zukunft der Brennstoffzellentechnologie – der japanische Autobauer weitet das Wasserstoff-Tankstellennetz im US-Bundesstaat Kalifornien in Kooperation mit Shell sukzessive aus. Obwohl die Lkw der Toyota-Tochter Hino in den USA zu haben sind, fiel die Wahl indes auf den Kenny, da Hino keine schweren Class-8-Trucks baut. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Zuletzt kündigte Tesla einen rein elektrisch angetriebenen Truck an, ohne aber Details zu verraten. Schon vor einigen Wochen präsentierte Nikola die ebenfalls von einer Brennstoffzelle betriebenen Nikola One und Two.

Sie sind mit einer 320 kWh starken Batterie ausgestattet und kommen auf eine Reichweite von 2.000 Kilometern. Der Hersteller will ab 2018 sein eigenes Tankstellennetz in Nordamerika aufbauen. Sogar ein Leasing-Konzept für die Trucks steht schon. Bei einer Laufzeit von sechs Jahren will Nikola gegen eine monatliche Zahlung von 5.000 Dollar sämtliche Kosten für den Wasserstoff und die Wartung der Trucks übernehmen. Wichtige Aspekte, auf die Toyota auch auf Nachfrage der Redaktion noch keine Antworten gibt. Dafür weist das Unternehmen Serien-Erfahrungen mit der Brennstoffzelle im Pkw und im Stadtbus auf und kennt die Bedeutung eines Servicenetzwerks. Aber nach Europa soll der Wasserstoff-Lkw vorerst nicht kommen.

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Datum

14. Mai 2017
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