3-D-Drucker, Palette Zoom

3-D-Printer: Schöne neue Logistikwelt

Selber machen statt importieren – ein 3-D-Printer macht das möglich. Die Technik ist seit den 80er-Jahren bekannt.

Seine Weiterentwicklung könnte die Logistikwelt massiv beeinflussen. Davon sind die Verantwortlichen der Deutsche Post-Tochter DHL überzeugt.


Was heißt es eigentlich, als Unternehmen verantwortlich zu handeln, fragt Christof Ehrhart auf der DHL-Internetseite www.delivering-tomorrow.com. Der Chef der Konzernkommunikation ist das Gewissen des Logistikunternehmens. Ehrhart leitet den Bereich Unternehmensverantwortung. "Ökonomie, Ökologie und soziales Engagement stehen im Idealfall im Gleichgewicht", sagt er.

Doch das reicht nicht, um als Unternehmen im Haifischbecken der Marktwirtschaft zu wachsen. "Innovation ist die Kunst, einen großartigen Gedanken erfolgreich umzusetzen", sagt Bill Meahl, Marketingleiter bei DHL. Dazu brauche es Mut, Kreativität und eine gute Spürnase.

 Zukunftszenarien der Welt 2050

Im Februar 2013 hat DHL seine Logistikstudie Delivering Tomorrow vorgestellt. 42 Experten entwickeln darin fünf Zukunftsszenarien der Welt im Jahr 2050 unter der Annahme, dass der Bedarf an Logistik weiter steigt und es diverse Anforderungen an Logistiker geben wird. Von zügellosem Wachstum und drohendem Kollaps über Megaeffizienz in MegaCitys, individuelle Lebensstile mit lokalen Wertschöpfungsketten bis zu lähmendem Protektionismus bei sehr knappen Ressourcen hin zu lokaler Anpassung mit regionalen Lieferketten könnte die Reise gehen. Im Internet-Blog können Leser der Studie diskutieren, welche Variante am wahrscheinlichsten erscheint. Und welche Vision so düster ist, dass keiner sie haben will.

Vieles scheint möglich, auch durch eine neue technische ­Entwicklung, die die Produktionsketten der Zukunft aufmischt. "Das ist die größte Innovation seit der Erfindung der Montagestraße", schwärmt Steffen Frankenberg, stellvertretender Leiter des Geschäftsbereichs Entwicklung und Innovation. Als Ideenschmiede für innovative Logistik mit 70 Mitarbeitern hat DHL zusätzlich vergangenes Jahr einen Campus eröffnet, der dem Forschen und Entwickeln gemeinsam mit Partnerunternehmen einen Raum gibt.
In ihrem "Trend Radar Logistik" vom April 2013 stuft die Abteilung die 3-D-Drucktechnik als hochinteressant ein, die mittelfristig die Wirtschaft stark verändern werde. Individuelle Gipsschienen bei Knochenbrüchen, Zahnkronen im Printverfahren oder ein neun Zentimeter großer Fötus in 3-D, der das ungeborene Baby aus dem Ultraschall plastisch macht (in Japan für umgerechnet 930 Euro zu haben). Die rasant wachsende 3-D-Printer-Industrie könnte eine industrielle Revolution einläuten.
Einfache Geräte sind laut Frankenberg bereits für rund 500 Euro auf dem Markt zu haben. Eine individualisierte Produktion im Industrie 4.0 Zeitalter rückt näher. Ein digitales Lagerhaus ersetzt dabei die herkömmliche Transport- und Produktionsweise. Objekte werden auf Bestellung hergestellt.

Am Computer erstellt, am anderen Ende der Welt aufgebaut

Irgendwo auf der Welt wird ein dreidimensionales Objekt am Computer gebaut, digital verschickt und am anderen Ende der Welt aufgebaut. Raumschiff Enter­prise lässt grüßen: "Beam me up, Scotty!"

Irgendwann werden vielleicht Autos Lage für Lage gedruckt, prophezeit DHL-Mann Frankenberg. Immerhin ist auch bei den dort verwendeten Materialien eine Revolution im Gang – womöglich vom Stahl zum Holz. Erste Einblicke gab kürzlich die Weltleitmesse der Holzindustrie in Hannover. Das Bundesforschungsministeriums schätzt, dass mehr als zwei Drittel aller technischen Innovationen direkt oder indirekt von den Eigenschaften der verwendeten Materialien abhängen. Die Automobilindustrie zeigt sich experimentierfreudig: Wo lassen sich Kohlefasern, die leicht und stabil sind, smarte Materialien, die ihre Form verändern können, darunter sogenannte Piezokeramiken, Bio-Kunststoffe aus Mais und anderen nachwachsenden Rohstoffen (Biopolymere) und ­Graphene (Kohlenstofflagen) von der Größe eines Atoms einsetzen? Vieles dabei ist allerdings noch Zukunftsmusik.

Auch bei der Entwicklung umweltfreundlicher Antriebstechniken überlässt DHL nichts dem Zufall. Auf dem Weg zur CO2-freien Stadtlogistik hat das Unternehmen bei dem Start-up-Unternehmen Streetscooter ein auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Elektro-­Zustellfahrzeug in Auftrag gegeben. Die ersten Testfahrzeuge sollen ab Sommer über deutsche Straßen rollen (siehe:  Fünf Fragen an).

3-D-Printer ist in greifbarer Nähe

In greifbarer Nähe ist dagegen der 3-D-Printer. Seine technischen Möglichkeiten könnten auch die Aufgaben von Logistikern wie DHL entscheidend verändern: "Wir könnten die Teile selbst herstellen und just in time liefern", argumentiert Steffen Frankenberg. Nach seiner Vision müssen Logistikdienstleister voranschreiten, um nicht überflüssig zu werden. "Innovative Logistiker werden die Chance bekommen, als Vordenker und Spezialisten komplexe Netzwerke mit herkömmlicher und 3-D-Produktion zu dirigieren und integrieren", ist im DHL Trend Radar Logistik nachzulesen.

Keiner weiß, wie wichtig die neue Technik wird. Und wie sich Probleme mit Datensicherheit und Produkthaftung lösen lassen. Oder wie verhindert werden kann, dass sich jeder kostenlos Baupläne für Waffen aus dem Internet lädt, wie jüngst in den USA geschehen. Schöne neue Welt?

Portrait

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Fotolia, DHL

Datum

25. Juni 2013
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