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Telematik ohne Touch-Display: Alltagstauglichkeit der Telematik

Bei der mittelständischen Spedition Horst Pöppel steht die Alltagstauglichkeit der Telematik im Vordergrund. Auf ein Touch-Display verzichten die Regensburger daher.

Buchstäblich die Qual der Wahl hatten die Verantwortlichen bei der Spedition Horst Pöppel, als es 2007 galt, sich für eine Telematik-Lösung zu entscheiden. »Streng genommen gibt es nämlich kein System, das von Grund auf 100-prozentig zu einem Unternehmen passt«, sagt Prokurist Herbert Rückerl. In einem ersten Schritt gab es daher eine Art Bestandsaufnahme: Was macht das Unternehmen und in welchen Bereichen sollte sich die Lösung besonders hervortun? »Unser Hauptaugenmerk lag auf der Dispositions-Software«, erklärt Rückerl. Wobei hier zum einen die Lösung an sich – aber eben auch die Zukunftssicherheit ausschlaggebend war. Das Kommen und Gehen von Anbietern in der Telematik habe die Wahl nicht einfacher gemacht. »Nach eingehender Prüfung haben wir uns daher für Winsped von LIS entschieden«, sagt Rückerl. Ein Grund waren unter anderem die unterschiedlichen Kundenstrukturen, die sich auf dem System abbilden lassen. Ob Teil- oder Komplettladungsverkehre, Systemverkehre oder Gefahrguttransporte – jeder Unternehmensbereich der Spedition Horst Pöppel findet sich bei Winsped wieder. Im Hintergrund läuft zudem ein Faktura-Programm zum Abrechnen der erbrachten Leistungen. Dieses umfasst alle Bereiche und auch Niederlassungen, inklusive der dortigen Sprachen wie Polnisch und Tschechisch. »Das wiederum können zumindest theoretisch beinahe alle auf dem Markt befindlichen Systeme. Die Unterschiede sind da eher fein, aber dennoch vorhanden«, ist sich der Prokurist sicher, der maßgeblich an der Einführung der Telematik beteiligt war.

Der Blick auf die Software von Winsped verdeutlicht die Vorteile für die Disponenten: Es lassen sich sowohl die Abmessungen einer Sendung, das Gewicht und die Art der Palette erfassen. Im Gegenzug weiß das System auch, welcher Trailer wie viel Zuladung und wie viele Standplätze hat. Folglich »meckert« das System auch bei einer Überladung – ein entsprechender Warnhinweis erscheint. »Natürlich gibt es aber auch Sendungen, die sich bei entsprechender Ladungssicherung stapeln lassen«, gibt Rückerl zu bedenken. Daher ist es dem Disponenten bei entsprechender Bestätigung möglich, einen Warnhinweis außer Kraft zu setzen. Schließlich gebe es Erfahrungswerte, die sich mit keinem System der Welt abbilden lassen. Eine entsprechende Flexibilität des Programms sei daher unabdingbar.
Trotzdem: Die Dispositions-Software sei für den Sachbearbeiter eine enorme Arbeitserleichterung. Dazu mussten allerdings erst einmal die Stammdaten sämtlicher Fahrzeuge eingegeben werden. Der Disponent verknüpft Sendung, Zugmaschine, Auflieger und Fahrer zu einer Tour. Damit ist dann jede Sendungseinheit vom Be- bis zum Entladen protokolliert. Quasi auf Knopfdruck sind für den Disponenten der Fahrer, die Kostendeckung und die zugehörige Rechnung einsehbar.  »Das alles war vorher wesentlich komplizierter«, räumt Rückerl ein. Ab einer bestimmten Größe sei es schlicht unmöglich, ohne technische Hilfe noch effizient zu planen. So schlägt das System ebenfalls auf Knopfdruck mögliche Relationen vor. Aber auch an dieser Stelle hat der Disponent das letzte Wort. Zudem kann er sich die Oberfläche nach seinen eigenen Bedürfnissen einrichten. »Wichtig für uns war und ist, dass das System nicht auf einem Status quo verharrt, sondern sich beständig weiterentwickelt«, erklärt Projektleiter Bernd Galli. Eben dies sei bei Winsped von LIS gegeben. Beim Bordcomputer setzen die Regensburger auf ein Produkt aus dem Hause Transics – ein Hersteller, der vor allem in den Benelux-Staaten vertreten und in der Transportbranche verhaftet ist. Für den Transics Quattro hat LIS eine entsprechende Schnittstelle geschaffen, die das Gerät in Winsped integriert.

