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Actros 1845 Big Space: Lkw im Test - Was der neue Actros so kann

450 PS und Big-Space-Fahrerhaus: Wer demnächst einen neuen Actros bekommt, hat gute Chancen auf genau diese Kombination.

Einen Rekord in der FERNFAHRERHistorie kann der Actros schon vor Fahrtantritt beanspruchen: Noch nie ist vom Produktionsstart bis zum ersten Test so viel Zeit ins Land gegangen. Ende September 2011 rollte in Wörth der erste neue Actros vom Band und Fahrvorstellungen gab es in der Folge einige, doch auf ein offizielles Testfahrzeug wartete die Redaktion lange vergebens. Klar, im Herbst und Winter sind Verbrauchsmessfahrten nicht gern gesehen, doch auch im Frühjahr 2012 herrschte bei Daimler Schweigen im Walde.

Des Rätsels Lösung: Mittlerweile stand auch der neue vorausschauende PPCTempomat vor der Serienreife und der sollte doch bitte schön noch in die aufgestellte Testflotte integriert werden. Mitte Juli war es dann endlich so weit: Ein Actros 1845 mit Big-Space-Fahrerhaus und eben jenem PPCTempomaten trat zum Test an. Vor dem Aufsatteln geht es auf die Waage und die offenbart sogleich, dass der 12,8 Liter große Reihensechszylinder mit Abgasrückführung und aufwendiger Abgasnachbehandlung für Euro 6 einigen Tribut fordert: Ohne Reserverad, mit gerade mal 390 Liter Diesel und 60 Liter Adblue liegt das Leergewicht schon bei über 7,6 Tonnen.

Daran können auch die leichten Alufelgen und die neue optionale Ein-Blatt-Feder an der Vorderachse nichts ändern. Letztere spart gegenüber der serienmäßigen Zwei-Blatt-Feder 21 Kilogramm, mindert aber den Fahrkomfort nicht zu knapp. Zum einen ist die Rückmeldung am Lenkrad deutlich zu spüren, zum anderen schaukelt sich das Fahrerhaus auf welliger Fahrbahn regelrecht auf. Wer partout am Gewicht sparen will, sollte lieber gleich zum neuen 10,7-Liter-Motor greifen, den Mercedes auf der IAA vorstellt.

Allerdings markieren dann 428 PS die Obergrenze. Mit knapp zwei Meter Innenhöhe, ebenem Kabinenboden und steilem Einstieg über vier Stufen tritt das Big Space die Nachfolge des Megaspace an. Allerdings geht es mit dem Giga-Space-Fahrerhaus beim neuen Actros sogar noch eine Nummer größer. Doch mit dem Big Space gibt es keinen Grund zur Klage. Erst recht, wenn man alleine unterwegs ist und die „Solostar“-Einrichtung geordert wurde.

Auch beim Sitz hat Mercedes größeren Spielraum geschaffen

Dann gibt es auf der Beifahrerseite eine gemütliche Couchecke mit jeder Menge Beinfreiheit und einem großen Klapptisch in der Mitte. Das untere Bett ist trotzdem aus einem Stück, fast zwei Meter lang und 73 Zentimeter breit. Wem das nicht reicht, kann sich in die genauso breite, aber zehn Zentimeter längere Koje oben schwingen. Die Kopffreiheit ist dort mit etwas über einem halben Meter aber nicht allzu großzügig bemessen.

Eine weitere Folge der Solostar-Ausstattung: Das Außenstaufach auf der Beifahrerseite ist durch die Sitzecke fast vollständig ausgefüllt. Kommt dann noch eine Standklimaanlage hinzu, reduziert sich das Angebot auf das obere Staufach links: Die Werkslösung ist auf zwei Baugruppen verteilt, mit der Kühleinheit an der Kabinenrückwand und dem Kältespeicher im Werkzeugfach auf der Fahrereite. Mehr Platz hat Mercedes in jedem Fall für den Proviant geschaffen: Der Kühlschrank fasst nun 36 Liter, mit einem kleinen Fach in der Rückwand klettert das Gesamtvolumen auf über 40 Liter.

