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Sieben Großraum-Fahrerhäuser: Alle Topmodelle im Vergleich

Rund acht bis neun Kubikmeter umbauter Raum stehen für die Inneneinrichtung der zur Zeit größten Fahrerhäuser zur Verfügung. Wie diese Einrichtung im Idealfall aber aussehen sollte, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Der gemeinsame Nenner europäischer Fernverkehrs-Fahrerhäuser lässt sich mit knapp 4,5 Quadratmeter Grundfläche recht genau beziffern. Doch schon bei der Beschaffenheit des Parketts enden die Gemeinsamkeiten. Da ist zum einen die Fraktion mit hoch gesetztem, völlig ebenem Boden, vertreten durch Renault Magnum und Actros Megaspace. Mittelhohe Montage mit 10 bis 20 Zentimeter hohem Motortunnel: Darauf setzen DAF, Iveco, MAN, Scania und Volvo. Beim Kabinenvergleich von lastauto omnibus und den holländischen Kollegen von Truckstar stehen alle Varianten parat.

Bei der Einschätzung der Sitzverstellung kommen die 1,55 und 2,00 Meter großen Pappkameraden "Mini" und "Maxi" zum Einsatz. Zudem geht es mit einem Wochenvorrat von Haus zu Haus, für den sich letztlich auch in jeder Kabine genügend Platz findet. Das Verstauen kostet aber mal mehr, mal weniger Mühe. Das Schlusslicht stellt dabei der Renault Magnum dar, der nun mal keine ausgesprochenen Außenstaufächer ins Feld führen kann. Beim Einstieg setzen sich Scania und Volvo mit jeweils drei leicht versetzten Stufen an die Spitze, verhältnismäßig steil geht es beim DAF XF, MAN TGX und Iveco Stralis nach oben. Die ärgste Kletterpartie verlangen der Actros Megaspace und der Renault Magnum dem Fahrer ab.

DAF Super Space Cab - der größte Stauraum im Feld

Was das Innenvolumen anbelangt, liegen der DAF Super Space Cab und der MAN TGX XXL mit je rund 9,3 Kubikmeter ganz vorne. Dass sich der ausladende DAF-Würfel in Fahrerkreisen großer Beliebtheit erfreut, erschließt sich schnell: Mit rund einem Kubikmeter bietet die Super Space Cab das größte Stauvolumen, die dicke und breite Taschenfedern-Matratze unten verspricht erholsamen Schlaf und die Sitzverstellung wird auch Zwei-Meter-Hünen gerecht. Mit dem Sitz ganz vorn wird es für "Mini" bei den Knien aber eng. Dafür können den niederländischen Matratzen-Fachmann Clemens Timmermans, der das Test-Team ergänzt, die Qualität beider Betten überzeugen: Nach seiner Einschätzung sollte auch die Kaltschaummatratze oben über Jahre hinweg gut in Form bleiben. Die Klappleiter mit breiten Stufen und einfachem Zugmechanismus sowie die dichten Vorhänge aus doppeltem Stoff runden den guten Gesamteindruck ab.

Bei der Luftverteilung von Heizung und Klimatisierung schneidet der DAF ebenfalls gut ab. Nicht mehr zeitgemäß sind die Holme in den Seitenscheiben und auch eine dimmbare Innenbeleuchtung wäre wünschenswert. Deutlichster Kritikpunkt sind letztlich die zu kleinen Luken der Außenstaufächer.

Edles Interieur im MAN TGX XXL

Mit steiler Front und riesiger Panoramascheibe tritt das XXL-Fahrerhaus von MAN auf den Plan. Für die Reinigung der Glasfront verweist MAN auf die Teleskopstange hinter der Frontklappe - auch eine Lösung. Vorbildlich sind die weit öffnenden Außenstaufächer. Innen bietet der klimatisierte Ledersitz hohen Komfort und große Verstellwege, "Mini" hat aber mit der langen Sitzfläche zu kämpfen. Das noble Gestühl ist Teil der Topausstattung des V8; ebenso die Klimaautomatik, die Bestnoten für Bedienung und Wirksamkeit erhält.

