Supertruck Volvo FH lebend Viehtransport 12 Bilder Zoom
Foto: Felix Jacoby

Abenteuer

Viehtransport in Schweden

Der junge Schwede Alfred Adolfsson hat sich auf den Transport von Schweinen und Rindern spezialisiert. Ein anspruchsvolles Geschäft.

Es ist kein Geheimnis: Tiertransporte werden von vielen Menschen mit großer Abneigung betrachtet. Andererseits wäre aber wohl kaum jemand bereit, deswegen auf den eigenen Fleischkonsum zu verzichten. Zweifellos hat es in diesem Gewerbe in der Vergangenheit auch sehr kritikwürdige Zustände gegeben. Aber die Mehrheit der damit beschäftigten Unternehmen arbeitet längst nach strengeren Standards und tierschutzrechtlichen Vorgaben. Und solange es keine vegetarische Gesellschaft gibt, werden Transporte zu den Schlachthöfen unverzichtbar bleiben. Umso mehr verlangt diese Aufgabe nach Kraftfahrern, die nicht nur einen Lastzug sicher bewegen können, sondern auch mit den Tieren behutsam und respektvoll umgehen. Alfred Adolfsson lernen wir bei einer Truckshow nahe Stockholm kennen. Samstagabend ist das Treffen zumindest offiziell beendet, Alfred und seine Kollegen mit den gelben Scanias lassen den Abend gemütlich ausklingen, denn schon am Sonntag früh um halb sechs läutet der Wecker. Für die Tiertransporteure ist der Sonntag oft ein Arbeitstag wie jeder andere. Zusätzliche Scheinwerfer beugen Unfällen mit Tieren vor Die Anhänger sind ein Stück weiter weg geparkt, also verlassen die drei mächtigen Vierachser im ersten Sonnenschein das Festivalgelände, um ihrer Arbeit nachzugehen. Nach kurzer Verabschiedung fährt jeder seiner Wege. Alfred ist nach dem Ankuppeln zunächst zu einer Farm im Norden der Hauptstadt unterwegs. Sein Arbeitgeber Embers Äkeri AB aus Aneby bei Jönköping hat das größte Unternehmen dieser Art in Schweden, 14 Volvo und 3 Scania sind aktuell im Einsatz. Die Transporte gehen oft über längere Strecken, weil die Entfernungen zwischen den wenigen Schlachthöfen ziemlich weit sind. Deswegen sind diese Spezialaufbauten mit Systemen zum Tränken und Füttern der Tiere ausgestattet. Und siehe da, Embers setzt voll auf deutschen Fahrzeugbau und lässt jährlich zwei bis drei Lastzüge bei Josef Finkl in Bissingen bei Donauwörth aufbauen. Das sind höchst anspruchsvolle Konstruktionen mit höhenverstellbaren Ladeplattformen und Hubdächern, die so aufwendig sind, dass sie später oft noch vom ersten auf ein zweites Lastwagenchassis ummontiert werden. Prächtig ist der Motorwagen von Volvo, ein FH16/750, der im Dezember 2016 ausgeliefert worden ist. Embers legt auf ein charakteristisches Erscheinungsbild wert und veredelt die Fahrzeuge mit Edelstahl und zusätzlichen Lichtanlagen in der firmeneigenen Werkstatt. Zusätzliche Fernscheinwerfer machen in Schweden Sinn und werden von den Ordnungshütern toleriert. Sind sie bei Nachtfahrt zugeschaltet, sieht man Wild schon frühzeitig. Zudem haben die im Land häufigen Elche keinerlei Fluchtreflex – sieht man sie zu spät, drohen schreckliche Unfälle. Alfred hat sich den Lkw innen selbst verschönert Auch zur Seite und nach hinten leuchtet der Lastzug weit mehr, als es manchen Polizisten in Deutschland gefallen würde, aber das ist hier im hohen Norden aus Gründen der passiven Sicherheit akzeptiert. Den Innenraum hat sich der Fernfahrer mit der Hilfe von Freunden in Eigenleistung mit Kunstleder verschönert, um es bei der Arbeit und den Pausen gemütlich zu haben. Und die teure Kaffeemaschine aus Aluminium mit dem Volvo-Logo hat sein Arbeitgeber gleich mit dem Fahrzeug bestellt. An der ersten Farm angekommen, schiebt Alfred den Anhänger an die Verladeluke des Schweinezuchtbetriebs. Die Zusammenarbeit mit den Stallbetreibern ist eingespielt, jeder Handgriff sitzt. Vor dem Verladen der ersten Tiere streut der Fahrer noch den Boden der Plattform mit Sägemehl aus, dann kommen die ersten grunzenden Vierbeiner schon angelaufen. Alfred sagt: "Das ist keine einfache Arbeit, weder mit Schweinen noch mit Rindern, denn die Tiere sind sensibel und an manchen Tagen sehr gestresst. Das verlangt uns viel Konzentration und Gelassenheit beim Verladen ab." Mit einer Kunststoffplatte und einer Art Plastikpaddel führt Alfred die Tiere auf den Lastwagen, das scheint sie auch nicht sonderlich zu stressen. Einige Schweine wollen umkehren, doch mit sanfter Entschlossenheit stellt sich der Fahrer ihnen in den Weg. Kaum ist die erste Ladefläche voll, öffnet Alfred den recht kompliziert wirkenden Steuerkasten der Anhängerhydraulik und fährt die Tiere wie in einem Lift nach oben. Dafür wird das Dach um einen halben Meter angehoben, weil die Plattform erst auf Stützen einrasten muss und die Tiere sich nicht beengt fühlen sollen. Über 250 Tiere werden untergebracht Nach einer Dreiviertelstunde ist die erste Ladestelle erledigt, Alfred lenkt den gut 21 Meter langen Lastzug über enge Wirtschaftswege und eine Pappelallee wieder auf die Fernstraße Richtung Örebro. Eine Stunde westlich kommt die zweite Zuchtfarm in Sicht, hier wird der Motorwagen ebenso wie der Anhänger mit jeweils drei Plattformen beladen. Am Schluss sind über 250 Tiere untergebracht. Alfred kuppelt den Anhänger wieder an und macht sich zum Ziel der Fahrt auf, einem Schlachthof bei Jönköping. Dabei bekommt der Volvo mit dem starken Motor gut zu tun, denn das Gesamtgewicht ist hier auf nicht weniger als 64 Tonnen begrenzt. Obwohl der Lastzug mit seinen 28 Rädern schon leer 31 Tonnen wiegt, darf er noch mal so viel an Ladung aufnehmen. Und dank der vielen Achsen läuft der Lastzug viel ruhiger und mit weniger Stuckern und Schwanken als ein mitteleuropäischer Vierzigtonner. Und Alfred freut sich nach einem schönen Truckfest und einem arbeitsreichen Sonntag endlich auf den verdienten Feierabend.

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Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 09/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

9. August 2017
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Fred Dremel, Experte für Sozialvorschriften für das Fahrpersonal im Strassenverkehr, Arbeitszeitrecht , Kontrollgeräte Fred Dremel Sozialvorschriften
Von 1980 bis 2013 Betriebsprüfer Arbeitsschutz in Aachen auf dem Gebiet Sozialvorschriften für… Profil anzeigen Frage stellen
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