»Das wiederum gibt uns Sicherheit. Gerade im Bereich der Lenk- und Ruhezeiten – vor allem aber auch bei der Abfahrtskontrolle unterliegen die Unternehmen einer strikten Nachweispflicht. Wenn man dieser nicht nachkommt, kann das teuer werden«, sagt ­Rückerl. Auf ein Touch-Display verzichtet er dankend. Zwar gebe es entsprechende Schutzfolien – aber da die Fahrer zwangsläufig schmutzige Hände bekommen, könne man diese dann alle paar Monate austauschen – mit entsprechendem finanziellen Aufwand.
Auf der Habenseite gibt es die Daten zum Dieselverbrauch oder zur Arbeitszeit obendrauf. »Den Verbrauch allerdings nicht in Echtzeit. Der Anschluss an den CAN-Bus könnte zwar sofort realisiert werden. Das macht bei uns aber wenig Sinn, sodass wir uns diese Kosten sparen«, ergänzt er. Der Dieselverbrauch sei trotzdem um rund zehn Prozent nach unten gegangen. Schließlich könne das Controlling auch rückwirkend eingreifen. Wer nun aber meint, allein mit technischer Hilfe Ordnung in seinen Betrieb zu bekommen, für den sieht Herbert Rückerl wenig Hoffnung: »Wer seinen Laden nicht im Griff hat, der schafft das auch mit Hilfe der Telematik nicht. Für alle anderen stellt sie aber eine unschätzbare Hilfe dar.« Darauf verzichten möchte bei Horst Pöppel jedenfalls niemand mehr. Und die anfängliche Qual bei der Entscheidungsfindung ist längst der Begeisterung für die umfangreichen Möglichkeiten der Telematik gewichen.

Das Unternehmen
Als reines Transportunternehmen hat sich die Spedition Horst Pöppel noch nie verstanden. Bereits bei der Unternehmensgründung mit nur einem Lkw waren logistische Dienstleistungen angedacht. Mittlerweile hat das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Regensburg hat, 650 Mitarbeiter und verfügt über ein breites Leistungsspektrum. Dieses reicht von der Lagerlogistik über europäische Landverkehre bis zur Reparaturwerkstatt. Ob Lebensmittel, Stahl, Mineralöl oder Chemikalien – die Spedition hat sich in gleich mehreren Bereichen etabliert.

Der Anbieter
LIS Logistische Informationssysteme ist seit fast 30 Jahren am Markt. Mit der Winsped-Produktfamilie hat der Telematikanbieter aus Greven im Münsterland eine ausgereifte Transport Management-Software im Angebot. Mehr als 60 Mitarbeiter mit den unterschiedlichsten Qualifikationen im Logistikumfeld sind mit der ständigen Weiterentwicklung der Lösungen beschäftigt. Weitere Niederlassungen hat das Unternehmen in Hamburg, Mühlacker, Memmingen, im niederländischen Oldenzaal und im polnischen Warschau.

Portraits

Autor

Datum

14. März 2011
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Fred Dremel, Experte für Sozialvorschriften für das Fahrpersonal im Strassenverkehr, Arbeitszeitrecht , Kontrollgeräte Fred Dremel Sozialvorschriften
Von 1980 bis 2013 Betriebsprüfer Arbeitsschutz in Aachen auf dem Gebiet Sozialvorschriften für… Profil anzeigen Frage stellen
Prof. Dr.-Ing. Heinz-Leo Dudek, Experte für Telematik Heinz-Leo Dudek Telematik
Prof. Dr. Dudek ist Studiengangsleiter für das Wirtschaftsingenieurwesen an der DHBW Ravensburg… Profil anzeigen Frage stellen
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