Der Arbeitsplatz ist ebenso edel wie praktisch gestaltet. Beispiele sind die Echtglas-Abdeckung der Instrumente, die breiten Türtaschen, das separate Brillenfach und die beiden Schubladen vorn in der Armatur. Nach dem DAF hat der MAN den geräumigsten Kühlschrank zu bieten, mit Klapptisch und Platz für stehende Flaschen. Das Hochformat hat aber auch zur Folge, dass die Kühlbox beim Sitzen auf der Liege zwischen den Beinen stört. Die Matratzen im XXL sind relativ dünn, ruhen aber auf komfortablen Lattenrosten. Als Aufstiegshilfe zur oberen Liege dient der - im Vergleich zum TGA verstärkte - Kühlschrankdeckel. Allerdings fehlen an der unteren Liege immer noch Gasfedern zum leichteren Hochklappen. Dimmbare Leseleuchten wären auch kein Schaden, aber insgesamt leistet sich der TGX XXL keine wirklichen Schwächen.

Iveco Stralis Active Space

Das Active Space-Fahrerhaus des Iveco Stralis hat mit der im Frühjahr 2007 vorgestellten Überarbeitung knapp zehn Zentimeter an Höhe und Länge zugelegt. Ähnlich wie beim Renault Magnum ist an der Rückwand eine Sitzecke mit Klapptisch Standard, zum Test bevorzugte Iveco aber die Alternative mit einteiliger unterer Liege und Schublade darunter. Ist das obere Bett passgenau an der Rückwand verstaut, herrschen auf dem Podest-artigen Boden, der den Motortunnel überbaut, großzügige Platzverhältnisse. Beide Betten sind vergleichsweise breit, die Qualität der Matratzen ringt dem Experten aber nur ein "mittelmäßig" ab.

Schade auch, dass die Bedienkonsole am oberen Bett zwar die meisten Funktionen im Vergleich bietet (Innenbeleuchtung, Sonnenrollo, Fensterheber, Hubdach, Zentralverriegelung, Radio, Standheizung, Uhr und Wecker), aber auf der Beifahrerseite sitzt und sich nicht umstecken lässt. Der Sitz an sich ist sehr gut, aber mit der tief positionierten Scheibe schaut ein Zwei-Meter-Mann mit Blick geradeaus eher auf die vorderen Staufächer. Belüftung, Heizung und Klimatisierung sind ohne Fehl und Tadel, insbesondere arbeitet die Standheizung sehr leise. Die Innenbeleuchtung ist allerdings nicht dimmbar und der Kühlschrank hat zwar ein Gefrierfach, ist aber recht klein.

Komfortabel nächtigen im Mercedes Actros Megaspace

Mit der zweiten Actros-Generation (MP2) gelang Mercedes im Jahr 2002 einen großer Wurf. Bis zum MP3 im Herbst 2008 konnte somit getrost einige Zeit vergehen. Diese (jüngste) Überarbeitung brachte unter anderem breitere Außenspiegel, einen serienmäßigen Druckluftanschluss in der Kabine, ein verstellbares Kopfteil und einen elastischen Lattenrost für das untere Bett. Zudem eine stufenlose Niveaueinstellung für die Liege oben, einen schwenkbaren Rasierspiegel und einen Klapptisch auf der Beifahrerseite.

Schön sind die beiden Schubladen unter der Liege, von denen die obere den Kühlschrank beinhaltet. Dieser ist mit einem Thermostat ausgestattet und von hoher Qualität, aber ziemlich klein. Mit dem Lattoflex-Unterbau war das 80 Zentimeter breite Bett oben, erreichbar über einen Klapptritt unter der Mittelkonsole, von Anfang an erste Wahl. Zur Aufwertung der zweiten Liege hat wohl geführt, dass die meisten Fahrer trotzdem lieber unten schlafen. Auf dem bequemen Sitz sollte der Großteil eine passende Position finden. "Mini" hat aber mit den Knien, "Maxi" mit der maximal einstellbaren Sitzhöhe zu kämpfen. Ein "sehr gut" verdient sich die fein regelnde Klimaautomatik mit automatischem Umluftbetrieb bei schadstoffreicher Außenluft.

Renault Magnum - Sitzecke inklusive

Ende 2008 präsentierte Renault den Magnum mit 20 Zentimeter höherem Dach. Bei längerer Standzeit ist die serienmäßige Einrichtung mit Sitzecke und großem Tisch sicher angenehm, die daraus zu bastelnde dreiteilige Liege aber nicht. Zumal das obere Bett mit nur rund 60 mal 190 Zentimeter Liegefläche trotz vergleichsweise guter Matratze keine wirkliche Alternative darstellt. Der steile Einstieg hinter der Vorderachse hat immerhin den Vorteil, dass man sich in engen Parkbuchten auch bei halb offener Tür reinschlängeln kann.

