51 Jahre Ford Transit 10 Bilder Zoom
Foto: Ford

50 Jahre Ford Transit

Transit Verkehr

m Jahr 1965 feierte er Premiere. Heute ist der Ford Transit in vielerlei Varianten unterwegs und nicht nur aus dem Straßenbild Europas kaum mehr wegzudenken.

Einer für alle: Das war das Motto, unter dem sich Ford in den 60er-Jahren daranmachte, die Zweigleisigkeit bei den leichten Nutzfahrzeugen in Europa zu beenden. Die sah so aus: In Großbritannien zog ein Themse genanntes und 1954 ins Leben gerufenes Fahrzeug seine Bahn, während in deutschen Landen schon seit 1953 der sogenannte FK die Flagge von Ford hochhielt – ein Frontlenker für gut zwei Tonnen Gesamtgewicht, im Jargon der Zeit Eilfrachter genannt. Ob Komfort, ob Nutzlast: In den 60er-Jahren erschallt unüberhörbar der Ruf nach mehr. Wie es um den Vorgänger des Transit bestellt war, lässt sich leicht an dem ablesen, was Ford als Besonderheiten des 1965 gebrachten Nachfolger namens Transit herausstellt: "Optionales Lenkradschloss" und "Befestigungspunkte für Sicherheitsgurte" sind Stichwörter, die da fallen. Und schlauchlose Reifen zum Beispiel kommen erst kurz nach der Vorstellung der neuen Transportergeneration, deren erster Vertreter am 9. August 1965 im Werk Langley vom Band rollt, das in der britischen Grafschaft Berkshire liegt. Produziert wird der neue Transit zugleich aber auch von deutschen Ford-Werken, und zwar in deren belgischer Dependance Genk, die seit 1963 auch den Ford 12 M herstellt.In Sachen Diesel muss anfangs Perkins mit ­einem sehr moderaten Selbstzünder einspringen, der gerade mal 44 PS leistet. Zum Vergleich: Die Benziner bringen es seinerzeit auf wahlweise 74 oder 86 PS. Sonst aber tritt der Ford Transit in einer Vielfalt an, für die er heute noch berühmt ist. Er macht seinen Weg. Auch unter harschen Bedingungen. So ist es zum Beispiel schon 1966 eine kleine Flotte von Transit-Bussen, die in den peruanischen Anden tagtäglich Pässe in mehr als 4.000 Meter Höhe im Linienverkehr unter die Räder nimmt. Auch Rock- und Popgruppen, sowieso gegen den beachtlichen Lärm immun, der in der Transit-Kabine herrscht, greifen mit Vorliebe auf den Transporter aus Langley zurück. Auch bei Bankräubern beliebt Selbst Langfinger entwickeln ein Faible für den Transporter, der seinerzeit noch nicht die Ford-Pflaume, sondern nur den Namenszug des Herstellers vorn im Grill spazierenfährt: Anno 1972 erklärt die Polizei von London den Transit zum "meistgesuchten Van Großbritanniens". Wie ein Sprecher von Scotland Yard darlegt, nutzten die Täter in 95 Prozent aller Banküberfälle einen Transit als Fluchtfahrzeug. "Mit den Fahrleistungen eines Pkw und seinem für Diebesgut großzügig bemessenen Innenraum ist ­er offensichtlich die ideale Wahl", lautet die ­weitere Analyse der Kriminalisten.Zu dieser Zeit düst aber schon die zweite Generation des Transit über Europas Straßen. Denn schon 1971 hat Ford das Programm neu gegliedert, verschiedenen Verbesserungen an Fahrwerk sowie Qualität vorgenommen und gleich auch die Motorisierung aufgewertet. Laut Ford-Werbung – auch die Unterwelt hat es vernommen – ist der FT 125 mit seinem 75 PS starken, zwei Liter großen V-Motor für 125 km/h gut und somit der schnellste Neunsitzer-Kombi der Welt. Dass ab 1972 auch ein 2,4-Liter-Diesel erhältlich ist, lässt die deutschen Käufer weitgehend kalt. "Deutschen Haltern", schreibt der Automobilhistoriker Werner Oswald, "bringt er keine Kostenvorteile, aber Leistungs- und Komforteinbußen." Die Domäne des Selbstzünders ist also erst einmal der Export. Weiterentwicklungen halten Einzug Aber die Technik mausert sich. Im Lauf der Jahre kommen Scheibenbremsen vorn, automatische Getriebe, verbesserte Ergonomie. Als die dritte Generation des Transit Ende 1977 anklopft, hat das Werk Genk fast eine halbe Million dieser Transporter hergestellt, auf der Insel wurden gar rund 700.000 dieser Fahrzeuge produziert. In Großbritannien ist der Ford Transit seinerzeit mit circa 40 Prozent Marktanteil der meistgekaufte seiner Art, in Deutschland rangiert er mit ungefähr 13 Prozent nach dem VW Transporter (rund 72 Prozent Marktanteil) auf Platz zwei. Technische Reife und gute Verarbeitung: Das sind die Attribute, mit denen die dritte Generation des Transit anno 1978 vorfährt. Es bleibt bei sieben Modellreihen mit 0,8 bis 1,9 Tonnen Nutzlast. An die Stelle der V-Benziner treten Reihenmotoren, die runden Scheinwerfer sind durch eckige abgelöst, zwischen denen sich ein schwarzer Kunststoffgrill spannt. Der Ford Transit steht mittlerweile für Robustheit, Zuverlässigkeit und Anspruchslosigkeit. Mehr Komfort und weniger Verbrauch anno 1986 Zwei Millionen Einheiten hat Ford vom Transit verkauft, als im Jahr 1986 