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30. ADAC Truck-Grand-Prix: Startschuss für die Super-Sause

Lastwagenrennen auf dem Nürburgring, das war 1986 einfach einmalig! Dabei blieb es zum Glück nicht – der Truck-Grand-Prix feiert sein 30. Jubiläum!

Der weltbekannte Nürburgring war bis zu diesem Sommerwochen­ende vor 29 Jahren bereits Schauplatz einiger denkwürdiger Momente des ganz großen Motorsports. Aber das, was sich vom 18. bis zum 20. Juli 1986 auf der legendären Rennstrecke in der Eifel abspielte, das hatte es dort so noch nicht gegeben: Truck-Rennen!

Lkw waren bislang, von den Teamtransportern mal abgesehen, im Motorsport etwa so zu Hause wie der Esel auf dem Eis. Wer denkt sich denn bitte so etwas Verrücktes aus? Na, ein Profi am Lenkrad natürlich – der niederländische Fernfahrer Bertus van Holland. Dieser sah Ende der 70er-Jahre bei einer Urlaubsreise in den USA Lkw-Rennen auf Ovalstrecken und war fasziniert. Er schleppte den Virus in der Heimat ein und steckte einige seiner Landsleute damit an.

Eigene Rennserie mit Zugmaschinen

Van Holland organisierte Beschleunigungs­wettbewerbe und wurde wenig später Vorstand der europäischen Truck-Race-­Organi­sa­tion ETRO. Es entstand eine eigene Rennserie mit Zugmaschinen, die bereits in den Jahren vor dem ersten Auftritt in Deutschland nationale Meisterschaften austrug. Beispielsweise in den Niederlanden oder in England und schon 1985 gab es eine richtige Europameisterschaft. Der ADAC Mittelrhein holte mit dem "1. Internationalen ADAC Truck-Grand-Prix" das Lkw-Spektakel schließlich nach Deutschland. Der Rest ist Geschichte.

Premiere lockte mehr als 70.000 Zuschauer

Mit "Power, Action, Fun, Music" beworben und bestem Sommerwetter garniert, lockte die Premiere mehr als 70.000 Zuschauer an den Ring. Eine rekordverdächtige Hausnummer, die sogar den damaligen Formel-1-Lauf ausstach. Auf der Starterliste standen 51 Fahrer aus acht Nationen. Markentechnisch war von Ford Cargo, Leyland, Volvo, Renault, ERF, Bedford über Mack, Scania, Dodge, DAF, MAN, White, ­Iveco, Unic und Daimler-Benz alles vertreten, sogar ein stattlicher Peterbilt-Ami-Hauber.

Die Fahrzeuge waren in drei Klassen unterteilt. In Gruppe A starteten Trucks bis
300 PS, in Gruppe B die mit über 300 bis 360 PS und in Gruppe C tummelte sich alles mit mehr als 360 Pferdestärken. Die Obergrenze lag bei 450 PS. So zumindest die offiziellen Angaben, es gab schließlich ein ordnungsgemäßes Reglement, wie es für alle Motorsportserien in der FIA Pflicht ist.

Mit 1.000 PS am Start

Doch schon das Programmheft für die Zuschauer stellte zum Beispiel den exotischen Peterbilt im Starterfeld vor – mit zu der Zeit sagenhaften 1.000 PS. Wie viele PS ­einige der bereits ordentlich hochgezüchteten Renner wirklich hatten, blieb ein ungelüftetes Geheimnis im dicken, schwarzen Dieselqualm. Nur so viel ist gewiss: Schluss war bei 460 Pferdchen ganz sicher nicht. Zur Freude des Publikums, denn das konnte bei den insgesamt sechs Rennen des Wochenendes auf der verkürzten 3,029 Kilometer langen Grand-Prix-Strecke packende Zweikämpfe, Überholmanöver mit Nervenkitzel und diverse spektakuläre Drifts bestaunen, und das über jeweils acht spannende Runden hinweg. ­Später wurde eine neue Klassentrennung nach Hubraum eingeführt – und Rußfilter ­natürlich ebenfalls.

Die Fans konnten ihren "Helden" 1986 übrigens noch so richtig nahekommen, denn nicht nur das Fahrerlager stand – genau wie heute – jedermann offen, sondern zu bestimmten Anlässen auch die Boxengasse und die Start-und-Ziel-Gerade. Am Rennsonntag gab es das sogenannte "Walk about": Für anderthalb Stunden waren alle Besucher ein­geladen, in der Startaufstellung herumzuspazieren, um Trucks und Fahrer hautnah zu erleben. Die Renn-Action auf dem Asphalt gipfelte schließlich sonntagnachmittags im legendären "Grand Finale". Hier starteten die besten Trucks aller Klassen, 24 insgesamt, zusammen in einem Feld in umgekehrter ­Reihenfolge, die Schnellsten von ganz hinten. Eine verrückte Materialschlacht, ganz zur Freude der Zuschauer.

Go & Stop Race für die normalen Zugmaschinen

Aber auch das Rahmenprogramm konnte sich vor 29 Jahren sehen lassen und animierte sogar einige der Besucher, die mit dem eigenen Lkw angereist waren, zum Mitmachen. Beim Go & Stop Race durften nämlich auch Starter ohne Rennlizenz mit ganz normalen Zugmaschinen antreten. Dabei ging es darum, möglichst schnell über eine gewisse Distanz zu kommen, um dann so zu bremsen, dass man einen Poller umwarf und zwei weitere stehen ließ. Die Sieger konnten ihr Können im nächsten Lauf gegen Profi-Rennfahrer beweisen. Neben der Strecke gab auf dem Festival die Countrymusik den Ton an. Unter anderem spielte die heute legendäre Band "Truck Stop" zur Western-Fete auf.
Das Resümee der Lkw-Premiere auf dem Ring war nicht nur ein sensationeller Zuschauererfolg, sondern auch die Veranstalter lobten den Truck-Grand-Prix als einen ­außergewöhnlichen Event: "Noch nie habe man ein so großes, liebenswertes und kooperatives Publikum erlebt", so ein Zitat in der FERNFAHRER-Ausgabe 10/1986. Dass dies 29 Jahre später noch genauso gilt und der Truck-Grand-Prix 2015 sein 30. Jubiläum feiert, verdankt er seinen treuen Fans.

Autor

Foto

Oscar Hoogedoorn

Datum

22. Juni 2015
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