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Foto: Daimler AG

75 Jahre Freightliner & 50 Jahre Western Star

Doppeltes Jubiläum für Mercedes-Benz

Daimler Truck North America feiert 75 Jahre Freightliner und 50 Jahre Western Star. Seit der Gründung der Unternehmen in den Jahren 1942 und 1967 haben Freightliner und Western Star rund 3,2 Millionen Trucks gebaut.

In der kulturellen Geschichte Amerikas geht es wesentlich um zwei Punkte: Pioniergeist und Eroberung unbekannten Terrains. Waren es in den vergangenen 400 Jahren die Planwagenfahrer und Trapper, die den riesigen Kontinent immer weiter Richtung Westen urbanisierten, sind es heute die Footballspieler der NFL, die um jeden Zentimeter Raumgewinn kämpfen. Das Selbstverständnis der USA ist in dem Artikel „Manifest Destiny“ von John L. O’Sullivan beschrieben. Der Journalist stellte 1845 fest, dass es „die offenkundige Bestimmung der Nation sei, sich auszubreiten und den gesamten Kontinent in Besitz zu nehmen.“ Bis heute ist die Weltanschauung der USA eng mit den damals niedergeschriebenen Theorien verbunden.

75 Jahre Pioniergeist

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich an die Epoche der Planwagen, die Zeit der Lkw angebrochen ist. Zwar gab es durchaus das Bestreben das Land mittels Schienennetz zu zivilisieren, doch die geografischen Gegebenheiten im Mittleren Westen ließen ein geschlossenes Eisenbahnnetz - wie wir es aus Europa kennen - nicht zu. In den Wirtschaftswunderjahren der 1920er Jahre wurde der Lkw zum Haupttransportmittel innerhalb der USA. Bis heute wird ein Großteil der Waren mittels Lkw quer durchs Land transportiert.

Mit dem beschrieben Pioniergeist machte sich der junge Leland James ab 1930 daran, einen für ihn passenden Lkw zu konstruieren. Wie unser Autor Michael Kern in lastauto 6/2012 notierte: „Ihm stand der Sinn nach Neuem, denn James war auf Nutzlast aus.“ Ein Fageol (1916 gegründeter kalifornischer Lkw-Hersteller, später von Peterbilt übernommen) des Baujahrs 1930 mit Sechszylindermotor von Cummins hatte die Ehre, von nun an wegweisend zu wirken. Rund 20 solcher Lkw entstanden von 1937 bis 1939.

Diese Erstlinge waren für James’ Geschmack aber immer noch zu schwer. So kam es, dass er ab 1939 gleich eine ganze Gruppe von Ingenieuren an Prototypen basteln ließ. Zehn Pilotmodelle waren ab August 1940 aufgelegt, die den etablierten Herstellern zeigen sollten, was ein kurz bauender COE (Cab Over Engine) taugt. Ein Name für die neuen Lkw war schnell gefunden. Freight-Liner prangte bereits im Dezember 1940 erstmals auf einem der Alu-Kühlergrills, ab Sommer 1941 schrieb sich die Marke dann – ohne Bindestrich – Freightliner. Der offizielle Start als Lkw-Hersteller datiert schließlich auf 1942.

Bis 1980 war das Unternehmen dann bei Service und Vertrieb eng an den US-Hersteller White Motor Company gebunden. Nach deren Konkurs übernahm Mercedes-Benz of North America Freightliner, um im Geschäft der schweren Lkw ein Fuß in den amerikanischen Markt zu setzen. Bis 1981 war Mercedes nur in den leichten und mittleren Gewichtssegmenten in den USA und Kanada vertreten.

50 Jahre Rambo auf der Straße

Wenn man die Fahrzeuge von Western Star personifizieren müsste, würde wahrscheinlich John Rambo aka Sylvester Stallone herauskommen. Kein anderer Lkw-Hersteller spiegelt das Image des treuen, unerschütterlichen Kameraden so perfekt wider, wie das Unternehmen aus Portland. Die Geschichte der Marke Western Star begann 1967 als die White Motor Company den Geschäftsbereich White Western Star gründete. Die Produktion erfolgte zum damaligen Zeitpunkt nicht etwa in den USA, sondern im kanadischen Kelowna/British Columbia um den besonders harten Anforderungen der kanadischen Öl- und Gasindustrie und dem Bergbau Rechnung zu tragen. Egal wie schwierig das Gelände oder wie unlösbar die Aufgabe erschien, das US-kanadische-Unternehmen hatte eine passende Antwort im Portfolio; vergleichbar mit Silvester Stallone in Rambo. Egal ob im Staat Washington, Vietnam, Afghanistan oder Burma der Veteran hat für alle Situationen eine unverwüstliche Antwort parat.

Nachdem im Jahr 1980 die White Motor Company Konkurs anmelden musste, ging das Unternehmen an Volvo. Jedoch die Marke Western Star wurde aus der Konkursmasse gelöst und von kanadischen Unternehmern übernommen. Mehrere Eigentümerwechsel vollzogen sich in den darauffolgenden 20 Jahren, bis schließlich im Jahr 2000 Freightliner Western Star übernahm und im Jahr 2002 die Produktion nach Portland verlagerte.

Blick in die Zukunft

Mit einem nach eigenen Angaben Marktanteil von 40,2 Prozent in den schweren Klassen 6-8 ist Daimler Trucks North America Marktführer auf dem nordamerikanischen Kontinent. Zukünftig stehen bei Mercedes hauptsächlich Vernetzung und Effizienz auf der Agenda. Ermöglichen soll laut Unternehmen das das Truck Data Center, eine Hardware Box, die in jeden Truck integriert ist und Kommunikationsfähigkeiten für das Telematiksystem zur Verfügung stellt. Dieses wird laut Unternehmen in Zukunft auf Basis der international standardisierten Elektrik/Elektronik-Architektur markenübergreifend verbaut. Die Standardisierung des Truck Data Center treffe dabei auf maximale Anpassungsfähigkeit an die regionalen Kundenbedürfnisse mittels der Software und Apps: Künftig bilde das Truck Data Center die Basis für bereits bestehende Konnektivitätslösungen von Mercedes sowie den Telematik-Systemen von FleetBoard und Detroit Connect.

Weiterer zentraler Punkt auf der Zukunftsagenda ist die Effizienz. So soll der Freightliner New Cascadia mit einer Kraftstoffreduktion um bis zu acht Prozent und noch höheren Betriebszeiten im Vergleich zum Vorgängermodell die Betriebskosten senken. Wie das Unternehmen mitteilt, habe sich das Investment von rund 300 Millionen US-Dollar Entwicklungskosten ausgezahlt. Aktuell gelten über die Hälfte aller Bestellungen für einen Klasse 8 Truck dem New Cascadia.

Informationen und Bilder im Überfluss

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Autor

Datum

14. September 2017
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Unsere Experten
Prof. Dr.-Ing. Heinz-Leo Dudek, Experte für Telematik Heinz-Leo Dudek Telematik
Prof. Dr. Dudek ist Studiengangsleiter für das Wirtschaftsingenieurwesen an der DHBW Ravensburg… Profil anzeigen Frage stellen
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