Ab Werk bietet das sonst nur der DAF XF, wo die Schubladen unter der Liege ähnlich aufgeteilt sind. Déjà-vu-Erlebnisse gibt es auch an anderen Stellen. So sind zum Beispiel die Aschenbecher wie bei Renault als kleine Dosen für die Becherhalter ausgeführt, geschaltet wird am Lenksäulenhebel, die Lenkradverstellung löst wie im Volvo ein Fußpedal aus (was viel praktischer als ein fummeliger Knopf an der Lenksäule ist) und der Verstellbereich selbst reicht an das Gardemaß im Scania heran.

Auch beim Sitz hat Mercedes größeren Spielraum geschaffen: Mit der zweistufigen Längenverstellung geht es nun um bis zu fünf Zentimeter weiter nach hinten. Gegen Aufpreis bietet der Komfortsitz auch eine Massagefunktion, die sich auf Knopfdruck für jeweils zehn Minuten Dauer zuschalten lässt. Dabei erzeugen aufblasbare Luftpolster in der Rückenlehne eine von unten nach oben laufende Welle, deren Intensität nach und nach zunimmt. Das ist wirklich eine feine Sache und ein paar zusätzliche Euro wert. Derart den Rücken gestärkt, ist das Fahren an sich die neue Paradedisziplin des Actros.

Der neue PPC-Tempomat funktioniert perfekt

Die erwähnte Ein-Blatt-Feder, okay, aber sonst: Der Actros zieht enorm spurstabil seine Bahn, die neue Lenkung (alias ZF Servocom) reagiert direkt und das Handling in engen Baustellen, Kreiseln oder auf kurviger Landstraße ist vom Allerfeinsten.

Vor allem unter Last kommt der Sound des 12,8-Liter-Motors deutlich kerniger rüber als beim braven V6, wobei auch die Reserven trotz der „nur“ 450 PS erstaunlich sind: Dank „Top-Torque“- Elektronik stehen im größten Gang 200 Nm Drehmoment zusätzlich zur Verfügung, was die serienmäßige Powershift-Schaltautomatik zu nutzen versteht: Ist absehbar, dass der elfte Gang für die Steigung nicht reicht, lässt der Rechner häufig bis runter auf 900 Touren im zwölften Gang ziehen, um dann gleich in den zehnten zu schalten.

Was das Wörtchen „absehbar“ betrifft: Hier kommt ganz entscheidend der neue PPC-Tempomat ins Spiel, der eine GPS-Positionsbestimmung mit hinterlegtem Kartenmaterial abgleicht und sowohl die Geschwindigkeit als auch die Schaltstrategie dem folgenden Streckenprofil anpasst. Das Ganze funktioniert im Test wie auch schon bei der ersten Fahrvorstellung perfekt.

Bei jeder Art von Vollbremsung gehen automatisch die Warnblinker an

Die clevere Schaltstrategie und die Drehmomenterhöhung im zwölften Gang schlagen sich auch in den 36 steigungsbedingten Schaltungen nieder: Mit 450 PS und den heute bei allen Herstellern üblichen langen Achsübersetzungen sind das relativ wenig. Geht es talwärts, hat der Bremstempomat leichtes Spiel: Im Testfahrzeug kombiniert Mercedes die verstärkte, leider aufpreispflichtige „High-Performance“-Motorbremse mit dem neuen Wasserretarder.

Manuell lässt sich die Bremsleistung in fünf Stufen à 20 Prozent abrufen. Mercedes empfiehlt übrigens den gestuften Einsatz, damit das volle Bremsmoment nicht schlagartig Triebstrang und Motor belastet. Wird es anderweitig schlagartig brenzlig, legt die neue Generation des Active Brake Assist jetzt auch vor stehenden Hindernissen eine automatische Vollbremsung hin.

Technisch weniger spektakulär, aber sinnvoll: Bei jeder Art von Vollbremsung gehen automatisch die Warnblinker an. Im Vorfeld von Euro 6 galten viele Sorgen dem höheren Kaufpreis und dem Verbrauch. Ersteres berechtigt, Letzteres nicht: Durchschnittlich 34,1 Liter Diesel und 1,14 Liter Adblue (deutlich weniger als bei Euro-5-Fahrzeugen) sind voll im grünen Bereich. Ein gelungener Einstand, gar keine Frage.

Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 09/2012.
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Datum

14. September 2012
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