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Aesculap: Aus der Produktion auf den OP-Tisch

Die Firma Aesculap aus Tuttlingen hat ihre Abläufe konsequent auf die Wünsche ihrer Kunden ausgerichtet. Vom Zentrallager gehen die Produkte jetzt in alle Welt.

Bernd Hermle hat seinen Job bei Aesculap von der Pike auf gelernt. Nach seinem Studium erhielt er dort ­tiefe Einblicke in die Materie der Health Care-Produkte und ihrer Distribution, wie er bei einem Logistikkongress vor Kurzem berichtete. Als Logistikleiter des Medizinprodukte-Spezialisten Aesculap und Chef des Zentrallagers in Tuttlingen verantwortet Hermle den Versand von 20.000 hochwertigen, meist kleinen Artikeln im Gesamtwert von rund 60 Millionen Euro. Sie warten an 13.000 Positionen auf ihre Kommissionierung.

Täglich verlassen 3.000 Lieferungen das Lager. Den Transport übernehmen mangels eigenem Fuhrpark externe Dienstleister. Ihr Ziel sind Krankenhäuser und Fachhändler weltweit. Bis 17 Uhr bestellt, ist das Produkt garantiert am nächsten Morgen da.
Medizinische Produkte sind heikel. "Das ist ein kritischer Markt", sagt Hermle. Nicht auszudenken, wenn beispielsweise ein zu großes Hüftgelenk angeliefert und im OP eingesetzt würde. Die Qualität der Prozesse ist zentral.

Im Jahr 2006 stand Aescu­lap vor der Aufgabe, die Intra­logistik fit für die Zukunft zu machen. Das Lager im historischen Herzen von Tuttlingen passte nicht mehr zu den Wachstumszielen des Unternehmens. Mit externer Hilfe wurde ein Logistiksystem implementiert, das mittels modernster Technologie mehr Effizienz und Reserven für weitere Kapazitätssteigerungen schaffen sollte. Im August 2008 war man damit fertig.
Aus Tuttlingen direkt zum Endkunden in der ganzen Welt hieß das Ziel. "Tausende von Einschränkungen müssen peu á peu bearbeitet werden", sagt Hermle. In jedem Land gelten andere Lieferbestimmungen. Doch das schreckte das Unternehmen nicht ab. Zu groß ist der Kosten- und Qualitätsvorteil durch die zentrale Bündelung aller Warenflüsse. Einer Reklamationsquote unter 0,1 Prozent stehen maximale Distributionskosten von 3,5 Prozent am Umsatz gegenüber.


Im Lager sorgt eine Teil­automatisierung für mehr Dynamik bei niedrigen Kosten. Auf Kundenwunsch werden Produktetiketten in der jewei­ligen Landessprache gedruckt, die Vorlage bearbeitet die Niederlassung vor Ort, der Druck erfolgt zentral in Tuttlingen.
Damit die Ware innerhalb eines bestimmten Zeitfensters den Kunden erreicht, wurde im Lager ein Pick-to-Light-System installiert zur schnelleren Kommissionierung der Güter. Damit die Kunden schnell an die Ware kommen, hat Aesculap etwa vor dem OP eines Krankenhauses einen Auslieferungssafe errichtet: Der Kurierfahrer legt das Paket dort abends ab, die Schwester entnimmt es morgens vor der OP.

Das Unternehmen bietet auch Instrumente- und Implantate-Sets zur Probe an, die kommissioniert, ausgeliefert, zurückgenommen, geprüft, gereinigt, neu bestückt und neu verpackt werden müssen. Keine einfachen Prozesse. Doch darin steckt die Herausforderung für den Logistikchef: "Aufgabe der Logistik ist es, Komplexität zu nachvollziehbaren Preisen zu beherrschen."

 

Die Intralogistik

Das Zentrallager bündelt Waren aus allen Produktionsstätten und versendet diese weltweit. Damit werden Risiko und Planung von Beständen sowie neue Produkte zentral gesteuert. Es verfügt über 13.000 Kommissionierpositionen und 20.000 Produkte mit starker ABC-Verteilung. Organisiert ist das Lager teilautomatisiert mit Prozessen vom manuellen Kommissionieren bis zu Pick-to-Light, einem Navigationssystem im Palettenlager, Scannern und Bildschirminfos. Die Fehlerquote liegt laut Aesculap unter 0,1 Prozent. Für besseren Kundenservice werden viele Aufträge zu einer Kundenlieferung zusammengeführt. Als Value Added Service bietet Aesculap die Laserbeschriftung von Containern und Instrumenten nach Kundenwunsch sowie länderspezifisches Produkt-Labelling an. Zu den Neuprodukten gehören 3.800 OP-Leihsets mit Instrumenten und Implantaten.

Das Unternehmen

Der Systemanbieter im Bereich Chirurgie ist mit mehr als 3.200 Mitarbeitern das größte Unternehmen in Tuttlingen. 2012 betrug der Umsatz mehr als 1,44 Milliarden Euro mit einem Zuwachs von 6,4 Prozent. Aesculap ist Teil des Medizinprodukte-Spezialisten B. Braun Melsungen. Das Aesculap-Produktspektrum reicht von chirurgischen Instrumenten über Implantate, sterile Container, Geräte und Navigationssysteme bis hin zu Produkten für die Kardiologie.

Portrait

Autor

Foto

Jörg Lanthelmé

Datum

10. Dezember 2013
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