Als Außenstaufächer müssen beim Magnum ein Werkzeugfach zwischen den Einstiegsstufen und ein kleines Fach für Lappen und Handschuhe unter der obersten Trittplatte reichen. Innen geht das Stauvolumen in Ordnung, wozu unter anderem eine aufschwenkbare Ablage mit rund 100 Liter Fassungsvermögen an der Rückwand beiträgt. Vorhänge gibt es im Magnum nur zwischen Betten und Sitzen, die Scheiben werden mit elektrisch betätigten Rollos abgedunkelt. Für große Fahrer dürfte sich der Sitz weiter nach hinten schieben lassen, kleine Fahrer haben das bekannte Knieproblem. Gut ist das gekühlte Flaschenfach rechter Hand, der Kühlschrank liegt hinter dem Sitz aber ungünstig. Dimmbares Licht gibt es auch im Magnum nicht, Belüftung und Klimatisierung sind okay. Von einem knurrenden Geräusch beim Ein- und Ausschalten abgesehen gilt das auch für die Standheizung.

Größter Lenkrad-Verstellbereich im Scania R Topline

Im Topline bietet Scania für die Liege zwei Varianten an: Serie sind klappbare Schaumstoffteile hinter den Sitzen, gegen Aufpreis gibt es ein ausziehbares Bett. Die Problematik mit der Sitzverstellung vor dem Bettenmachen aber bleibt. Der Komfort mit den eingearbeiteten Taschenfedern stimmt zwar, was Belüftung und Langlebigkeit des Auszugsmechanismus anbelangt hat der Fachmann aber so seine Zweifel. Nach stetiger Modellpflege sind die Staufächer über der Scheibe mit stabileren Zwischenböden ausgestattet, es gibt mehr Ablagen rund um den Fahrer und einen geschickt verstauten Klapptisch vor dem Beifahrer.

Die Außenstaufächer haben weite Öffnungen, sind an der Unterkante mit Verschleißblechen verstärkt und beide von innen zugänglich. Ein Ausrufezeichen setzt Scania mit dem größten Lenkrad-Verstellbereich. Für kleine Fahrer sollte sich aber die Sitztiefe weiter verringern lassen. Sehr angenehm ist die digital einstellbare Temperatur der Klimaautomatik. Die Standheizung arbeitet leise, die dauernde Beleuchtung der Fernbedienung müsste aber nicht sein. Zudem hat die einfache Luftheizung nur einen Auslass hinter dem Fahrersitz. Kühl- und Gefrierabteil liegen gut zur Hand, die Schubfächer sind aber recht simpel. Dagegen ist das gesamte Cockpit sehr gut verarbeitet.

Volvo FH Globetrotter XL - Platzmanagement auf kleinem Raum

Durch die schräg stehende Scheibe bietet der Volvo das geringste Volumen. Zudem sind die Schränke vorne nicht allzu tief. Zum Test tritt Volvo daher mit einer zusätzlichen, rund 260 Liter großen Schrankwand anstelle der oberen Liege an. Wer sich gerne weich bettet, ist mit der Taschenfederkern-Matratze unten gut bedient, auch die Liegefläche geht in Ordnung. An der Belüftung - ein Bettrost fehlt - müssen die Schweden noch arbeiten.

Vorbildlich sind der Ein- und Frontaufstieg, die großen Außenstaufächer und die dimmbare Innenbeleuchtung. Die rund 1.000 Euro Aufpreis für den elektrisch verstellbaren Luxussitz sind gut angelegt, die weiche Polsterung muss man aber mögen und große Fahrer würden sich eine höher gezogene Windschutzscheibe wünschen. Auch die Investition in eine Warmwasser-Zusatzheizung empfiehlt sich: Die Luftheizung hat nur einen Auslass hinter dem Fahrersitz und ist relativ laut. Die Klimaanlage regelt sehr fein.

Fazit: Einige Hausaufgaben haben alle Hersteller noch zu erledigen. Das Spitzentrio im Vergleichstest bilden der DAF Super Space Cab, der MAN TGX XXL und der Mercedes Actros Megaspace.

Autor

Foto

Iep van der Meer

Datum

2. Juni 2011
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Prof. Dr.-Ing. Heinz-Leo Dudek, Experte für Telematik Heinz-Leo Dudek Telematik
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