Mercedes Actros Küchler Supertruck 16 Bilder Zoom
Foto: Felix Jacoby

Actros 2551 Spezialfahrzeug

Der Glasexpress

Ein raffiniert gebautes Spezialfahrzeug ist der Actros von Jörg Küchler, und sehr schön ist der Lastzug noch dazu.

Was tut ein Traditionsunternehmen aus dem Erzgebirge mit über neunzigjähriger Geschichte gegen die massenhafte Billigkonkurrenz im Straßentransport? Die Antwort von Küchler Transporte aus Sehmatal sieht folgendermaßen aus: eine kleine, aber feine Flotte, die mit technischen Zusatzgeräten wie Ladebordwänden oder Mitnahmestaplern besondere Kundenwünsche erfüllen kann. Auch kleinere Atego mit Fernverkehrskabine und Sprinter bieten maßgeschneiderte Dienstleistungen. Das technisch raffinierteste Fahrzeug ist der Actros 2551 MP3 von Jörg Küchler, ein dreiachsiger Motorwagen mit einem massiven Heckladekran. Der Fassi 210 hebt neben seiner Hochachse bis zu 3,5 Tonnen, bei 14 Meter Auslage sind es immer noch 500 Kilogramm. Damit ist das Fahrzeug besonders auf den Transport von Glasgestellen spezialisiert, aber auch Marmorplatten auf Böcken, Heizkessel oder kleine Traktoren lassen sich damit geschickt bewegen. Patentierte Konstruktion für die Ladungssicherung Um die Glasgestelle fix sichern zu können, sind die Ladeflächenböden von Leisten durchzogen, auf denen sich Halteelemente festschrauben lassen – auch für andere Ladungen sehr wirkungsvoll. Aber das war den Küchlers, neben Jörg noch Vater Eckehard, Bruder Thomas und Tante Annett Schmukal, noch nicht speziell genug. Um die schnelle Zugänglichkeit des Planenaufbaus auf dem Motorwagen zu ermöglichen, kam eine patentierte Konstruktion des französischen Herstellers Libner zum Einsatz. Die sichert die Ladung zur Seite mit vertikalen Streben, die sich mit dem Öffnen der Schiebeplane zusammenfalten. Damit entfällt der lästige Umgang mit horizontalen Steckbrettern. Aber noch besser ist die Tatsache, dass sich das gesamte Planengestell wahlweise von vorne oder hinten zusammenschieben lässt. Dazu kommt, dass es nur auf der linken Seite einen Dachträger von vorne nach hinten gibt, rechts ist der Luftraum komplett offen, was die Kranarbeit kolossal erleichtert und beschleunigt. Der Mercedes MP3 ist mit Baujahr Mai 2013 einer der letzten Vertreter seiner Gattung, in dem es noch den büffelstarken Achtzylinder gab. Dieses Kraftwerk mit seiner niedrigtourigen Kraftentfaltung zu pilotieren und die Gänge mit einem kleinen Joystick am vorderen Ende der rechten Armlehne noch mit Kopfarbeit zu sortieren, macht wirklich Spaß, und so hat die Baureihe bis heute ihre Fans. Erst recht, wenn noch die schöne Singleausstattung mit dem bequemen Sessel rechts hinten und dem breiten Klappbett oben zur Kabinenausstattung zählt. Nach der Überführung aus Wörth stand das Fahrzeug erst einmal länger beim Fahrzeugbauer Rufa in Stollberg. Dort wurde auch der Zweiachsanhänger mit Drehschemel auf die Räder gestellt. Bis dahin war es nun zwar eine höchst funktionale Kombination, aber noch lange kein Supertruck. Doch der damalige Fahrer Sebastian Stein fand mit den Küchlers die richtigen Verbündeten, um dem Lastzug seine einzigartige Erscheinung zu verleihen. Das Familienunternehmen erhielt sich immer die Selbständigkeit Die erzgebirgische Fuhrunternehmerfamilie hat treue, feste Helfer, um ihre Verschönerungsideen ohne utopische Kosten zu verwirklichen. Da gibt es in ihrer Heimat den Airbrusher Dany Rehm, der schöne Lackbilder auf das Blech gebracht hat. Dass er nebenbei gleichfalls den Innenraum so stilvoll veredelt hat, demonstriert seine handwerkliche Bandbreite. Auf den Seiten sind die vergangenen Lastwagen der langen Firmenhistorie verewigt, von den ersten Ifa bis zum Mercedes SK. Selbst während der Planwirtschaft der DDR hat sich das Familienunternehmen immer seine Selbstständigkeit erhalten. Und den IFA mit Michelinmännchen und Wimpelkette gab es Ende der 80er-Jahre wirklich. Vater Küchler hatte sich das Zubehör damals zu atemberaubenden Preisen aus dem Westen mitbringen lassen. Auf der Front des MP3 kann jeder lesen, welch besondere Heimat der Lastwagen hat. Ein weiterer Mann, ohne den der Actros so nicht dastehen würde, ist "Edelstahl"-Jörg, mit Nachnamen Hofmann, der sich hauptberuflich mit dem Bau von hochwertigen Auspuffanlagen beschäftigt und unter anderem ein begnadeter Schweißer ist. Er war für viele Anbauteile tätig. Das vordere Schutzgitter wollte Vater Küchler eigentlich nicht, der Fahrer besorgte es sich gebraucht, und man muss sagen, dass der Lastwagen in seiner charakteristischen Farbgebung damit verdammt gut aussieht. Junior Jörg fuhr damals, als der Kranwagen in Betrieb genommen wurde, noch seinen hochgeschätzten Atego 1224 – auch der supertruckmäßig mit Leder, Edelstahl und Lack zum feinen Arbeitsgerät gepimpt. Doch nachdem der erste Fahrer des Actros MP3, der sogar die Innenausstattung selbst finanziert hatte, aus privaten Gründen seinen Job wechselte, übernahm der Junior schließlich den Lastzug. Da er vor seiner Fahrerkarriere Lkw-Mechaniker bei Mercedes in Annaberg gelernt hat, ist er neben seiner Arbeit hinter dem Lenkrad auch immer reichlich in der eigenen Firmenwerkstatt aktiv. So hat er viel zum heutigen Zustand des Wagens beigetragen.

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Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 09/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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10. August 2017
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