die vierte Generation des Transporters Premiere feiert. Optisch bricht er radikal mit dem Erscheinungsbild des Vorgängers: Wo vorher die kantige Haube war, reckt sich nun eine schräg geneigte Frontpartie in die Höhe. Trotz um gut zehn Prozent erhöhten Ladevolumens sinkt der Verbrauch damit Ford zufolge um bis zu acht Prozent. Mehr Komfort bietet der Transit von 1986 in Gestalt eines besonders geräumigem Cockpits, groß dimensionierten Türen und tief ausgeschnittenen Seitenfenstern. Großzügiger als zuvor ist auch der Zugang zum Laderaum konzipiert. Das Fahrwerk gefällt mit modifizierten McPherson-Federbeinen an der Vorderachse. Weitere Modellpflege folgt 1991: außen kleines Facelift, unterm Blech aber ein erster Turbodiesel. Und zwar der erste Turbodiesel in einem leichten Nutzfahrzeug überhaupt, der ein elektronisches Motor-Management sein Eigen nennen kann. Im Jahr 1994 rollt das dreimillionste Exemplar vom Band, die Ausstattung des Transit umfasst mittlerweile Finessen wie einen zweistufigen Fahrerairbag und es gibt einen entscheidenden Schritt beim Design: ovaler Kühlergrill mit integriertem Markenlogo. Drinnen wird der Transit deutlich leiser. Erstmals Front- und Heckantrieb In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre geht der Transit schließlich auch den Weg der Globalisierung. Ab 1997 produzieren ihn zum Beispiel auch ein Werk in Vietnam (Hai-Dong) sowie ­eine Fabrik im chinesischen Nanchang. Und just zur Jahrtausendwende schickt Ford, exakt zum 35. Geburtstags des Evergreens, wiederum eine neue Generation ins Rennen. Erstmals gibt es den Transporter jetzt sowohl mit Front- als auch mit Heckantrieb. Der Produktionspegel ist  mittlerweile bei der Vier-Millionen-Marke angelangt, nur ein Jahr später weicht der Schalthebel auf Wunsch entsprechenden Bedienelementen am Lenkrad: Durashift EST-Automatik genannt. Im Jahr 2002 klettert das maximale Gesamtgewicht auf 4,25 Tonnen und es greift schon die Hälfte der Käufer zum Fronttriebler. Mit von der Partie ist jetzt auch die neue Dieselgeneration namens Duratorq TDCi. Transit Connect als kleiner Bruder Und nachdem Ford anno 2003 das Angebot an Fronttrieblern auf welche mit zwei Tonnen Nutzlast erweitert (vorher nur eine Tonne) und dem Transit als kompakten Bruder das neue Modell Transit Connect zur Seite gestellt hat, sagt die Produktion dem Werk in Genk Adieu: Sie zieht um ins türkische Kocaeli, wo  Ford Otosan mit der Materie bestens vertraut ist. Das Werk fertigt den Transit schließlich auch schon seit 1967, wenn auch hauptsächlich für außereuropäische Märkte. Von dort stammt nun auch die sechste Generation des Transit, für die der Startschuss im Jahr 2006 fällt. Neu gestaltetes Interieur mit in die Armaturen integriertem Schalthebel sowie  ESP und sieben neue Motorisierungen sind ­ihre wesentlichen Kennzeichen. Wobei die Verteilung zwischen Diesel und Benziner mittlerweile so ausfällt: sechs Selbstzünder, ein einziger Benziner. Auf der alternativen Liste stehen jetzt auch sowohl CNG- als auch LPG-Antriebe. Auf der High-End-Seite folgt 2008 ein 200-PS-Aggregat mit 3,2 Liter Hubraum, Common-Rail-Einspritzung und einer Leistung von 200 PS. Der schwerste aller Transit ist mittlerweile bei 4,6 Tonnen Gesamtgewicht angelangt. Immer weitere Varianten Vor zwei Jahren konnte der Transit dann schon das Jubiläum von sieben Millionen produzierten Einheiten feiern. Und danach hat sich richtig viel getan: Den guten Klang des Namens Transit nutzt Ford nun für nahezu alle leichten Nutzfahrzeuge in globalem Stil und hat den Transporterklassiker jüngst komplett neu aufgestellt. Da gibt es nicht nur den Transit Connect als leichteres Beiboot, sondern inzwischen auch zwei Bonsais alias Transit Custom und Transit Courier. Der Transit an sich (also ohne Zusatznamen) in heutiger Façon kam vergangenes Jahr  wieder einmal ganz neu und polarisiert mit eigenwilliger Front, bleibt dem bewährten Konzept der Transporter mit der blauen Pflaume im Knopfloch aber treu: trotz einem Haufen an moderner Technik und Assistenzsystemen ein ehrliches und mittlerweile in unzähligen Varianten lieferbares Arbeitstier, jetzt obendrein von echt globalem Rang. Denn heute wird der Transit nicht nur in der Türkei, Russland  und China gebaut, sondern seit Kurzem auch im US-amerikanischen Kansas City. Die Zahl der Länder, in denen dieser global konzipierte Geselle verkauft wird, beläuft sich mittlerweile auf mehr als 100. Einer für alle: Das ist der Ford Transit zu seinem Fünfzigsten mehr denn je.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 12/2015.
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Datum

12. Dezember 2015
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