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80 Jahre Les Routiers: Gute Adresse in Frankreich

Die Relais Routiers sind eine Institution in Frankreich. Die "besondere Gastlichkeit" für Lkw-Fahrer feiert jetzt 80-jähriges Jubiläum.

Echte französische Küche zu moderaten Preisen und Parkmöglichkeiten für den Lkw: Das ist das Motto, dem sich spezielle Restaurants in Frankreich verschrieben haben. Zu erkennen sind sie ganz einfach am runden Schild, auf dem der Schriftzug "Les Routiers" vor blau-rotem Hintergrund prangt. "Die Fernfahrer" heißt das wörtlich übersetzt, was den Sachverhalt aber nur unzureichend trifft. Denn dahinter steckt viel mehr. Schließlich feiert nicht nur diese fahrerfreundliche Art der Verköstigung dieses Jahr ihren 80. Geburtstag, sondern auch das gleichnamige Magazin.

Die Geschichte von beiden ist untrennbar mit der Person François de Saulieu verbunden. Abenteurer, Aristokrat und Schriftsteller zugleich, gründet er 1934 die auf Lkw-Fahrer zugeschnittene Zeitschrift "Les Routiers". Zuvor hatte er im Auftrag der Zeitung "Le Petit Parisien" eine Reportage über die Fernfahrer auf der weiten, damals unglaublich langen Strecke von Paris nach Marseille geschrieben und dabei einen Missstand ganz genau erkannt: das Fehlen einer ordentlichen Infrastruktur für die damals noch blutjunge Zunft der Lkw-Fahrer.

Ölflecken weisen den Weg zu den ersten Partnern

François de Saulieu schwebt etwas in der Art der Relais-Stationen für Pferdekutschen, die bis zum Aufkommen der Eisenbahn in Europa überall gang und gäbe waren, vor. Für den aufstrebenden Fernverkehr mit dem Lkw bedeutet das: Schlafplatz, Verpflegung – und möglichst noch ein Mechaniker in der Nähe. Denn der Lkw alter Bauart ist kein Muster an Zuverlässigkeit, sondern eher anfällig und ständig von irgendeinem Zipperlein geplagt.

Mit seiner Idee der Relais Routiers tut sich François aber auch selbst einen Gefallen. Denn er hat anfangs echte Mühe, an die Leser ranzukommen. Kein Wunder, fahren die Burschen doch tagaus, tagein durch die Lande, sind eben immer auf Achse. "Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt", denkt sich der damals 24-Jährige, der schon eine harte Militärzeit in Algerien hinter sich hatte, "dann muss der Prophet eben zum Berg." Gesagt, getan: Er und sein Team durchstreifen Frankreich auf der Suche nach geeigneten Gasthäusern, deren Wirten sie folgende Rechnung aufmachen: "Wenn die Fahrer unser Magazin in Ihrem Laden finden, werden sie bei Ihnen anhalten, um uns zu lesen." Was erfolgversprechende Lokalitäten sind, erkennen François de Saulieu und seine Truppe direkt an der Beschaffenheit des Bodens: An Stellen, wo sich Ölflecke häufen, wird es so verkehrt bestimmt nicht sein.

Nummer eins ist das schwarze Pferd in der Champagne

Das Argument zieht bei der Gastronomie, die als Relais Routiers das Journal stets kostenfrei zur Lektüre auslegt. Und damit den Fahrern einen Service bieten kann, den sie anderswo halt nicht bekommen. Die Zeitschrift bedankt sich auf ihre Weise bei den Gastwirten, indem sie Monat für Monat die neuen Mitglieder der stetig wachsenden Kette an Relais Routiers publiziert. Das erste Gasthaus, das sich mit dem damals schon blau-roten Emblem schmücken kann, ist das "Restaurant du Cheval Noir" (das schwarze Pferd) an der Nationalstraße 6 in der Champagne. Viele andere folgen schnell.

Der Ehrgeiz von François de Saulieu geht aber noch viel weiter und reicht über die Kapitel "Speis und Trank" hinaus. Er versteht sich als echter Anwalt der Fahrer und legt sich mit der Eisenbahn (vom Staat bevorzugt) ebenso an wie mit den doktrinären Gewerkschaften, denen die unabhängigen Fernfahrer ein Dorn im Auge sind. François geht sogar so weit, dass er eine politisch unabhängige Gewerkschaft extra für die Fahrer gründet und damit viel Erfolg hat. Bis heute gibt es die von ihm ins Leben gerufene Gewerkschaft FNCR (Fédération nationale des conducteurs routiers). Ob Anerkennung von Berufskrankheiten, Einführung des Tachografen oder Gründung einer speziellen Fahrer-Pensionskasse: Das alles sind Errungenschaften der französischen Kollegen, an denen François de Saulieu maßgeblich beteiligt ist.

Damals wie heute: gutes Essen und kostenfrei lesen

Er ist ein Mann der Tat und ganz und gar nicht abergläubisch: Am Freitag, den 13. erscheint im Mai 1934 die erste Ausgabe seines Journals. Die Geschäftsidee ist ein finanzieller Drahtseilakt. So kann beispielsweise ausgerechnet die Ausgabe Nummer 13 nicht erscheinen, weil dem jungen Mann das Geld ausgeht. In die Bresche springt seine spätere Frau, die Irin Jacqueline O’Toole.

Dank ihres Vermögens kann die Zeitschrift die anfänglichen finanziellen Hürden nehmen und sich ebenso wie die Institution der Relais Routiers gut entwickeln. Das Magazin marschiert allmählich munter auf seine 1000. Ausgabe zu und für die Restaurants mit dem blau-roten Logo gilt heute wie damals die Maxime: gutes Essen zu moderaten Preisen sowie Stellplätze für Lkw. Ein Mechaniker sitzt dieser Tage nicht mehr unbedingt gleich um die Ecke. Aber das Magazin Les Routiers liegt heute wie damals für die Kollegen kostenlos zur Lektüre aus.

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Les Routiers

Datum

17. Oktober 2014
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